LKR Lichtenfels

Ein sicheres Nest für Pflegekinder

Für Kinder sollte die Familie ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit sein. Bei Sucht- und Gewaltproblemen kann das Zuhause schnell zu Entwicklungsverzögerungen führen und aus Schutz ist eine Unterbringung in Pflegefamilien notwendig.
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Eine liebevolle Familie sollte jedes Kind haben. Das ist aber nicht immer der Fall und dann helfen die Mitarbeiterinnen vom Pflegekinderdienst im Landkreis Lichtenfels und suchen eine passende Pflegefamilie.  Foto: Symboldbild/Fotolia
Eine liebevolle Familie sollte jedes Kind haben. Das ist aber nicht immer der Fall und dann helfen die Mitarbeiterinnen vom Pflegekinderdienst im Landkreis Lichtenfels und suchen eine passende Pflegefamilie. Foto: Symboldbild/Fotolia

Theresa schiffl Landkreis Lichtenfels — Nicht alle Kinder haben das Glück, in einer liebevollen und weitestgehend stabilen Familie aufzuwachsen. So wie Melanie*: Ihre Mutter leidet an einer Persönlichkeitsstörung und ihr Vater hat Alkoholprobleme. Das Leben der Fünfjährigen ist geprägt von Sucht, Streit und Gewalt.

Das Mädchen reagierte darauf mit Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten. Da Melanie sehr an ihren Eltern hing, probierte es das Jugendamt zunächst mit einer ambulante Betreuung, was am Ende jedoch nicht funktionierte. Schließlich musste die Fünfjährige zu ihrem eigenen Schutz in einer Pflegefamilie untergebracht werden.

Pflegekinderdienst informiert

In solchen Fällen helfen Renate Bergmann-Gareis und Luisa Karp vom Pflegekinderdienst des Landratsamtes in Lichtenfels. Sie suchen nach passenden Familien, informieren Paare und Alleinstehende über die Aufgaben und betreuen sie, wenn sie ein Kind aufgenommen haben.

So ist zum Beispiel zunächst zwischen einer Vollzeit- und einer Bereitschaftspflege zu unterscheiden. "Bei der Bereitschaftspflege geht es in Notsituationen sehr schnell. Da muss alles teilweise in zwei Stunden geregelt werden", erklärt Renate Bergmann-Gareis. Im Landkreis Lichtenfels gebe es für solche Fälle aktuell nur eine Stelle für Kleinkinder.

"Es ist für uns nicht einfach, Familien zu finden. Die Anforderungen sind hoch, es gibt einige Hürden zu meistern und es bringt viele Veränderungen in eine Familie und ihr Leben", sagt Luisa Karp. Wie die Zahlen der letzten Jahre jedoch zeigen, sind Pflegefamilien sehr wichtig: 2008 gab es im Landkreis 16 Kinder in Vollzeitpflege. Mittlerweile sind es 27. Der Bedarf nimmt zu.

Um ein Kind bei sich aufnehmen zu können, müssen Bewerber einen Eignungstest erfüllen: soziale sowie formelle Kriterien werden überprüft und außerdem müssen ein Führungszeugnis, der Lebenslauf und ein Bewerbungsbogen vorgelegt werden. Die zwei Beraterinnen wollen die Bewerber gut kennenlernen. "Sie müssen schon viel von sich preisgeben, aber das ist wichtig für die Auswahl eines passenden Kindes", so Renate Bergmann-Gareis Pflegeeltern sollten viel Empathie beim Umgang mit den Problemen des Kindes zeigen, in schwierigen Situationen belastbar sein und eine positive Lebenseinstellung haben. Trotz der Herausforderungen finden sich immer wieder liebevolle sowie fürsorgliche Familien, die sich um ein Kind kümmern. "Viele erfahren davon über Bekannte oder Medien. Wir haben außerdem einige, die selbst mit Pflegekindern aufgewachsen sind."

Wenn sich dann einmal eine Familie und ihr Pflegekind gefunden haben, unterstützen die Beraterinnen auch weiterhin. "Wenn die Kinder sich schließlich eingelebt haben und ihren Platz gefunden haben, zeigen sich ihre Probleme. Aber das ist ein Zeichen dafür, dass sie sich aufgehoben und sicher fühlen", erklärt Renate Bergmann-Gareis. Das Wichtigste sei, dass die Familie das Kind so annimmt, wie es ist, und es in seiner Entwicklung unterstützt.

Renate Bergmann-Gareis und Luisa Karp sind für die Pflege- aber auch die Herkunftsfamilie Ansprechpartner. "Manchmal sind die Kinder nur zur Kurzzeitpflege untergebracht, wenn zum Beispiel ein Elternteil in Kur ist oder Ähnliches."

Die Eltern werden auch weiterhin vom Pflegekinderfachdienst des Jugendamtes betreut und beraten. Für das Kind können zusätzlich Förderungen wie Ergotherapie oder eine kinderpsychologische Therapie beantragt werden. Außerdem gibt es den Pflegeelternkreis mit Fortbildungsangeboten und zum gemeinsamen Austausch.

*Name von der Redaktion geändert

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