Bamberg

Ein Tag der Solidarität

Demonstrationen  Bamberg setzte sich am Wochenende beeindruckend gegen Neonazis zur Wehr. Weit über 1000 Bürger warben für Menschlichkeit und Hilfe für Flüchtlinge. Unsere Chronologie zeigt, wie das am Samstag gelungen ist.
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Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sprach am Samstag von einer der größten Demonstrationen gegen Neonazis, die Bamberg seit Jahren erlebt habe.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sprach am Samstag von einer der größten Demonstrationen gegen Neonazis, die Bamberg seit Jahren erlebt habe.
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VON SEBASTIAN MARTIN
UND HARALD RIEGER

Bamberg — Die Domstadt hat am Samstag einen Tag der Solidarität erlebt. Gut 1000 bis 2000 Menschen sind auf die Straße gegangen, um sich gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass einzusetzen. Wir haben über die Demos im Live-Blog auf infr anken.de berichtet. Die Chronologie der Ereignisse haben wir noch einmal aufgeschrieben.

11.09 Uhr, Bahnhof: Noch sind keine Rechten in Bamberg angekommen. Aus dem bürgerlichen Lager treffen die ersten Gegendemonstranten ein. Die Polizei ist bereits massiv vertreten. Die Absperrgitter stehen.

11:24 Uhr, Posthochhaus: Die bürgerlichen Gegendemons tranten breiten ihre Transparente am Boden aus: "Bamberg schützt Flüchtlinge" und "Bamberg wehrt sich gegen Nazis" ist darauf zu lesen.

11:28 Uhr, Bahnhof Warteraum: die ersten Rechten werden gesichtet. Schnell wird jetzt schon klar: Die angekündigte "Asylmissbrauch"-Demo ist eine reine Neonazi-Veranstaltung. Die Gegendemonstranten sind deutlich in der Überzahl. Die Polizei schätzt sie zu dem Zeitpunkt auf 300. Beide Lager sind durch die Luitpoldstraße und Absperrgitter voneinander getrennt.

11.30 Uhr, Luitpoldstraße: Eine kleine Gruppe aus dem Lager der Gegendemonstranten (Antifa) versucht die Straße mit einem Transparent zu überqueren. Die Polizei drängt sie zurück.

11.39 Uhr, Der Bahnhofsvorplatz füllt sich langsam mit Rechtsextremen. Sie zeigen Flaggen mit Aufschriften wie "Kameradschaft". Es werden nicht mehr als 180.

12.13 Uhr, Werner Schnabel vom "Bündnis gegen Rechtsextremismus" begrüßt die Gegendemonstranten mit den Worten: "Flüchtlinge müssen geschützt werden, Flüchtlingen muss geholfen werden, und wir müssen sie vor allem vor diesen Nazis da drüben schützen!" Lautstarker Applaus.

12.27 Uhr, Die Neonazi-Demo zieht los Richtung Markusplatz. Begleitet werden die Rechtsextremen in der Luitpoldstraße von jeder Menge Polizei und einem Pfeifkonzert der Gegendemonstranten, die inzwischen auf 1000 Teilnehmer angewachsen sind. Passanten schreien: "Wir wollen keine Nazi-Schweine!"

12.40 Uhr, Luitpoldstraße: Inzwischen sind auch die Gegendemonstranten unterwegs. Sie füllen nicht nur die Breite der Straße, auch die Gehsteige sind voll. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), Landrat Johann Kalb (CSU) und der evangelische Dekan Hans-Martin Lechner sind unter ihnen. Stadt- und Kreisräte demonstrieren mit. Ein beeindruckendes Bild: Jung und Alt sind unterwegs. Eltern mit Kindern, Jugendliche wie Rentner sind gleichermaßen auf den Beinen.

12.40 Uhr, Café Rondo: Hier warten bis zu 40 Gegendemonstranten aus dem linken Lager. Sie zeigen Plakate und den Neonazis den Mittelfinger. Sie pfeifen, was das Zeug hält. Weitere angemeldete Gegendemos auf der Kettenbrücke und am Heumarkt finden nicht statt. Die Rechtsextremen ziehen weiter durch die Lange Straße.

13.01 Uhr, Am Kranen: In der Kapuzinerstraße, wo die kleine Gruppe der Rechtsextremen entlang geführt wird, hat sich eine Sitzblockade von Gegendemonstranten gebildet. Die Polizei trägt die Streikenden weg. Einer der Gegendemonstranten legt sich unter ein stehendes Polizeifahrzeug, um den Zug aufzuhalten. Ein Polizeiarzt und weitere Beamte holen den Mann unverletzt hervor. Er wird zur Seite getragen.

13.06 Uhr, Gegenüber der Uni-Bibliothek: Zwischenkundgebung der Neonazis. Es werden neonazistische Phrasen gedroschen und Schauergeschichten über gewalttätige Asylbewerber verbreitet - unter anderem spricht der NPD-Mann Karl Richter aus München. Außer den Neonazis ist aber keiner da, der die Reden hört. Die Rechtsextremen sind isoliert.

13.15 Uhr, Die Gegendemonstranten sind durch die Obere und Untere Königstraße über die Löwenbrücke gezogen. Ein beeindruckendes Bild: Beobachter schätzen die Teilnehmerzahl auf 2000. Die bürgerliche Demo kommt vor den Neonazis am abgesperrten Markusplatz an. Die Polizei ist sehr präsent. OB Starke spricht auf dem Wagen: "Ich freue mich über die große Solidarität in der Bamberger Bevölkerung und den Zusammenhalt der demokratischen Gesellschaft. Es gibt hier Null Toleranz gegenüber den Nazis."

13.37 Uhr, Die Neonazis kommen am Markusplatz an. Sie werden von den Gegendemonstranten mit Pfiffen erwartet. Die kleine Gruppe Rechtsextremer steht vor dem Markushaus. Die Gegendemonstranten, zu denen sich auch Erzbischof Ludwig Schick gesellt hat, stehen auf der anderen Seite des Grünstreifens. Dazwischen viel Polizei.
14.04 Uhr, Nach dem Ende ihrer Demonstration, werden die Neonazis unter massivem Polizeischutz über die Mußstraße, den Regensburger Ring, entlang der Memmelsdorfer Straße zum Bahnhof begleitet. Bei den Stadtwerken und an der Ottokirche tauchen einzelne linke Gruppierungen auf. Beide Lager sparen nicht an Beleidigungen. Am Markusplatz gibt es noch kurz Aufregung, weil ein Demonstrant von einem Polizeiauto angefahren worden sein soll. Ein Polizeisprecher kann das nicht bestätigen.

14.39 Uhr, Bahnhof: Eine Gruppe von Nazi-Gegnern erwartet die Rechtsextremen. Mit Hilfe der Bundespolizei können die Gruppen getrennt werden. Es kommt kurzzeitig zu beträchtlichen Verkehrsbehinderungen.

15.30 Uhr, Die Neonazis sitzen in den Zügen und verlassen Bamberg. Viele sollen aus Ostdeutschland gekommen sein.

16.00 Uhr, Der Bahnhof leert sich. Die Polizei zieht eine positive Bilanz. Es habe kurzzeitig fünf Verhaftungen gegeben wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Widerstands gegen Polizisten und Körperverletzung. Manche Demonstranten kritisierten ein zu hartes Vorgehen der Einsatzkräfte am Bahnhof, nachdem die Neonazis längst abgefahren waren. Dennoch verlief der Tag ruhig: Bis zum Schluss machten Menschen den Neonazis deutlich, dass sie nicht erwünscht sind.

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