Forchheim
Unser Thema der Woche // Grenzerfahrung

Ein Stück innerdeutscher Spaltung in Forchheim

Mirjam Stumpf Mitten in der Forchheimer Innenstadt, am Eingang zum Stadtpark über den Philosophenweg, steht seit vielen Jahren ein Stück Geschichte: in Form eines Zaunabschnitts der ehemaligen innerde...
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Mirjam Stumpf Mitten in der Forchheimer Innenstadt, am Eingang zum Stadtpark über den Philosophenweg, steht seit vielen Jahren ein Stück Geschichte: in Form eines Zaunabschnitts der ehemaligen innerdeutschen Grenze und eines Grenzpfeilers, bemalt in den Farben der Länderflagge.

Dieter George, der Vorsitzende des Heimatvereins und ehemalige langjährige Kulturbeauftragte der Stadt Forchheim, erinnert sich noch gut daran, wann und wieso der Drahtzaun an dieser Stelle platziert worden ist. Ehemalige Grenzpolizisten aus Forchheim, die zur Zeit des Kalten Krieges an der innerdeutschen Grenze ihren Dienst leisteten, hätten den Zaunabschnitt nach dem Mauerfall nach Forchheim geholt. "Sie sind mit Kollegen auf der anderen Seite in Kontakt gekommen und haben das Stück Demarkationsgrenze bekommen", erzählt George.

Kein Teil der Berliner Mauer

Es handele sich dabei nicht, wie möglicherweise anzunehmen, um einen Teil der Berliner Mauer, sondern um einen Zaunabschnitt zwischen der damaligen DDR und der BRD außerhalb der Hauptstadt.

Ein am Zaun befestigtes Schild gibt heute Aufklärung: "Im Mai 1952 errichtete die DDR entlang der Zonengrenze zur Bundesrepublik einen fünf Kilometer tiefen ,Schutz- und Kontrollstreifen', der die Verbindung zwischen beiden deutschen Staaten unterbrach. Ab 1961 fielen dem 'Schießbefehl' an dieser innerdeutschen Grenze 191 Menschen zum Opfer. Er wurde am 12. November 1989 durch die Regierung der zusammenbrechenden DDR aufgehoben."

Zuerst lagerte der Grenzzaun anschließend beim Zollamt und wurde bei dessen Auflösung in den 1990er-Jahren an die Stadt Forchheim übergeben, sagt George. Er, der zu dieser Zeit noch der Kulturbeauftragte der Stadt war, und der damalige Bürgermeister Franz Stumpf nahmen den Zaun am Philosophenweg entgegen.

Linde für die Wiedervereinigung

Ausschlaggebend für die Platzierung auf dem Wiesenabschnitt nahe der Sattlertorstraße war ein vorhergehendes Ereignis: Die CSU hatte bereits am 3. Oktober 1990 dort eine Linde anlässlich der Wiedervereinigung gepflanzt. Das bot sich als "geografischer Anknüpfungspunkt" an.

Heute stehen der Grenzabschnitt und der Pfeiler immer noch unter der Linde. Als ein "Stück Erinnerungskultur", wie Dieter George sagt - auch in Forchheim.

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