Bad Kissingen
Lesetipp

Ein Politthriller, der tiefe Einblicke in Nordkorea vermittelt

Sigismund von Dobschütz Nordkorea ist weltpolitisch isoliert und für die Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt. Entsprechend spielt der Herrschaftsbereich der Kim-Dynastie auch in unserer Unterhaltun...
Artikel drucken Artikel einbetten
Sigismund von Dobschütz
Sigismund von Dobschütz
+1 Bild

Sigismund von Dobschütz Nordkorea ist weltpolitisch isoliert und für die Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt. Entsprechend spielt der Herrschaftsbereich der Kim-Dynastie auch in unserer Unterhaltungsliteratur keine Rolle. Umso bemerkenswerter ist der authentische, in mehrere Sprachen übersetzte Politthriller "Stern des Nordens" des Briten D. B. John. In drei Handlungssträngen lernen wir das wohlsituierte Leben der nordkoreanischen Funktionärskaste in Pjöngjang kennen, das Vegetieren der Landbevölkerung nahe dem Hungertod sowie die Angst der USA vor nordkoreanischer Raketenbedrohung und das Ringen der CIA um Infos.

In der Hauptstadt begleiten wir Parteifunktionär Cho und dessen Familie, die in Ergebenheit zum "Geliebten Führer" Kim Jong-il ein gutes Leben führt. Cho macht Karriere, wird Unterhändler in den USA. Erst seine Abstammung macht ihn trotz höchster Verdienste zum Staatsfeind. Wir lernen die Bäuerin Moon in der Provinz kennen, die als Markthändlerin ums Überleben kämpft. Als eine der Marktfrauen verhaftet wird, entwickelt sich Moon, die trotz aller Indoktrination durch die Partei sich etwas Selbstbewusstsein bewahren konnte, zur Stimme des Widerstands. Beim Bankett in den USA trifft Funktionär Cho die Halbkoreanerin Jenna, offiziell Wissenschaftlerin und Korea-Expertin, neuerdings Undercover-Agentin der CIA. Sie will nicht nur ihre vor zwölf Jahren von den Nordkoreanern entführte Zwillingsschwester aus den Fängen Kim Jong-ils befreien, sondern soll dort zwecks Informationsbeschaffung hochrangige Überläufer anwerben.

Der Politthriller "Stern des Nordens" ist ein spannender Agentenkrimi. Doch nicht nur der Handlungsort Nordkorea macht ihn zum lesenswerten Buch, sondern die vom Autor D. B. John geschaffene Authentizität der Handlung vermittelt einen tiefen Einblick in das unbekannte Land. John hatte 2012 die Chance, Nordkorea zu besuchen. Zudem lebte er viele Jahre in Südkorea. Schließlich wurde er als Korea-Kenner zum Co-Autor New-York-Times-Bestseller "Schwarze Magnolie: Wie ich aus Nordkorea entkam" der 1997 geflohenen Nordkoreanerin Hyeon-seo Lee.

"Stern des Nordens" ist ein Politthriller, auch als Drehbuchvorlage für einen Hollywood-Blockbuster geeignet. Mehr noch ist dieser Roman eine Faktensammlung über Nordkorea, die im Anhang durch entsprechende Fachliteratur verifiziert wird. Deshalb verzeiht man gern manche Längen zugunsten der Sachinformation. Auch sieht man klaglos über das allzu filmreife Finale hinweg, wenn Agentin Jenna im Sonderzug des Diktators mit der ?Kalaschnikow um sich schießt, dessen Leibgarde niedermetzelt und den Tod des herzkranken Kim Jong-il herbeiführt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren