Kronach
kronach.inFranken.de  Der Hospizverein Kronach ist 25 Jahre alt geworden. Wie wichtig dessen Arbeit ist, zeigte der Festakt im Schützenhaus.

Ein Vierteljahrhundert Menschlichkeit

"25 Jahre Hospizverein Kronach bedeutet 25 Jahre praktizierte mitmenschliche Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie trauernder Angehöriger - behutsam, mit Zuwendung, Mitgefühl und Wertsch...
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Langjährige verdiente Mitglieder des Hospizvereins Kronach erhielten das Ehrenamtsabzeichen des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands in Gold. Fotos: Heike Schülein
Langjährige verdiente Mitglieder des Hospizvereins Kronach erhielten das Ehrenamtsabzeichen des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands in Gold. Fotos: Heike Schülein
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"25 Jahre Hospizverein Kronach bedeutet 25 Jahre praktizierte mitmenschliche Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie trauernder Angehöriger - behutsam, mit Zuwendung, Mitgefühl und Wertschätzung", zeigte sich Vorsitzender Peter Witton stolz. Ermöglicht hätten dieses die Mitglieder, Freunde und Gönner - vor allem aber die ehrenamtlichen Mitarbeiter, unterstützt durch die beiden hauptamtlichen Hospizkoordinatorinnen Annette Hümmer und Brigitte Raabgrund.

Wer Hospizarbeit verstehen wolle, müsse zu den Ursprüngen blicken. Während ehemals die Endlichkeit des Lebens als etwas Selbstverständliches betrachtet worden sei, habe sich dies ab der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert geändert. "Der Tod wurde als Schrecken erlebt", so Witton. Mit dem technischen und medizinischen Fortschritt des 20. und 21. Jahrhunderts seien Tod und Sterben nach und nach tabuisiert worden. Viele Menschen sterben heute nicht mehr zuhause, sondern - gegen ihren Willen - im Krankenhaus oder Altenheim.

"Trauerbegleitung verläuft nie nach Schema F", betonte Zweite Vorsitzende Anja Männl, es gehe vielmehr darum, sich jedes Mal auf eine neue Situation einlassen zu müssen. Die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer habe zugleich auch eine andere Seite: das Wissen um die Kostbarkeit des Lebens. Es lohne sich, kleine Freuden und Erlebnisse mehr in den Mittelpunkt zu rücken.

Mit der Thematik befasste sich auch der berührende Fest-Vortrag "Jeder Tag ist kostbar - Was wir von der Auseinandersetzung mit dem Tod für unser Leben lernen können" von Daniela Tausch aus Würzburg. In Erfahrungsberichten zeigte die Diplom-Psychologin und Initiatorin des Stuttgarter Hospizdienstes auf, dass Verlust und Sterben die Liebe lehrten, zum eigenen Körper, zur Schönheit des Augenblicks, zur Magie der Schöpfung. Das Leben könne man mit einer Speisetafel vergleichen. Wenn sie abgeräumt werden soll, kommt einem in den Sinn, was man gerne noch probiert hätte. Es habe sich gezeigt, dass diejenigen leichter loslassen könnten, die ihr Leben "gelebt" hätten; deren Lebensgefäß voll war. "Wir verschieben unser Leben immer auf später - wenn ich Urlaub habe, wenn ich im Ruhestand bin . ..", mahnte sie. Dabei sei nur die Gegenwart sicher. Fünf wesentliche Dinge seien es, die Sterbende rückblickend anders machen würden: weniger Arbeit und mehr Kontakt zu Freunden; mehr Mut, sich selbst treuzubleiben; mehr Neugierde auf das Leben; häufiger den eigenen Gefühlen Ausdruck verleihen und sich mehr Freude im Leben gönnen!

Beeindruckt vom Hilfs- und Beratungsangebot des Hospizvereins zeigten sich die Festredner. "Sterben ist keine Krankheit, sondern Teil des Lebens", appellierte der Vorsitzende des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands, Konrad Göller. Wenn eine Bürgerbewegung diese Erkenntnis in der Gesellschaft wachgehalten habe, dann die Hospizbewegung.

"Sie brennen für diese Aufgabe. Das ist etwas Einmaliges", würdigte die Vorsitzende des Hospizvereins Coburg, Irmgard Clausen, das Engagement der Mitglieder, gepaart mit Gefühl und Verstand, Hirn und Herz. Das Schicksal könne man nicht ändern, aber erleichtern, zeigte sich Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann sicher. Die würdevolle Begleitung sterbender Menschen sei einer der größten Dienste überhaupt.

Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem Hospizverein bauten Dekanin Dorothea Richter und Regionaldekan Thomas Teuchgräber.

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