Herzogenaurach
hin&herzo

Ein Roboter segnet: Revolutionäres Experiment und ethische Grenzen

"Geh hin im Frieden Gottes!" Gesprochen wird dieser Segen nicht von da Pfarrer Oliver Schürrle, sondern von einem Roboter. Er hebt seine Metall-Arme und spricht mit männlicher oder weiblicher Stimme. ...
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Der Segensroboter "BlessU-2" verblüffte die Besucher am Aufgang zum Marktplatz. Foto: Richard Sänger
Der Segensroboter "BlessU-2" verblüffte die Besucher am Aufgang zum Marktplatz. Foto: Richard Sänger

"Geh hin im Frieden Gottes!" Gesprochen wird dieser Segen nicht von da Pfarrer Oliver Schürrle, sondern von einem Roboter. Er hebt seine Metall-Arme und spricht mit männlicher oder weiblicher Stimme. Der "weltweit erste Segensroboter" ist Teil von "hin & herzo", dem ersten Herzogenauracher Kulturfestival, und stand am Aufgang zum Marktplatz.

Dort, wo die Lippen zu vermuten wären, blinken rote Lämpchen. Seine Arme heben sich in die Höhe und es ist ein fast ein schauriger Moment, die langen Finger strecken sich. "Sei getrost und unverzagt, denn Gott ist mit dir bei allem, was du tun wirst", sagt der Roboter. Nach dem Segen klappt er zuerst die Finger wieder ein und senkt dann die Arme.

"BlessU-2" ist ein etwa 1,80 Meter großer humanoider Roboter. Augen und Augenbrauen sind beweglich, sein Mund ist ein kleiner Bildschirm - so kann er ein wenig Mimik darstellen. Er hat bewegliche Arme und Hände, um segnen zu können. In jeder Hand ist eine Lampe angebracht, was die optische Wirkung des Segens verstärkt, wenn er die Hände öffnet. Bedient wird der Roboter über einen Touchscreen, der in den Torso eingelassen ist. Darüber kann sich der Segensuchende seinen Segen zusammenstellen.

Auf Deutschlandtour

So kann er wählen, ob er sich von einer weiblichen oder einer männlichen Stimme segnen lassen möchte und welchem Zweck der Segen dienen soll, etwa zur Ermutigung. Der Roboter wählt dann einen passenden Bibelspruch aus und spendet den Segen - in sieben verschiedenen Sprachen. Wer möchte, kann sich den Segen anschließend auch ausdrucken lassen.

"Der Roboter soll auch Gespräche über die Ethik der Digitalisierung auslösen", erklärte Pfarrer Schürrle dazu. Umso mehr dürften regelmäßige Kirchgänger zusammenzucken, wenn im Anschluss daran die Frage folgt: "Möchten Sie den Segen ausdrucken?". Wer dann mit "Ja" antwortet, kann staunend verfolgen, wie sich bei seinem Gegenüber auf Bauchhöhe eine Schublade öffnet. Darin steht ein kleiner Drucker und spuckt einen Zettel aus, der stark an Quittungen erinnert, die man beim Bezahlen mit Kreditkarte erhält.

Die evangelische Kirche möchte mittels des Roboters über ihr Verständnis von Segen mit den Menschen diskutieren und darüber, wo die ethischen Grenzen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz liegen. "Niemand will, dass ein Roboter in der Kirche segnet", meint Pfarrer Schürrle. Aber auch die Kirche müsse sich Gedanken machen, ob die digitale Entwicklung Einfluss auf sie nehmen dürfe.

Der Segensroboter wurde als Kunstinstallation für die Weltausstellung der Reformation in Wittenberg im Jahre 2017 konstruiert. Dort war er so erfolgreich, dass er jetzt durch Deutschland tourt. Denn 10 000 Menschen ließen sich von ihm segnen.

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