Lichtenfels

Ein Schicksal vor Gericht

Ein 34-Jähriger gerät aus der Bahn. Ein paar Gramm Haschisch und Marihuana werden ihm zum Verhängnis.
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Haschisch und Marihuana wurden dem Angeklagten zum Verhängnis. Foto: Boris Roessler dpa
Haschisch und Marihuana wurden dem Angeklagten zum Verhängnis. Foto: Boris Roessler dpa

Am 7. Oktober 2017 wurde in Lichtenfels ein Mann aufgegriffen, der Betäubungsmittel mit sich führte. Am Dienstag wurde dieser Fall im Amtsgericht verhandelt. Eine Stunde zwischen juristischer Notwendigkeit und menschlicher Tragödie.

"Ich lege auf nix mehr wert, ob ich eine Bleibe habe, ob ich Geld habe - es ist mir alles egal", erklärte der 34-jährige Angeschuldigte aus dem westlichen Landkreis zu sich und seinem Gemüt. "Aber Sie können doch nicht von einer Obdachlosenunterkunft zur nächsten tingeln", erklärte ihm Richter Alexander Zenefels gleichsam mahnend wie betroffen. Das aber tut der Angeklagte seit Februar dieses Jahres.

Der Mann ist drogenerfahren und auf mehreren Gebieten aktenkundig. Am 7. Oktober aber führte er 21 Gramm Haschisch und 6,6 Gramm Marihuana mit sich, ein Umstand, den er gar nicht erst bestritt.

Verdächtiges Verhalten

Ein als Zeuge auftretender Polizist schilderte die Vorgänge des 7. Oktober nach ihrem Betreten einer Lichtenfelser Lokalität wie folgt: "Wir haben das Gefühl gehabt, dass der Angeklagte bei Erscheinen der Polizei versucht hatte, schnell den Raum zu verlassen. Das war ein verdächtiges Verhalten." Draußen vor der Tür stellte die Polizei den Mann und fand bei der Durchsuchung all das Mitgeführte. Auf der Wache selbst habe sich der Angeschuldigte höflich und kooperativ gezeigt, auch bei Gericht zeigte der 34-Jährige ein freundliches Wesen. Allerdings auch eines, das mitunter von trotziger oder impulsiver Natur zu sein scheint.

Einmal, so der Mann, habe er einen Job mit rund 3500 Euro Nettoverdienst wegen auferlegter Unterhaltszahlungen "geschmissen". Mittlerweile, so hieß es, betrügen sich seine Unterhaltsschulden auf über 10 000 Euro. Doch was ging in dem Mann vor, als er sich das Haschisch und Marihuana besorgte? Persönliche Schicksalsschläge hätten ihn zu den Rauschmitteln greifen lassen, beispielsweise die Trennung von seiner Frau. "Man raucht schon mal a Töpfle", war dazu des Angeschuldigten lakonischer Kommentar.

Die Person, die ihm Marihuana und Haschisch verkaufte, wollte der Beschuldigte trotz richterlicher Nachfrage nicht nennen. "Das möchte ich net sagen, den kenne ich von klein auf. Der lebt auch gar nicht mehr in Deutschland." Schon mehrmals häufte der Beschuldigte Anklagen gegen sich, unter anderem wegen Leistungserschleichung, Betrug oder vorsätzlicher Körperverletzung. Derzeit seien noch zwei Verfahren in Bamberg gegen ihn anhängig. Darum plädierte Staatsanwalt Matthias Jakob darauf, dass mit Geldstrafen nichts mehr zu bewirken sei und nun eine Haftstrafe ausgesprochen werden müsse, wenngleich auch zur Bewährung. Auf vier Monate setzte er hierzu den Rahmen und sprach sich für eine mehrjährige Begleitung durch einen Bewährungshelfer aus. Das traf auch ungefähr das Ansinnen des Angeklagten selbst. "Ich brauche einen Betreuer. Ich habe auch keine Lust mehr, so weiterzugangeln", erklärte dieser. Auf vier Jahre Haft zur Bewährung lautete das Urteil, ergänzt durch die Auflage des Ableistens von 120 gemeinnützigen Arbeitsstunden sowie einer dreijährigen Bewährungshilfe.

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