Trebgast

Ein uralter Weihnachtsbrauch

In Trebgast wird es an Heiligabend wieder laut: Die Strohberta geht um und bittet um Spenden.
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Bei der Strohberta-Aktion vor 70 Jahren hatte das "Christkindla" (rechts) noch eine Krone auf.
Bei der Strohberta-Aktion vor 70 Jahren hatte das "Christkindla" (rechts) noch eine Krone auf.
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Mit der einbrechenden Dämmerung zieht am Heiligabend in Trebgast eine sonderbare Gruppe durch das Dorf und besucht die Häuser: Die Strohberta geht um.

Seit wann dieser Brauch ausgeübt wird, darüber gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Er ist wohl entstanden in Erinnerung an die Zeit, als noch Neujahr mit dem Weihnachtsfest zusammenfiel. Verlässliche Aufzeichnungen belegen zumindest Umzüge seit dem 19. Jahrhundert.

Zehn junge, unverheiratete Burschen werden diesen sehr alten Brauch auch an Heiligabend 2018 fortführen. Sie werden wieder mit viel Getöse durch Trebgast ziehen und trotz ihrer skurrilen Masken, die bei manchem auch heute noch manchmal ein gewisses Unbehagen auslösen, meistens schon überall freundlich erwartet und vielerorts bewirtet.

Allerdings hat sich gegenüber früher doch das eine oder andere geändert. Heute laufen sie nicht erst los, wenn es zu dämmern beginnt, sondern ihre Runde beginnt um 10 Uhr morgens und endet meistens um Mitternacht.

Dazwischen werden sie überall, wo sie anklopfen, "scheena Feiertoch" und "a g'sunds nei's Johr" wünschen, und das Christkindla wird ihre Glücksperlen im Hausflur verteilen.

Die Spenden, die sie dabei erhalten, werden sie wieder für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen.

Eine behände Gestalt läuft an der Spitze. Mit weißem Leinenhemd bekleidet und hellen, langen Haaren: das "Christkindla". Dann folgen eine Männer- und eine Frauengestalt. Er mit einem Stecken in der Hand, sie mit einem Coburger Korb auf dem Buckel: "Männla und Fraala", beide in bäuerlichem Gewand.

Blecherne Büchse

Der Nächste ist der "Schlotfeger" - mit kurzer Leiter, Schultereisen und Drahtbesen. Er trägt eine blecherne Sammelbüchse in der Hand. Danach kommt einer der "Sackträger". Mit ihm läuft einer von den beiden uniformierten Gestalten mit Helm oder Dienstmütze, ein "Gendarm".

Zur lärmenden Gruppe gehört ferner der "Strohbär", dem der "Treiber" folgt. Der kräftigste Bursche der Gruppe muss der Bär sein. Er ist mit fachkundiger Hilfe am ganzen Körper mit einem aus Erbsenstroh gedrehten Seil eingebunden, was eine ungeheuer wuchtige Gestalt ergibt. Eine bienenkorbähnliche Kappe mit kleinen Sehschlitzen sitzt auf Kopf und Schulter.

Diese Figur hat auch einen Schwanz aus dem selben Material und trägt um den Bauch an einem Gurt hohl klingende runde Ochsenrollen.

Die "Strohberta" muss aber schließlich doch ihrem "Bärentreiber", der sie an einer Kette führt und mit einer Peitsche lenkt, gehorchen. Bei ihnen läuft dann noch der zweite "Sackträger".

Den Schluss bildet der zweite der uniformierten Gestalten, der für Ordnung sorgt und weiterdrängt.

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