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Kulmbach

Ein Start mit Hindernissen

Der digitale Unterricht in der "schulhausfreien Zeit" läuft im Landkreis nicht immer reibungslos.
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Der Leiter des beruflichen Schulzentrums, Alexander Battistella (stehend), und sein Stellvertreter Bertram Unger prüfen die Funktionsfähigkeit der Lernplattform Mebis. Hacker hatten die Seite in Besitz genommen, am Montag ging nichts mehr. Fotos: Sonny Adam
Der Leiter des beruflichen Schulzentrums, Alexander Battistella (stehend), und sein Stellvertreter Bertram Unger prüfen die Funktionsfähigkeit der Lernplattform Mebis. Hacker hatten die Seite in Besitz genommen, am Montag ging nichts mehr. Fotos: Sonny Adam
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Ein Schüler sitzt zu Hause am Computer. Vor ihm liegt ein kleines Kärtchen, auf dem das Mebis-Passwort steht. "Verdammt", flucht der Junge. Verständlich, denn er kommt einfach nicht ins System. "Zehn Fehlversuche", sagt der Rechner. "Das stimmt nicht, ich hab' das Passwort erst einmal eingegeben", schimpft der Schüler. Es ist zum Haareraufen.

So ist es Hunderten Schülern am Montag ergangen. Schnell machte sich das Gerücht breit, dass die offizielle Kommunikationsplattform von Hackern angegriffen worden sei. Und das stimmte. Ausgerechnet am ersten Tag der "schulhausfreien Zeit", die die Staatsregierung wegen der Corona-Pandemie verordnet hat, ging nichts ging mehr.

Mebis ist das offizielle Kommunikationsportal an bayerischen Schulen. "Mebis ist ein zentrales Instrument für die Materialweitergabe und den Kontakt zwischen Lehrern und Schülern", erklärt die Leiterin des Caspar-Vischer-Gymnasiums, Ulrike Endres. Die Lehrer könnten hier virtuelle Klassenräume schaffen, Material hinterlegen und die Schüler arbeiten lassen.

Völlig überlastet

"Es geht wieder. Ich habe auch schon einige Antworten", jubelt der Leiter der Fachoberschule und der Berufsoberschule, Bertram Unger. Fasziniert schaut ihm der Leiter des beruflichen Schulzentrums, Alexander Battistella, über die Schulter. "Mebis ist eigentlich eine gute Plattform, sie bietet gute Möglichkeiten. Aber das System ist völlig überlastet", so Battistella.

Aus der Krise zum Anfang des digitalen Unterrichtszeitalters will er seine Lehren ziehen. "Wir haben den Begriff Digitalisierung viel zu sehr ans Haus gebunden. Doch der Unterricht muss überall durchgeführt werden können - unabhängig vom Ort. Es geht nicht nur um neue Geräte, es geht auch darum, die Lehrer stetig fortzubilden und die Möglichkeiten zu nutzen", sagt Battistella.

Das Caspar-Vischer-Gymnasium hat wegen der Pannen kurzfristig auf das "Elternportal" umgestellt. Lehrer können hier vom eigenen Rechner Material weitergeben. Ulrike Endres: "Wichtig sind flexible Kommunikationswege, die von den Bedürfnissen der Nutzer ausgehen. Daher kommunizieren verschiedene Klassen und Lerngruppen über E-Mail-Gruppen und Cloudlösungen, die gerade in der Oberstufe und in höheren Klassen etabliert sind."

Wichtig beim digitalen Unterricht am CVG sind Kreativität und neue Ideen. "Dass es in der Praxis manchmal holpert, weil eine Datei auf einem der Empfängerrechner nicht zu öffnen ist, gehört leider dazu - auch Geduld gehört manchmal dazu. Das ist eine Erfahrung, die wir gerade machen", so Endres.

Rechtzeitig losgelöst

In einer besseren Lage ist da das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. "Wir hatten eine Überlastung der Lernplattform Mebis befürchtet und rechtzeitig eine Loslösung von diesem System veranlasst. Hinzu kam, dass das MGF sich ohnehin gerade in einer Phase der Neuaufstellung von Homepage, interner Kommunikationsstruktur und ähnlichem befindet." So hätten die Systembeauftragten aus der Not eine Tugend gemacht. "Momentan läuft alles reibungslos", vermeldet der Schulleiter Horst Pfadenhauer.

Die Gymnasien sind sich in einem Punkt einig: Das Abitur ist nicht in Gefahr. Und durch die "schulhausfreie Phase" werden die Schüler nicht schlechter auf die große Prüfung vorbereitet sein.

Auch bei der FOS/BOS liegt der Fokus auf den Abschlussklassen. Schulleiter Bertram Unger sieht hier ebenfalls keine Probleme.

Ganz anders sieht die Situation bei der beruflichen Ausbildung aus. "Die Kammerprüfungen sind verschoben worden. Aber für die Berufsschüler ist die schulhausfreie Zeit nicht so schlimm, denn sie haben Blockunterricht - sie sind nur eine Woche betroffen", erklärt Alexander Battistella.

Hilfreiche E-Mails

Die Berufsschüler nutzen Mebis nicht. Doch die Lehrkräfte behelfen sich mit E-Mails. Der Unterricht geht weiter, wenn auch etwas anders. Kreative Ideen sind erwünscht: Audiodateien, Videos, animierte Dateien, Power-Point-Präsentation - alles ist möglich. "Jeder hat seine eigenen Wege. Nur auf dem Postweg verschicken wir nichts, das wäre zu langsam und nicht mehr zeitgemäß", betont Battistella.

Doch wie sieht digitaler Unterricht eigentlich bei den jüngeren Schülern aus? "Wie bei den Großen", meldet der Leiter der Grund- und Mittelschule Stadtsteinach, Michael Pfitzner. Die Klassenleiter und die Fachlehrer bereiteten für die Schüler Wochenarbeitspläne vor und schickten diese dann per Mail an die Schüler.

Diejenigen, die keinen Computer oder Drucker zu Hause haben, bekämen die Unterlagen ausgedruckt und könnten diese im Schulhaus von den Eltern abholen lassen. "Wir haben die E-Mail-Adressen und die Telefonnummern abgefragt, wir stehen in engem Kontakt", sagt Pfitzner. Und nächste Woche werden in der Grund- und Mittelschule auch einige Kinder betreut. Wenn die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeite, etwa bei der Polizei, im Krankenhaus oder in Arztpraxen, dürften sie trotz Corona-Gefahr ins Schulhaus. Denn der Hort befindet sich in der Schule.

"Bislang läuft der digitale Unterricht sehr gut. Selbst die Erstklässler sind schon gut ausgestattet", sagt Simone Zimmerer von der Grund- und Mittelschule Stadtsteinach. Zimmerer bereitet aktuell die Neuntklässler auf den Quali vor. "Ich mache das auch mit Wochenarbeitsplänen. So können die Schüler größere Aufgaben erledigen. Wir machen ganz gezielt Qualitraining", ist die Klassenleiterin guter Dinge.

Die Schulleiter und auch einige Lehrer leisten in den Schulen Dienst, allerdings unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Für Schüler ist das Schulhaus verbotene Zone. In Stadtsteinach sind sogar Barrieren zum Sekretariat aufgebaut.