Kronach

"Ein Pflegekind bringt einen Rucksack voll negativer und positiver Erfahrungen mit"

Mit der Aufnahme eines Pflegekinds verändert sich die gesamte Familienstruktur. Sozialpädagogin Anke Pertsch spricht über die Herausforderung, mit denen Pflegeeltern konfrontiert werden. Wo liegt der ...
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Anke Pertsch
Anke Pertsch

Mit der Aufnahme eines Pflegekinds verändert sich die gesamte Familienstruktur. Sozialpädagogin Anke Pertsch spricht über die Herausforderung, mit denen Pflegeeltern konfrontiert werden. Wo liegt der Unterschied zwischen der Pflege und der Adoption eines Kindes?

Anke Pertsch: Bei einer Adoption wird die Herkunftsfamilie ersetzt. Die Rechte und Pflichten der leiblichen Eltern sind nach Adoption erloschen. Kommt das Kind in eine Pflegefamilie, übernehmen Pflegeeltern für einen bestimmten Zeitraum die Betreuung und Erziehung des Kindes. Sie erhalten hierfür Leistungen des Jugendamtes. Die Eltern werden einbezogen. Welche Voraussetzungen müssen Pflegeeltern erfüllen? Besonders wichtig ist es, dass die Pflegeeltern die leiblichen Eltern des Kindes wertschätzen können. Schließlich haben sie dem Kind das Leben geschenkt und auch gute Zeiten mit diesem verbracht. Darüber hinaus ist Geduld, Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen und Toleranz für Andersseint gefragt. Außerdem gibt es grundsätzliche Voraussetzungen, wie zum Beispiel die wirtschaftliche Absicherung der Bewerber. Wie lange bleiben die Kinder in den Pflegefamilien? Pflegeeltern sind immer nur Eltern auf Zeit. Kinder bleiben, so lange Bedarf besteht. Vor allem in den ersten zwei Jahren schauen wir, ob eine Rückführung umsetzbar ist. In Bereitschaftspflegefamilien, sollen die Kinder nicht länger als sechs Wochen bleiben. In dieser Zeit soll die Perspektive für das Kind geklärt werden, dann kommt es wieder zu seinen leiblichen Eltern, ins Heim oder zu einer Pflegefamilie.

Aus welchen Gründen kommen Kinder in Pflegefamilien? Kinder kommen in Pflegefamilien, wenn die leiblichen Eltern sich nicht mehr kümmern können. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Es gibt Fälle von Überforderung, Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung und auch Fälle, in denen die Eltern unter einer Krankheit leiden. Haben Pflegeeltern und -kinder Probleme, eine Bindung zueinander aufzubauen? Eine Beziehung entsteht schnell, eine Bindung ist ein anderes Thema. Oft wird den Kindern eine Bindungsstörung diagnostiziert, die auch schon ein Säugling haben kann. Hierzu sind viel Geduld und Einfühlungsvermögen nötig. Die ersten Wochen verlaufen meistens harmonisch, dann testen die Kinder immer wieder, ob die Eltern sie aushalten. Wie alt sind Pflegekinder und wie lange bleiben sie in den Familien? Derzeit leben im Landkreis Kronach 57 Kinder in Pflegefamilien.Viele Kinder werden in den Pflegefamilien groß. Mit 18 Jahren können die Kinder einen Antrag auf weitere Hilfeleistungen stellen, wenn sie noch nicht alleine für sich sorgen können.

Worauf müssen sich Pflegeeltern einstellen? Pflegekinder kommen mit einem Rucksack voll negativer und positiver Erfahrungen, mit der leiblichen Familie im Hintergrund in die Pflegefamilien und bringen dadurch in den Familien viel in Bewegung. Die Familienstruktur ändert sich auch, wie wenn man in ein Uhrwerk ein weiteres Rädchen einfügt. Außerdem müssen sich die Pflegeeltern darüber im Klaren sein, ob sie gewillt sind die Arbeitszeit und somit das Einkommen zu reduzieren beziehungsweise eventuell. beruflich zurückzustecken. Häufig werden Pflegeeltern auch mit Unverständnis konfrontiert, ihre Motivation zur Aufnahme eines Pflegfekindes wird in Frage gestellt. Die Fragen stellte

Cindy Dötschel.

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