Herzogenaurach

Ein Schutz vor bösen Geistern

In Herzogenaurach sind bereits zum zweiten Mal Schuhe aufgetaucht, die vor vielen Jahren in einem Gebäude versteckt worden waren. Heimatkundler vermuten dahinter einen Aberglauben.
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In einer alten Scheune in der Adlerstraße wurde zwei linke Kinderschuhe gefunden. Foto: privat
In einer alten Scheune in der Adlerstraße wurde zwei linke Kinderschuhe gefunden. Foto: privat

Alte Häuser bergen häufig Überraschungen, aber mit diesem Fund hatten die neuen Besitzer eines Anwesens in der Adlerstraße nicht gerechnet. Bei Renovierungsarbeiten in einer umgebauten Scheune stieß die Familie auf zwei kleine Schuhe, die unter den Brettern des Dachbodens versteckt waren. Gut verborgen, denn offenbar sollte das Geheimnis nie entdeckt werden. Beides linke Schuhe, von Kleinkindern unterschiedlichen Alters.

Der kuriose Fund landete diese Woche im Herzogenauracher Stadtmuseum, dank der Nachbarin Erika Steininger, die als Museumsmitarbeiterin ein Auge für historisch interessante Raritäten hat. Kein Zweifel: Die Schuhe sind klein und anrührend, sie sind alt und sie sind getragen. Die Absätze schief getreten und die Sohlen geflickt.

Ein Fund im Türmersturm

Es ist nicht das erste Mal, dass versteckte oder eingemauerte Schuhe in Herzogenaurach gefunden worden sind. Im Dach des Türmersturms stieß Albert Geinzer vom städtischen Bauamt vor einigen Jahren auf zwei "Schuhmumien". In den Fehlboden des Turmdaches gelangten sie kaum durch Zufall oder weil man sie entsorgen wollte, sondern sie wurden während eines Umbaus bewusst dort deponiert.

Die handgenähten Kinderschuhe waren getragen worden, bis sie fast auseinanderfielen. Auch hier handelte es sich nicht um ein Paar, sondern um zwei einzelne Kinderschuhe in unterschiedlichen Größen, wohl aus dem 19. Jahrhundert. Tatsächlich sieht es so aus, als ob die Herzogenauracher Funde Teil eines uralten Brauchtums sind.

In den vergangenen Jahren sind Berichte über Schuhfunde in ganz Deutschland und auch in der Schweiz aufgetaucht. Das älteste Exemplar war mehr als 600 Jahre alt und wurde im englischen Winchester gefunden. Die überwiegende Mehrzahl stammt von Kinderfüßen, warum ist unklar. Früher wanderten diese Schuhe meist auf den Müll, die Menschen konnten nichts damit anfangen. Doch in der Zwischenzeit sind Denkmalpfleger und Hausforscher auf derartige Gebäudefunde aufmerksam geworden, die bis heute nur ansatzweise geklärt werden konnten.

Schuhe einzumauern war vom 14. bis hinein ins 20. Jahrhundert üblich, dann geriet der Brauch völlig in Vergessenheit. Es existieren keinerlei schriftliche Aufzeichnung über dieses Phänomen, auch keine Berichte von Heimatkundlern. Vermutlich handele es sich um einen Brauch mit abergläubischem Hintergrund, einer Art Segen oder Schutz für das Gebäude.

Auch Tiere wurden eingemauert

"Bauopfer" waren weltweit verbreitet. Im Fundament eingemauerte oder in Hohlräumen eingeschlossene Tiere, meist Katzen oder Hunde, werden häufiger gefunden. Bei der Freilegung einer Zimmerdecke in Stuttgart kamen gleich die Reste von drei mumifizierten Katzen ans Tageslicht.

Derartige Sühneopfer sollten das Gebäude vor Dämonen schützen und jegliches Unheil vom Bau abwenden. Nach Berichten des früheren Heimatpflegers Richard Tille verwendete man in der Aurachstadt zu diesem Zweck auch eingemauerte Eier. Üblich waren auch Tierknochen anstelle lebender Tiere, menschliche Skelettteile oder eben auch "Schuhopfer", versteckt oder eingemauert, um dem Haus und seinen Bewohnern Glück zu bringen und sie vor Bösem zu schützen. Der Schuh als Ersatz und Symbol für den Menschen, vermutet zumindest die Wissenschaft. Eine magische Vorstellung aus Frühzeiten, die mit Schutz- und Abwehr von bösen Geistern in Verbindung steht. Das erklärt wohl auch, warum im christlich geprägten Raum keine Schriftquellen darüber zu finden sind. Die Menschen machten es heimlich, niemand sollte sie dabei beobachten.

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