Herzogenaurach

Ein Stück Firmengeschichte

Der Sportartikler Adidas verlässt die alte Konzernzentrale nach 70 Jahren jetzt endgültig.
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Mit einem Blick in die Anfänge des Konzerns unter Adolf Dassler startet Adidas jetzt in die Zukunft auf dem Gelände der World of Sports in Herzogenaurach. Foto: Manfred Welker
Mit einem Blick in die Anfänge des Konzerns unter Adolf Dassler startet Adidas jetzt in die Zukunft auf dem Gelände der World of Sports in Herzogenaurach. Foto: Manfred Welker

Mit einem Plakat, auf dem Adolf Dassler zu sehen ist, der Beschriftung "Every end is a new beginning", einem Dank an den Adi-Dassler-Platz sowie einem Hinweis auf die Zusammenführung aller Bereiche von Adidas auf der World of Sports, nimmt die Firma nach 70 Jahren endgültig Abschied von der alten Zentrale am Buck. Eigentlich sind es schon annähernd 71 Jahre, denn bereits 1948 hatten sich aus der Firma Gebrüder Dassler die Firmen von Adolf Dassler und Rudolf Dassler entwickelt, die danach die Firmennamen Adidas und Puma erhielten.

Von den Herzogenauracher Schustern, die sich in einer Genossenschaft zusammengeschlossen hatten, war im Jahr 1899 ein Fabrikationsgebäude am Bahnhof, in der Kreuzgasse, errichtet worden. Allerdings war es nicht lange in Betrieb und wurde später von der Firma Weil in Fürth erworben. Im Jahr 1926 wurde dieses Fabrikgebäude von den Gebrüdern Dassler gepachtet und später gekauft.

Start am Hirtengraben

Die ersten Schuhe von Adolf und Rudolf Dassler waren im elterlichen Anwesen, Am Hirtengraben 12, in der Waschküche entstanden. Sportschuhe wurden in der zu Beginn noch kleinen Firma hergestellt, denn die Brüder waren begeisterte Sportler.

Nicht ohne Stolz konnte ihr Vater Christof Dassler in seinem Aufsatz im Herzogenauracher Heimatblatt aus dem Jahr 1930 zum neuen Fabrikationsgebäude in der Kreuzgasse schreiben: "Heute befindet sich darin eine Sportschuhfabrik von Gebr. Daßler mit Export nach der Schweiz, Holland, Oesterreich, Tschechoslowakei, England und Griechenland."

Die Geschäfte liefen gut. Neben ihrem Fabrikgebäude errichteten sich die Firmeninhaber im Jahr 1932 die Dassler-Villa, die 1933 bezogen werden konnte. In dem Gebäude wohnten im Parterre Adolf Dassler, im ersten Stock Rudolf Dassler mit seiner Frau Friedl, die er 1928 geheiratet hatte. Über den Familien ihrer erfolgreichen Söhne gewissermaßen im zweiten Stock die Eltern Christof und Pauline Dassler.

Die Schwerpunkte

Die beiden Dassler-Brüder hatten unterschiedliche Schwerpunkte in der Firma. Rudolf war vor allem für den Vertrieb zuständig und daher mehr im Büro anzutreffen. Das Betätigungsfeld von Adolf war die Fabrik, er scheute auch die schmutzintensive Arbeit an der Fräse nicht. Seine prachtvollen schwarzen Locken waren dann ganz weiß vom Frässtaub. Aber er wollte noch mehr Kenntnisse erwerben.

Um das Handwerk von der Pike auf zu erlernen, absolvierte Adolf Dassler 1932 einen Lehrgang an der Schuhfachschule in Pirmasens, wo er auch seine Frau Käthe kennenlernte. Die Heirat war im Jahr 1934.

Im Betrieb waren noch weitere Familienmitglieder beschäftigt. Sowohl der Vater Christof Dassler als auch die Mutter Pauline Dassler waren in den Produktionsablauf eingebunden. Simon Körner, der Mann von Maria Dassler, der Schwester der beiden Firmeninhaber, war als Chef bei den Zuschneidern. Außerdem war deren Sohn Friedrich (Jahrgang 1914) in der Zuschneiderei. Der jüngere Sohn Rudolf (Jahrgang 1924) arbeitete nach dem Schulabschluss in der Firma mit.

Ein großer Vorteil für die Schuhfirma war der Eisenbahnanschluss in Herzogenaurach, der seit 1894 die Anlieferung von Rohmaterial und den Abtransport der Fertigprodukte erleichterte.

Mit dem Einmarsch der US-Amerikaner am 16. April 1945 kamen sämtliche Arbeiten zum Erliegen. Die Schuhfabrik der Gebrüder Dassler, Kreuzgasse 2, erhielt ab dem 1. November 1945 durch die Militärregierung wieder die Genehmigung zur Produktion. Unter der Leitung des Geschäftsführers Georg Bauer fertigten 43 Arbeiter und zwei Angestellte Schuhe für die amerikanische Armee. Zum Sortiment zählten Sportschuhe wie Eishockeystiefel, Rennschuhe usw.

Die Trennung 1948

Allerdings hatten sich die beiden Brüder auseinandergelebt. Bereits nach Weihnachten 1947 ging unter den Mitarbeitern der Firma Dassler das Gerücht um, dass eine Trennung der Brüder anstand. Jedem Mitarbeiter wurde freigestellt, bei welchem der beiden er in Zukunft arbeiten wollte. Nach Dreikönig (6. Januar), das 1948 auf einen Sonntag fiel, zog Rudolf Dassler mit 14 Arbeiterinnen und Arbeitern in das Fabrikgebäude in der Würzburger Straße 13 um.

Im Werksgelände am Bahnhof wurde wirklich alles aufgeteilt. "Es is ja jeder Babberdeggl deild worn!", erinnerte sich die ehemalige Mitarbeiterin Franziska Geinzer.

Im Werk auf der anderen Seite der Aurach, in der Kreuzgasse, verblieb Adolf Dassler mit seinen Mitarbeitern, der seine Firma Adidas nannte. Sein Spitzname "Adi" und der Nachname Dassler finden sich darin vereint. Als Markenzeichen hatte er die drei Streifen ausgewählt. Von hier aus startete Adidas seinen Lauf zur Weltfirma. Mit dem Wegzug geht ein großer Teil der Firmengeschichte zu Ende.



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