Bamberg

Ein Spiegelbild von Bamberg

Seit fünf Jahren steht das "Zelt der Religionen" am Markusplatz. Das wird heute mit einem Sommerfest gefeiert.
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Vertreter von vier Religionen laden jeden Interessierten zum Sommerfest am Zelt ein.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Vertreter von vier Religionen laden jeden Interessierten zum Sommerfest am Zelt ein. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Rabbinerin Yael Deusel lacht auf: "Kirchweih können wir das Fest schlecht nennen!", sagt sie fröhlich und bringt eine neue Wortschöpfung: "Zeltweih vielleicht?!"

Auf jeden Fall wird das Sommerfest am "Zelt der Religionen", das am heutigen Mittwoch um 18 Uhr beginnt, etwas von einer typisch fränkischen "Kirchweih" haben: Musik, Speis und Trank, gute Laune der Organisatoren und offene Freude bei den Gästen. Doch so bunt wie das Zelt mit Schriftzeichen und Symbolen ist, so farbig ist auch seine Ausrichtung. Es steht für die in Bamberg existierenden Religionsgemeinschaften. Für interreligiöse Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Juden, Christen, Muslimen, Bahá'í und letztlich jedweder anderen Glaubensrichtung. "Das Konzept des Zeltes ist ein Spiegelbild von Bamberg", würdigt Alparslam Akil das gute Miteinander in der Stadt.

Der 18-jährige Muslim ist Jugendvertreter des Türkisch-islamischen Kulturvereins an der Ditib-Moschee an der Coburger Straße. Der junge Mann gehört auch zum Vorstand des "Fördervereins Zelt der Religionen e. V.", der diese besondere Begegnungsstätte trägt. Alparslam Akil will zum Sommerfest auch Freunde mitbringen: "Aus einer gewissen Verantwortung für meine Gemeinschaft, und weil viele das Zelt gar nicht kennen", sagt der gebürtige Bamberger.

Dabei steht es jetzt genau fünf Jahre am Markusplatz, ist Schauplatz vieler religiöser und kultureller Veranstaltungen. Dem Zelt, das ursprünglich ein beliebter Treffpunkt auf der Landesgartenschau in Bamberg 2012 war, sind die Herausforderungen seines für jedermann zugänglichen Standortes anzusehen. Die eine oder andere mutwillige Beschädigung musste geflickt werden. "Aber so wie unsere Zeltplane anfällig ist gegen Verwundungen und Beschädigungen, so ist auch der interreligiöse Dialog verletzlich", erklärt der katholische Pastoralreferent Hubertus Lieberth, ebenfalls Vorstandsmitglied im Förderverein.

Einsam, zweisam, gemeinsam

Umso dankbarer ist Lieberth, dass dieser Dialog in Bamberg "Dinge möglich macht, die anderswo nicht sind". Also bei allen möglichen Empfindlichkeiten, notwendigen Rücksichtnahmen oder Missverständnissen der gemeinsame Wille nach einem friedlichen, respektvollen Miteinander stets spürbar ist: "Eine Ahnung von Paradies, weil sich Menschen ihres Glaubens und ihrer Herkunft sicher sind und sich gleichzeitig inspirieren lassen können von der Vielfalt und Buntheit des anderen", formuliert der Pastoralreferent eine Art Motto des Zeltes.

Das Sommerfest selbst steht unter dem Leitwort "Einsam, zweisam - gemeinsam". Es beginnt mit einer multireligiösen Feier, die Vereinsvorsitzender Hans-Martin Lechner, Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Bamberg, Domkapitular und Dompfarrer Markus Kohmann, Rabbinerin Deusel von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila, Imam Yasar Sahin von der DITIB-Gemeinde, ein Vertreter der Bahá'í-Religion und andere gestalten. Ein etwa 20-köpfiger interreligiöser Projektchor unter der Leitung von Elisabeth Pagan und ein Bläserensemble gestalten die Feier musikalisch. Und als besonderes i-Tüpfelchen wird eine Akrobatik-Performance spirituell eingebunden: Die Trainerin im Zirkus Giovanni, Johanne Kregler, nutzt dafür einen Reifen in luftiger Höhe unter dem Zeltdach.

Danach wartet ein Büffet mit kulinarischen Köstlichkeiten - halal und koscher - auf die Besucher. "Unsere Frauen bereiten die Speisen zu", erzählt Mehmet Cetindere, Vorsitzender des Türkisch-islamischen Kulturvereins. Natürlich gibt es auch etwas zu trinken, unter anderem Tee aus dem Samowar und "ein bisschen Wein", ergänzt Hubertus Lieberth als Zugeständnis an christliche Gäste. Ein Kostenbeitrag wird nicht erhoben, ein Spendenkörbchen steht bereit.

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