Ummerstadt

Ein unvergleichliches Projekt

Das Haus Markt 33 in Ummstadt ist nicht nur ein Baukompetenzzentrum und die neue Heimat der Geschäftsstelle der Initiative Rodachtal. Es ist auch ein Zeichen, dass alte Bausubstanz eine Zukunft hat.
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Ein Denkmal, das Zeichen setzt: Christine Bardin, Florian Kirfel und Martin FInzel (von links) heften dem "Markt 33" im Ummerstadt das Zeichen eines Baudenkmals an die hirstorische Fassade. Foto: Bettina Knauth
Ein Denkmal, das Zeichen setzt: Christine Bardin, Florian Kirfel und Martin FInzel (von links) heften dem "Markt 33" im Ummerstadt das Zeichen eines Baudenkmals an die hirstorische Fassade. Foto: Bettina Knauth
Was mit Ausdauer, Fachwissen, Handwerkskunst und viel Überzeugungsarbeit zu erreichen ist, zeigt als leuchtendes Beispiel die liebevolle Sanierung des ortsprägenden Anwesens mit der Hausnummer 33 am Ummerstädter Marktplatz. Nun bietet das zuvor marode Gebäude gegenüber dem Rathaus Raum für die neue Geschäftsstelle der Initiative Rodachtal sowie für das gemeinsam mit der Stadt betriebene "Kompetenzzentrum Bauen".
Über 30 Jahre lang stand das lange Zeit als Bäckerei genutzte Gebäude aus dem Jahr 1670 leer. Ein "fast zur Bauruine verkommenes Denkmal", dessen Zustand Bürgermeisterin Christine Bardin (CDU) bei der Eröffnung schilderte: Innen schon zu DDR-Zeiten entkernt, die Scheune teilweise eingefallen, die Giebelwand zur Marktstraße drohte zu kippen und das Umfeld verwahrloste. Mit der Idee, gemeinsam mit der Initiative Rodachtal ein "Kompetenzzentrum Bauen" anzusiedeln, war das passende Nutzungskonzept gefunden. Zukünftig soll hier ein Netzwerk zum Thema "Bauen im Bestand" auf- und ausgebaut werden.
Die Bausumme von 900 000 Euro bedeutete selbst bei einer 60-prozentigen Unterstützung durch die Städtebauförderung angesichts der für Ummerstadt verbleibenden 340 000 Euro ein finanzielles Risiko. Immerhin: Durch weitere 60 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege sanken die benötigten Eigenmittel auf 280 000 Euro.


Bardin mit doppeltem Wissen

Es sei ein Glück, dass die Bürgermeisterin nicht nur von Kommunalpolitik, sondern auch etwas vom Bauen verstehe, meinte Architekt Florian Kirfel. Das Gebäude sei nach neuestem Stand in Sachen Konstruktion, Denkmalpflege und Architektur verbessert worden, ohne es in die Moderne zu zwingen. "Nur das Alte ist alt und kann eine wohltuende Wirkung auf seine Umgebung erzeugen", zeigte er sich überzeugt. So habe man einige "eigenartig anmutende Entscheidungen" getroffen und zum Beispiel etwa 150 Jahre alte Fenster aufgearbeitet.. Auch die Patina des altes Ziegeldachs sei unvergleichlich, es füge sich ins Ortsbild ein und schreibe es fort.
Zuvor hatte Bardin für Erhalt und Entwicklung von historischen Gebäuden wie Ortskernen geworben. So könnte zum Beispiel guter Wohnraum geboten werden, falls sich die Trendwende weg von den Großstädten und hin zu leer stehenden Gebäuden auf dem Land weiter fortsetze. "Doch niemand wird dorthin ziehen, wo Bauruinen und hässliche Architektur vorhanden, aber kein Laden, Wirtshaus oder Kindergarten mehr vor Ort sind", warnte Bardin, die im Hauptberuf Architektin ist.
So halte sie es deshalb für einen Fehler, dass der Markt 33 von der IBA (Internationale Bauausstellung Thüringen) nicht als unterstützungswürdig betrachtet wurde. Dies passe zur Politik der Thüringer Landesregierung: "Zentralisieren und von oben nach unten durchregieren, so funktioniert der ländliche Raum nicht!" Wo kleine Strukturen aufgelöst worden seien, werde nun viel Geld investiert, um sie wieder funktionstüchtig zu machen, gab Bardin zu bedenken.
Beim Anschauen des "schönen Aushängeschilds für Stadt, Region und Kulturliebhaber" sollten alle Kritiker verstummen, meinte Kristin Floßmann (CDU), Abgeordnete im Thüringer Landtag.
"Meilenstein für die grenzüberschreitende Initiative Rodachtal" nannte Anton Hepple, Leitender Baudirektor des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken, das Gebäude. Die gelungene Renovierung sei ein "Mutmacher für Haus- und Grundeigentümer" und rege zur Nachahmung an historisches, bauliches Erbe auf Thüringer wie bayerischer Seite zu erhalten. Dazu müssten die Privatleute ihre Objekte aber auch zu "angemessenen Preisen" zur Verfügung stellen, forderte Knut Rommel, Leiter des Meininger Amts für Landentwicklung und Flurneuordnung. Um der Innenentwicklung stärker Rechnung zu tragen, gelte es alle Kräfte zu bündeln, "denn wenn wir weniger werden, können wir nicht mehr Siedlungsfläche verbauen", so Rommel.


Hier werden Brücken gebaut

Coburgs Stellvertretender Landrat Rainer Mattern (CSU/Landvolk) bezeichnete die Initiative Rodachtal als "Ideengeber". Sie verbinde über die Landesgrenzen hinaus. Diese Zusammenarbeit, um die Region gemeinsam zu entwickeln, bezeichnete Vorsitzender Martin Finzel als Erfolgsrezept des Zusammenschlusses. Der Markt 33 sei ein Beispiel für diesen Brückenbau.
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