Herzogenaurach

Ein Schmuckstück strahlt wieder

Ein geschichtsträchtiges Haus in der Hinteren Gasse in Herzogenaurach wurde umfassend saniert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sandsteinmauern im Erdgeschoss wurden teilweise aufwendig ergänzt. Foto: Manfred Welker
Die Sandsteinmauern im Erdgeschoss wurden teilweise aufwendig ergänzt. Foto: Manfred Welker

Nach aufwendigen Renovierungsmaßnahmen sind die Arbeiten am Anwesen Hintere Gasse 1 in Herzogenaurach nahezu abgeschlossen.

Das Erdgeschoss des Gebäudes ist aus Sandstein errichtet, der zum Teil aufwendig ergänzt werden musste. Das Obergeschoss ist dagegen in Fachwerk aufgeführt. Zur Hinteren Gasse hin ist ein Aufzugserker aufgesetzt, der dazu diente, Waren in das Dachgeschoss zu befördern. Das Haus verfügt zur Hauptstraße hin über drei Fensterachsen. Zur Hinteren Gasse wird die Fassade durch vier Fensterachsen im Obergeschoss gegliedert, das Erdgeschoss verfügt zusätzlich zur Haupteingangstür über eine weitere Türöffnung. Nach der Renovierung ist das Fachwerk in grau gefasst.

Das Anwesen Hintere Gasse 1 trug ehemals die Hausnummer 89 und befand sich im Stadtviertel der "Kalchgrube" nahe beim Würzburger Tor. Im Jahr 1731 ist der Weber Hans Zapf als Besitzer belegt, der das Haus als Kastenlehen hatte. Er musste also seine Abgaben an den Kastner entrichten, den Verwalter für den Bamberger Fürstbischof in Herzogenaurach.

Ein Mühlrad als Wappen

Über der Haustür befindet sich als Wappen ein Mühlrad mit den Buchstaben HK für den Besitzer Hans Kreck, der Melber (Mehlhändler) war, und die Jahreszahl 1762. Zusätzlich zu seiner Händlerprofession betrieb Kreck oder Kräck auch eine Landwirtschaft, aus Platzgründen musste er seinen Stadel außerhalb der Stadtmauer erbauen, denn in der Beschreibung aus dem Jahr 1788 ist zu lesen: "Hans Kreck der Älter besitzt einen Stadel außer dem Kalchgrüber Tor, so Kastenlehen, und weilen dieser fünf Schuh weit auf dem Stadteigentum gebauet, so hat derselbe an die Stadt zu zahlen jährlich 16 xr [Kreuzer] Leizins." Seine Witwe Katharina Kräck legte am Stadel außerhalb der Stadtmauer später ein "Küchengärtlein" an, wofür sie an die Stadt jährlich einen Kreuzer fränkisch Leihzins zu entrichten hatte.

Durch Kauf gelangte das Anwesen 1794 an Hans Jörg Körner. Beim Übergang an dessen Sohn Andreas Körner im Jahr 1817 wird es beschrieben als "... eine Behausung in der Kalch-gruben, an die Stadtmauer und an Ulrich Winkelmanns Witwe stoßend, gehört weiter nichts dazu als ein geringes Plätzlein, wovon der Hausbesitzer gemeiner Stadt jährlich 21 d [Pfennige] zu reichen hat." Da das Haus erweitert und dabei auch die Stadtmauer überbaut worden war, waren zusätzlich jährlich nochmals 3 Kreuzer Zins an die Stadt zu zahlen.

1804 lebte Mathias Drebinger im Haus, 1818 war Karl Bitter der Besitzer, im Haus wohnte noch der Maurermeister Franz Josef Kurr. Danach wurde das Anwesen vom Ökonomen Konrad Lierheimer erworben. Dieser Konrad Lierheimer hatte am 15. Januar 1870 keine Einwände gegen den Abbruch des Würzburger Tors, obwohl seine Schweineställe dort angrenzten. Er erwartete aber im Gegenzug dazu, dass ihm ein Baugrundstück für ein Haus bei seiner Scheune, die außerhalb der Stadtmauer lag, eingeräumt werde.

Das Anwesen war lange Jahre im Besitz der Familie Müller, Hausname Schulters, die sich wegen der beengten Verhältnisse in der Hinteren Gasse einen Aussiedlerhof am Welkenbacher Kirchweg errichtete.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren