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Muckenreuth

Ein Stamm - sieben Schädlinge

Neben der Fichte leidet nun auch die Kiefer massiv unter dem Klimawandel. Das bedeutet mehr Arbeit für die Waldbesitzer in der Region. Immerhin hat der Freistaat die Fördersätze erhöht.
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So sieht das Fraßbild des Prachtkäfers unter der Kiefernrinde aus
So sieht das Fraßbild des Prachtkäfers unter der Kiefernrinde aus
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Für die Waldbesitzer schien es keine große Überraschung mehr zu sein. Lediglich resigniertes Schulterzucken ging durch die Reihen bei der Gebietsversammlung der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach im Gasthof Werner in Muckenreuth. Dort machte der Thurnauer Forstrevierleiter Fabian Kowollik auf die Situation der Kiefer aufmerksam. Auch sie litt unter dem Rekordsommer 2019.

Während es bei der Fichte hauptsächlich Borkenkäfer sind, die den Baum zum Absterben bringen, können die Todesursachen bei Kiefern mannigfaltig sein. "Wir haben vergangenes Jahr an einem Stamm sieben verschiedene Schadorganismen gefunden", berichtete Kowollik. Er nannte den Kiefernprachtkäfer, dessen Larven zwei bis drei Zentimeter lang sind und die Form eines Kochlöffels besitzen. Ähnlich wie die Larven der Borkenkäfer fressen sie sich zwischen Holzschicht und Rinde und unterbrechen dabei den Saftstrom des Baumes.

Prachtkäfer liebt es kuschelig

Allerdings legen sie breitere Gänge an, hinterlassen wolkenartige Bohrmehlgebilde und fliegen nur einmal im Jahr - im Gegensatz zu den Fichtenborkenkäfern, bei denen man mittlerweile bis zu vier Generationen beobachtet. Der Kiefernprachtkäfer mag es warm und befällt daher vor allem Bäume, denen die Sonne auf den Stamm scheint. Das kommt vor allem bei sogenannten "Überhältern" vor, einzelne Bäume, die über den anderen stehen und an südexponierten Waldrändern sowie lichten Beständen.

Ähnlich wie die Fichte hat die Kiefer Stress durch Wassermangel. Der Zustand wird verstärkt, wenn der Baum mit Misteln befallen ist. Die großen runden Gewächse in den Ästen sind Halbparasiten, die die Wasserleitsystem des Baumes anzapfen. Ist die Kiefer stark geschwächt, erwacht ein anderer Parasit. Sphaeropsis sapinea ist ein Pilz, der in gesunden Bäumen lebt ohne Symptome zu verursachen.

Schwächelt der Baum durch Hagelschlag, Insektenfraß oder Trockenstress, bricht die Krankheit aus. Das Diplodia-Triebsterben zerstört die Nadeln des Baumes. Man erkennt es durch teilweise Rotfärbung der Krone. Sehen die Kiefernkronen hingegen aus, als hätte sie jemand mit der Gartenschere bearbeitet, könnten das der Große oder der Kleine Waldgärtner gewesen sein. Es handelt sich um auf die Kiefer spezialisierte Borkenkäferarten, die neben der Bastschicht auch die frischen Knospen an den Ästen fressen und so die unregelmäßige Kronenform verursachen.

Auch die altbekannten Fichtenborkenkäfer zeigen sich flexibel und befallen, wenn der Wohnraum eng wird, auch Kiefern, Tannen oder Lärchen.

Die Forstbehörde rät den Waldbesitzern Kiefern ähnlich wie Fichten auf Bohrlöcher zu kontrollieren. Schädlingsbefall zeigt sich auch hier durch Harztropfen oder Bohrmehl am Stamm. Ist die Rinde komplett abgefallen, ist der Käfer bereits ausgeflogen.

Oft sieht man Spechtabschläge an befallenen Bäumen. Sie sind kein Grund zum Ärgernis. Spechte und andere Vögel ernähren sich von Käfern und deren Larven und sind somit Teil der natürlichen Schädlingsbekämpfung. Auf die Frage eines Waldbesitzers, ob es Sinn mache, Nistkästen für Vögel aufzuhängen, lautete die Antwort des Försters: "Vögel können unterstützen, doch sie sind nicht die Lösung."

Markt ist gesättigt

Ähnlich wie bei der Fichte müssen befallene Bäume gefällt, aufgearbeitet und unverzüglich aus dem Wald geschafft werden. Da sich die Larven des Kiefernprachtkäfers auch in abgefallenen Rindenstücken weiter entwickeln, muss man auch diese aufsammeln und vernichten. Für Waldbesitzer bedeutet das viel Arbeit, die angesichts der niedrigen Holzpreise schlecht bezahlt ist.

"Große Schadholzmengen treffen auf einen gesättigten Markt." So fasste Theo Kaiser die Holzmarktsituation zusammen. Wer es allein nicht schaffe, sein Schadholz aufzuarbeiten, könne sich an die Walbesitzervereinigung wenden. Diese unterstütze ihre Mitglieder nicht nur bei der Vermarktung, sondern auch beim Auszeichnen, beim Holzeinschlag oder beim Abtransport.

Allerdings mahnte Kaiser, rechtzeitig Bescheid zu geben und nicht bis zur letzten Minute zu warten. Ein weiterer Lichtblick: Die staatlichen Fördersätze für schnelle Holzabfuhr und Entrindung wurden deutlich erhöht. Im gleichen Zug wurde die Bagatellgrenze verdoppelt. Daher raten die Forstleute, den Förderantrag gesammelt zu stellen. "In Krisenzeiten müssen wir noch mehr als sonst zusammenarbeiten", so Kowollik.