Höchstadt a. d. Aisch

Ein Zwetschger bereichert die Stadt

Am Stadtturm in der Höchstadter Hauptstraße will die neue Weinstube "Zum Zwetschger" Geselligkeit, Entspannung und Harmonie verschaffen. Besitzer Reinhard Grasse möchte persönlich für seine Gäste da sein.
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So präsentiert sich die neue Weinstube von der Hauptstraße aus. Fotos: Yannick Hupfer
So präsentiert sich die neue Weinstube von der Hauptstraße aus. Fotos: Yannick Hupfer
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Höchstadt — Die großen Steine der Stadtmauer grenzen direkt an das frisch renovierte Haus an. Graues Gebälk glänzt im Licht, der Hinterhof wirkt verwinkelt. Im Hintergrund der Höchstadter Stadtturm. Betreten die Gäste des Weinlokals "Zum Zwetschger" dessen Hinterhof, fühlen sich viele in der Zeit zurückversetzt. "Wenn ich hier sitze, denke ich, ich bin im Mittelalter", schwärmt Reinhard Grasse. Am Freitag hat er gemeinsam mit seiner Frau Sabine das neue Weinlokal eröffnet.

Schmuckfachwerk

Dazu haben sie zahlreiche Gäste eingeladen, die an dem Umbau des alten Hauses beteiligt waren. "Vom erstem Dreck-rausschaffen bis zum Licht-anmachen hat es zwei Jahre gedauert", erklärte Grasse am Freitagabend. 47 Container Schutt und Erde haben die Helfer rausgetragen, 54 Säcke Lehm wieder hinein. Erst dann kam nach und nach das Schmuckfachwerk von 1668 zum Vorschein, wie Architekt Georg Leyh erzählte.

Dekan schenkt Weinstock-Kreuz

Doch für Grasse wäre ein Neubau nie in Frage gekommen: "Es ist meine Liebhaberei." Das erkennen die Gäste an vielen Details: an den Verzierungen an der Wand, am sandgestrahlten Gebälk und an den altertümlichen Lampenschirmen. Dabei kam es dem Bauherren immer darauf an, die Historie des Hauses aufrechtzuerhalten. "Dieses Haus besteht überwiegend aus natürlichen Materialien", sagt er.

Dekan Kilian Kemmer schenkte dem Wirt ein Weinstock-Kreuz, das nun im Lokal hängt. Grasse ermögliche durch sein Projekt Geselligkeit, Harmonie, Entspannung und Gelassenheit. "Das ist nötiger denn je", sagte der Dekan am Freitag. Gerade in einer Welt voller Stress und Hektik im Alltag. Und ein Versprechen gab es vom Geistlichen auch noch: Das zu einer stets treuen Kundschaft.

Entstanden sind in dem Weinlokal 32 Innen- und 24 Außenplätze. Die Gäste möchte Grasse gemeinsam mit Personal selbst bedienen, geöffnet ist immer am Wochenende. "Diese Stadt verträgt es, wenn man sich um sie kümmert", sagt der Wirt.

Kabarett und Lesungen

Deshalb plant er in regelmäßigen Abständen verschiedene Veranstaltungen, möchte mit seinem Weinlokal eine Begegnungsstätte schaffen. Ein keltischer Abend Mitte Mai sei bereits ausverkauft. Doch Grasse stellt sich auch Dichter- und Autorenlesungen, Kabarett und lyrische Abende vor.

Das Anwesen in der Höchstadter Innenstadt haben die Grasses von der Stadt selbst gekauft. Mehrere Häuser sind aktuell in deren Besitz, nach und nach werden sie verkauft. Reinhard Grasse musste Bürgermeister Gerald Brehm (Junge Liste) ein Konzept für sein Lokal vorlegen, doch der war begeistert. "Es ist ein riesiger Beitrag für die Stadt", meint Brehm. Mit der Einweihung des Weinlokals "Zum Zwetschger" ist nun ein weiteres Haus in der Innenstadt wieder in seinem ursprünglichen historischen Zustand. Bis das in Höchstadts Mitte alle Häuser sind, dauert es laut Brehm aber noch fünf bis zehn Jahre. Doch dann herrscht nicht nur in Grasses Innenhof Mittelalter-Feeling.

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