Kleintettau

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Das Grenzdenkmal "Klein Lichtenhain" wurde in Kleintettau eingeweiht. Es soll an die innerdeutsche Grenze erinnern und das Bewusstsein für Freiheit und Demokratie schärfen.
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Das Grenzdenkmal wurde offiziell eingeweiht von (von links) dem Sonneberger Bürgermeister Heiko Vogt, seinen Kollegen aus Probstzella und Kleintettau Sven Mechtold und Peter Ebertsch, Landrat Klaus Löffler und Regierungsvizepräsident Thomas Engel.  Foto: Veronika Schadeck
Das Grenzdenkmal wurde offiziell eingeweiht von (von links) dem Sonneberger Bürgermeister Heiko Vogt, seinen Kollegen aus Probstzella und Kleintettau Sven Mechtold und Peter Ebertsch, Landrat Klaus Löffler und Regierungsvizepräsident Thomas Engel. Foto: Veronika Schadeck

Veronika Schadeck Es geht um das Erinnern an das System der DDR. Es geht um das Bewusstsein, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind. Es geht um Kleintettau und um Klein Lichtenhain, die früher zusammengehörten und durch das System, Grenze und Minenfelder getrennt wurden, was viel Leid in Familien brachte.

Klein Lichtenhain, in der damaligen DDR gelegen, grenzte bis zum Jahre 1976 an Kleintettau. "Es fühlte sich so an, als sei unser Ortsteil zweigeteilt", so Bürgermeister Peter Ebertsch. Als im März 1962 die Zonengrenze gezogen wurde, vergaß man drei Häuser, die verwaltungsmäßig zu Klein Lichtenhain in der Zone gehörten. Diese lagen zwischen dem Todesstreifen und der Demarkationslinie. Nach Westen brauchte man nur über einen Strich zu gehen.

Eine Nacht vor Beginn des Baus der Grenze am 21. März 1962 kamen 17 Vopos nach Lichtenhain. Sie sollten die 20 Einwohner des Ortes ins Hinterland bringen. 18 flüchteten nach Westen. Sie leben jetzt in Kleintettau.

Das Ehepaar Wiegand blieb. Es war einmalig in der Geschichte, dass Bürger zur damaligen Zeit im Ostgebiet wohnten, jedoch Personalausweise im Westen beantragten und hier auch das Wahlrecht hatten. Man nannte dies das Wunder von Kleintettau.

Am 1. März 1976 war Schluss damit. Klein Lichtenhain wurde dem Gemeindegebiet Kleintettau zugeschlagen. Zwei der Wohnhäuser mussten nach langem Leerstand abgebrochen werden. Niemand hat damals daran gedacht, dass hier einmal die Grenze beseitigt werden würde. Als Zollbeamter habe Ebertsch die Grenzöffnung miterlebt, die mit vielen Emotionen und Freude verbunden war.

Peter Ebertsch erklärte, dass es ihm eine Herzensangelegenhei seit, gerade die nachfolgenden Generationen an diese Zeit zu erinnern. "Es soll ein Mahnmal dahingehend sein, dass sich so eine Episode niemals wiederholen darf."

Der Regierungsvizepräsident Thomas Engel meinte, dass man an Orten wie Kleintettau erfahren könne, was die Teilung Deutschlands wirklich für den einzelnen Menschen bedeutete und welche Auswirkungen sie hatte. Er wünschte, dass möglichst viele Menschen kommen, um etwas über diese kleine Geschichte Kleintettau - Klein Lichtenhain zu erfahren.

Leid wird vergessen

"Mir bereitet es Sorge, dass immer mehr meiner Mitbürger das Leben unter Hammer und Sichel in der ehemaligen DDR glorifizieren", so der Bürgermeister aus Sonneberg, Heiko Vogt. Es sei nicht alles schlecht gewesen in der DDR, aber viele vergessen das Leid und die Entbehrungen, die viele Menschen unter der Diktatur des Sozialismus erfahren haben.

Für ihn gelte deshalb: "Erinnern, um nicht zu vergessen". Er wies darauf hin, dass Menschen mit der gleichen Identität auseinandergerissen wurden. Denn: "Wir haben eine gemeinsame fränkische Geschichte!" Deshalb freue er sich, dass die Kleintettauer mit diesem Grenzdenkmal einen Pflock eingerammt haben, der für immer an diese schreckliche Grenze erinnert. Er bot seinen fränkischen Kollegen an: "Wir bauen unsere gemeinsame Zukunft Stück für Stück aus."

Was ist von der Vision nach der Grenzöffnung geblieben? fragte ein nachdenklicher Bürgermeister Sven Mechtold aus Probstzella. Und er stellte fest: "Nach 30 Jahren deutsch-deutschen Jahren sind wir noch viel zu weit voneinander weg!". Er warb um gegenseitiges Verständnis, um gemeinsame Gespräche, damit "wir uns besser verstehen lernen!" Und er stellte klar, dass Werte wie Freiheit und Demokratie auch in unserer Zeit nicht selbstverständlich seien.

Die kirchliche Weihe nahmen Hans Kaufmann und Pfarrer Heinz Jentsch vor. Kaufmann hofft, dass dieses Denkmal dazu beitragen wird, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Jentsch meinte: "Das ist eine gute Tat, die ihr gemacht habt!"

Der Tettauer Bürgermeister bedankte sich bei der Veranstaltung bei allen, die für das Grenzdenkmal einen Beitrag leisteten. Sein besonderer Dank galt zudem der Sparkassenstiftung Ludwigsstadt für einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro sowie der Bürgerstiftung "Unser Markt Tettau" für die Zuwendung in Höhe von 5000 Euro.

Fotos gesucht

Zudem wies Ebertsch darauf hin, dass dieses Denkmal noch weiter gestaltet werde. Jeder, der Fotos aus der damaligen Zeit auf diesem Gebiet habe, könne sich gerne melden.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Rennsteigkapelle Kleintettau.

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