Bamberg

Ein reich gedeckter Gabentisch

In der Staatsbibliothek Bamberg wurde die Ausstellung "Winter und Weihnacht in Buch und Bild" eröffnet. Professor Günter Dippold bot einen kurzweiligen Einblick in weihnachtliches Brauchtum im Bistum Bamberg.
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Die aktuelle Ausstellung von Bücherschätzen findet reges Interesse.
Die aktuelle Ausstellung von Bücherschätzen findet reges Interesse.
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Marion Krüger-Hundrup Die Begrüßungsworte von Bettina Wagner bekamen eine doppelte Bedeutung. Die Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg hatte den Besuchern der Vernissage einen "bunten Strauß, einen reich gedeckten Gabentisch" versprochen. Sie meinte damit natürlich die Bücherschätze aus 1000 Jahren, die in der neuen Ausstellung "Winter und Weihnacht in Buch und Bild" zu bewundern sind. Doch auch Professor Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger für Oberfranken, bot gleichsam farbenfrohen Blumenschmuck mit seinem Festvortrag "Zur Geschichte des Weihnachtsfestes im Bistum Bamberg".

Bevor sich also die Gäste in den Schauräumen auf eine Zeitreise vom Mittelalter bis in die Gegenwart machten und die kreativen Variationen weihnachtlicher Motive in den Handschriften und Büchern entdeckten, durften sie ein Feuerwerk erleben. In bewährter Manier schoss Professor Dippold eine sprühende Ladung an Daten, Fakten, Anekdoten über weihnachtliches Brauchtum in der Region ab. Über alte Bräuche, die nicht mehr geübt werden, über neuere, die entstehen. Dippolds Schlussbemerkung traf dabei ins Schwarze: Wichtiger als Bräuche sei, dass "Weihnachten einen religiösen Gehalt behält oder wieder erhält, dass Menschen der Geburt ihres Erlösers gedenken und dass sie Gemeinschaft erleben".

Dippolds Parforceritt durch die Bamberger Weihnachtsgeschichte begann mit dem Martinitag, dem 11. November, der den Beginn des einstigen 40-tägigen Weihnachtsfastens markierte. Doch vor dem Fasten stand die Völlerei mit der Martinsgans, die eine lange Tradition hat. Dippold wusste den praktischen Nutzen des Schlachtens der Gänse: "Vor der Futterknappheit im Winter fielen überzählige Fresser weg." Das vorweihnachtliche Fasten kam außer Gebrauch, "bloß die Vorzüge von Martini blieben", erklärte der Referent etwas spöttisch und verwies auf die Bamberger Kirchenordnung von 1708, die lediglich den Vortag des Hochfestes Christi Geburt, also den 24. Dezember, zum Abstinenztag bestimmte.

Dippold brachte die vier Adventswochen ins Spiel, die seit dem Frühmittelalter durch Rorateämter geprägt waren. Das waren Votivmessen zu Ehren Mariens, die noch vor Morgengrauen zelebriert wurden. Doch ausgerechnet am Beginn der Adventszeit am 27. November 1809 verbot das Bamberger Generalvikariat das Rorateamt "zu sehr früher Tageszeit, wo es noch ganz finster ist", wegen "mancher Unfuge". Die Kirchenbehörde wies alle Pfarrer an, dass "diese Andacht mit anbrechendem Tage um 7 Uhr etwa zu beginnen" habe. Damit freilich verloren die Rorateämter, so Dippold, ein Gutteil ihres besonderen Charakters.

Marienstatue auf dem Weg

Sein nächstes Augenmerk richtete der Bezirksheimatpfleger auf das szenische Gedenken an die Herbergssuche, wie es etwa im Bamberger Gärtnerviertel Brauch war: Eine Marienstatue wurde an neun Abenden in jeweils ein anderes Haus getragen und dort durch marianische Gebete und Lieder begrüßt und verehrt.

Adventskranz und Barbarazweige, Christbaum, Geschenke und Krippe, Nikolaus und die Heiligen Drei Könige, Weihnachtsspiel und Neujahr: Zu allen Stichworten wusste Günter Dippold eine Brauchtumsgeschichte zu erzählen. Und auch unbekannte Details brachte er zu Gehör wie beispielsweise den Usus im Bamberger Dom, das Weihnachtsfest am 25. Dezember mit einer Reliquienverehrung zu begehen. "Die Geburt des Erlösers war gleichsam in Bamberg gegenwärtig", verwies Dippold auf das örtliche Heiltumsbuch von 1493, in dem vom Domschatz geschrieben steht, dass dieser Teile der "kripen unsers heren" beinhaltet. Und Reste von dem Weihrauch der Heiligen Drei Könige sowie Gebeine von Kindern, die dem Kindermord von Bethlehem zum Opfer gefallen sind.

Konfessionelle Unterschiede

Auch konfessionelle Unterschiede in den fränkischen Provinzen zeichnete Dippold nach, schlug den Bogen von Reformation, Gegenreformation, Barockzeit und Aufklärung hin zum 20. Jahrhundert. "Versuche der Nationalsozialisten, aus Weihnachten eine germanische Julfeier zu machen, blieben im Grunde wirkungslos und Episode", schob Günter Dippold ein und blickte ins Heute. Die letzten Jahrzehnte zeigen die Tendenz zur überkonfessionellen, mittlerweile auch globalen Vereinheitlichung: "Verschmelzung der Gestalt des heiligen Nikolaus mit dem Weihnachtsmann", nannte Dippold als eine Erscheinung.

Die farbenprächtigen Buchmalereien, fein kolorierten Druckgraphiken, bunten Werbeplakate, liebevoll illustrierten Kinderbücher und Bamberger Postkarten aus der Zeit um 1900 - sie alle lassen in den Vitrinen der Staatsbibliothek noch ein originales Christkind erblicken. Und ein zauberhaftes Panorama der Winter- und Weihnachtszeit in längst vergangenen Zeiten entstehen. Die Ausstellung ist nach den Worten von Direktorin Bettina Wagner der Beitrag der Staatsbibliothek in der Neuen Residenz, Domplatz 8, zum Bamberger Krippenweg. Die Schau ist bis zum 19. Dezember montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr zu sehen. Jeden Dienstag findet um 17 Uhr eine öffentliche Führung statt. Der Eintritt ist frei.

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