Erlangen

Ein Projekt verändert die Stadt

Der Bau des Siemens-Campus hat nicht nur Auswirkungen auf Erlangen-Süd, sondern auch auf das Zentrum.
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Siemens-Campus
Eine Computeranimation zeigt, welche Ausmaße der Siemens-Campus einmal haben wird. Animation: Siemens

Vier Thesen, wie der Siemens-Campus die Stadt Erlangen verändern wird, wurden unlängst beim "Café géographique" des Instituts für Geografie der Uni Erlangen im Lesecafé der VHS diskutiert.

Im Süden Erlangens entsteht bis 2030 auf dem 54 Hektar großen jetzigen Südgelände der Siemens-Campus, ein 500-Millionen-Euro-Projekt bestehend aus Büro-, Forschungs- und Laborarbeitsplätzen sowie Wohnungen. Durch den Wegzug aus Erlangen-Mitte stehen Gebäude zur Verfügung.

Uni zieht in den Himbeerpalast

Bisher steht fest, dass die Philosophische Fakultät, derzeit in der Hindenburgstraße beheimatet, in den Himbeerpalast ziehen wird, der nun dem Freistaat gehört. An Stelle der Fakultät werden voraussichtlich Neubauten treten. Auch die Uni soll sich auf dem Campus ansiedeln, der von Osten her mit der Stadt-Umland-Bahn angebunden werden soll.

Folgende Thesen haben die Professoren Tobias Chilla und Georg Glasze formuliert: 1. Es wird zur Verlagerung von innerstädtischen Funktionen kommen. Durch den Umzug von Tausenden Mitarbeitern und Hunderten Studenten nach Süden werden sich die Verkehrsflüsse, Fußgänger- und Fahrradachsen in der Stadt verändern.

Eine neue "Wissensachse" wird sich vom Bahnhof bis zum Himbeerpalast bilden. Eine Karte von Gastronomie und Einzelhandel in Erlangen verdeutlichte, dass das neue Univiertel und der Campus damit bisher unterversorgt sind.

2. Der offen gestaltete Campus könnte sich, auch dank der Versetzung mit Wohnungen und Geschäften, von einem geschlossenen Firmengelände zu einem neuen Stadtteil entwickeln. Die Ansiedlung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen kann zu einer Aufwertung der Immobilien in Bruck und zur Gentrifizierung führen.

3. Erlangen hat die Chance, eine "Creative City" zu werden, die sich nicht nur durch hohe Innovativität auszeichnet - wie zum Beispiel eine der höchsten Patentzahlen in Europa, sondern auch durch eine kreativ-urbane Atmosphäre, dank der "Wissensachse".

4. Aus einem Siemens-Standort wird eine Siemensregion werden. Zum einen ist die "Regnitzachse", die von Nürnberg bis Forchheim führt, bereits mit Siemens-Standorten gespickt. Dank der ÖPNV-Anbindung, der Verzahnung von Universität und Siemens und den Immobilienmarkt als Standortfaktor könnte sich eine große Dynamik in dem kleinen Erlangen entfalten.

Die Fragen der Gäste verdeutlichten ihre Ängste. "Wie gliedert sich der Campus in Bruck ein?", "Der Verkehr wird schrecklich werden!", "Ein Verlust für die Innenstadt, denn die Siemensianer gehen gerne essen", "Testflächen statt Sushi! Die Produktion soll nicht auf die grüne Wiese gedrängt werden", "Was passiert mit der Altstadt?" Chilla empfahl, einen breiten öffentlichen Dialog rund um die Veränderungen in Erlangen anzustoßen. Bisher sei noch kein Schwung in der Debatte, was vielleicht daran liege, dass still und leise über die Zukunft von hochpreisigen Immobilien verhandelt würde.

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