Bamberg

Ein Zeichen setzen gegen Missbrauch

Der Bamberger Künstler Ralf Metzenmacher kritisiert den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen. Eine Pilgerwanderung soll das Thema wieder in den Fokus rücken.
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Hannes Bauer und Ralf Metzenmacher werden das Kunstwerk "Der Mantel des Schweigens II" als Mahnmal von Bamberg nach Fulda tragen. Die Strecke ist rund 130 Kilometer lang. Foto: privat
Hannes Bauer und Ralf Metzenmacher werden das Kunstwerk "Der Mantel des Schweigens II" als Mahnmal von Bamberg nach Fulda tragen. Die Strecke ist rund 130 Kilometer lang. Foto: privat

Um "zwischen zwei noch getrennten Welten eine Brücke zu bauen", pilgert der Bamberger Künstler Ralf Metzenmacher gemeinsam mit seinem Freund Hannes Bauer eine Strecke von rund 130 Kilometern. Dabei tragen die beiden ein Kunstwerk des Retro-Art-Künstlers. Und damit übt er scharfe Kritik am Verhalten der katholischen Kirche.

Für den Künstler sei schnell klar gewesen, dass er ein Mahnmal schaffen musste, damit die Missbrauchsfälle nicht unter den Teppich gekehrt werden. Weil Papst Benedikt bei der Ostermesse im Jahr 2012 kein Wort der Entschuldigung oder Reue über die vorausgegangenen Missbrauchsfälle aussprach, fühlte sich Metzenmacher schon damals zum Handeln aufgefordert: Die Kirche wolle einen Mantel des Schweigens über die Vorfälle werfen. Deshalb möchte er mit seinem Werk Transparenz schaffen und die Aufmerksamkeit auf die Zustände in der katholischen Kirche lenken. Mit der Büßer- und Pilgerwanderung vom Bamberger Dom nach Fulda will er ein Zeichen gegen den immer wieder auftretenden Missbrauch in der katholischen Kirche setzen und die Bevölkerung auf dieses Thema aufmerksam machen.

Sowohl Metzenmacher als auch Bauer werden auf der gesamten Strecke das Gemälde tragen - in Anlehnung an Jesus, der auf dem Kreuzweg die Sünden der Menschen auf seinen Schultern trug. So soll den Missbrauchsopfern mehr Gehör verschafft und ihr Leid anerkannt werden.

Anklage der katholischen Kirche

Mit seinem Werk "Der Mantel des Schweigens II" klagt er die katholische Kirche und deren Verhalten im Umgang mit den Missbrauchsfällen an. Er stellt die Opfer dieser Vorfälle in den Fokus, benennt mit seinem Kunstwerk die Täter und kritisiert die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche: Noch unter Papst Benedikt schaffte es ihm zufolge die Kirche nicht, Stellung zu beziehen und sich selbst zu hinterfragen. Metzenmacher appelliert und fordert von der Kirche gleichzeitig eine innere Einkehr wie auch eine moralische Umkehr. Bereits im März fand in Fulda die Konferenz deutscher Bischöfe statt - ein Dialog vor Ort wurde dem Künstler verwehrt. Die Kirche hat sein Kunstwerk als Geschenk ebenfalls abgelehnt.

Dass die Kirche dem Thema Missbrauch mittlerweile einsichtiger gegenübersteht, anders als noch 2012, zeige die dreitägige Konferenz des Papstes im Februar in Rom. Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich Anfang des Jahres zum Missbrauchsthema geäußert: Er fordert, dass Täter bestraft und Rückfälle mit allen Mitteln verhindert werden müssten. Laut Künstler sei die Dringlichkeit des Themas dadurch belegt. Er mahnt besonders an, dass rechtliche Konsequenzen für die Täter fehlen und fordert eine schwerwiegendere Bestrafung.

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