Herzogenaurach

"Ein Stück Normalität"

Herzogenaurach hat seine Steinerne Brücke seit genau 70 Jahren zurück.
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Die Mutter Gottes auf der Steinernen Brücke nach einem Entwurf von Maria Lerch  Foto: Manfred Welker
Die Mutter Gottes auf der Steinernen Brücke nach einem Entwurf von Maria Lerch Foto: Manfred Welker

Vor 70 Jahren, am Sonntag, 12. September 1948, wurde die neu errichtete Steinerne Brücke über die Aurach eingeweiht. Der Vorgängerbau war am 15. April 1945 gesprengt worden.

Nach Forschungen von Luitpold Maier war die erste Steinerne Brücke 1544 erbaut worden. Zuvor hatten Holzbrücken die beiden Ufer der Aurach verbunden. Diese wurden allerdings häufig durch Eisgang und Hochwasser beschädigt und weggeschwemmt.

Aus den Stadtbaumeisterrechnungen konnte Maier erschließen, dass die Steine für die Brücke aus den Brüchen bei Hauptendorf, Lohhof und Zweifelsheim stammten. Außerdem dienten Steine aus dem Birkenbühl zum Pflastern der Fahrbahn. Auf der östlichen Randmauer der Brücke wurde eine Martersäule errichtet. Auf der westlichen Seite befand sich ein Zentstein in Form einer Marter, wie es in der Grenzbeschreibung von 1749 heißt: "Die Anolzbachisch-Langenzenner Fraisch reicht bis zur Stegtorbrücke mit einem darauf eingesetzten Grenzstein."

Diesen zierte ein auf Blech gemaltes Muttergottesbild, weshalb beim Neubau der Brücke des Jahres 1948 auch die Entscheidung fiel, wieder eine Muttergottesstatue aufzustellen. Die Bamberger Künstlerin Maria Lerch zeichnete als Entwerferin verantwortlich und Steinmetzmeister Hans Gast als Ausführender.

Es war 1948 mehr als eine Brückeneinweihung, es war ein Volksfest. Denn mit der Inbetriebnahme konnte rund drei Jahre nach Kriegsende wieder ein Stück Normalisierung in Herzogenaurach Einzug halten. Die Bevölkerung war aufgefordert, die Häuser mit Fahnen und frischem Grün zu schmücken. Für die Zuschauer wurden durch die Polizei und die Feuerwehr die Plätze angewiesen. Die Schulkinder wurden durch die Lehrkräfte gruppiert. Die musikalische Umrahmung hatte die Musikkapelle Engert übernommen, der Kinderchor sang das Frankenlied, außerdem war der Volkschor beteiligt.

Die gesamte Bevölkerung schien bei der Brückenweihe dabei gewesen zu sein. Seit mehr als einem Jahr waren unter der Regie von Stadtbaumeister Hans Motzer die Maurer Hans Peetz und Michael Bitter von der Firma Georg Sieber und weitere Arbeiter damit beschäftigt gewesen, die im letzten Moment des Zweiten Weltkriegs gesprengte Steinerne Brücke wieder aufzubauen.

Bürgermeister Hans Maier betonte das besondere Verdienst des Stadtbaumeisters Hans Motzer, der für die Pläne der Brücke verantwortlich zeichnete. Dank gebühre aber vor allem jenem 78-jährigen Mann, der unermüdlich von früh bis spät werkte und damit allen anderen ein Ansporn war. In Herzogenaurach sei er nur als "Walzen-Gerg" bekannt. Der Bürgermeister dankte dem verdienten Arbeiter unter Beifall mit Handschlag.

Bei der Errichtung wurden hauptsächlich Sandsteine aus dem schwer kriegszerstörten Nürnberg verwendet, die von Hans Peetz und Michael Bitter für die Brücke zurechtgemeißelt wurden.

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