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Unser Thema der Woche // Natur

Ein Paradies für Insekten schaffen

Wie können sich Insekten im heimischen Garten wohl fühlen? Zwei Experten erklären, wie es klappen kann.
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Eine Wildbiene fühlt sich auf einer Duftnessel wohl.  Foto: privat
Eine Wildbiene fühlt sich auf einer Duftnessel wohl. Foto: privat
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Seit acht Jahren engagieren sich Reinhold Burger und Ilona Munique ehrenamtlich für Honigbienen und Wildbienen in Bamberg und Umgebung. Mit ihrer Initiative "Bienen-leben-in-Bamberg.de" informieren sie über Bienenschutz, Imkerei, Natur und Nachhaltigkeit. Seit 2017 zeigen sie im Bamberger Bienengarten, wie das Gärtnern im Einklang mit Insekten gelingen kann.

Ilona Munique ist selbstständige Bibliothekarin, Erwachsenenbildnerin, Fachfrau für Mediendesign und Imkerin. Reinhold Burger ist Diplom-Geograph, Imkermeister und Bienensachverständiger. Beide leben sie seit zwölf Jahren in ihrer Wahlheimat Bamberg. In den vergangenen Jahren haben sie ihr Wissen über Bienen und Insekten allgemein ständig erweitert und weitergegeben und verraten, wie man seinen Garten insektenfreundlich gestalten kann. 1. Gartenflächen unberührt lassen Damit Insekten in Ruhe brüten können, brauchen sie unberührte Flächen. Das heißt weder anpflanzen noch mähen noch darüber laufen. "Viele Insekten, unter anderem einige Wildbienenarten sind Bodenbrüter; wenn der Spontanbewuchs über ihrer Brut entfernt wird, fehlt den Insekteneiern Schutz", erklärt Ilona Munique. Sie rät, in verschiedenen Ecken des Gartens der Natur ihren Lauf zu lassen. Je nachdem, welche Pflanze spontan aus dem Boden wuchert, siedeln sich andere Insektenarten an. "Es ist wichtig, verschiedene kleine Flächen natürlich zu belassen, anstatt ein großes ‚Insektenhotel‘ anzulegen, wie es in den letzten Jahren Mode ist", sagt Munique.

Die Insektenhotels seien zwar eine pädagogisch sinnvolle Methode, um Biodiversität und Natürlichkeit zu demonstrieren, richtig helfen würden sie aber nicht. "Natürlich locken Insektenhotels viele Arten an, aber in dem Moment, wo einige Insekten kommen, gehen andere wieder; alle auf einem Haufen funktioniert einfach nicht." 2. Stauden und Kräuter pflanzen Wer spezielle Insektenarten in den Garten locken will, kann dem Glück durch bestimmte Stauden- und Kräutersorten ein bisschen nachhelfen. "Wir in unserem Bienengarten haben neulich Lungenkraut gepflanzt und so zwei wilde Bienenarten, die Lungenkraut- und die Langhornbiene angelockt", erzählt Munique. Wer seinen Garten also nicht mit Wildwuchs überwachsen lassen will, findet in Stauden und Kräutern eine Alternative, die ebenfalls kostengünstig und nicht so pflegeintensiv ist.

Wer gerne mit verschiedenen Pflanzenarten experimentieren will, kann sich ein eigenes Repertoire in der Gärtnerei oder dem Baumarkt zusammenstellen. Um nur ganz bestimmte Insekten anzulocken, muss die Passung zwischen Pflanze und Insekt stimmen. Hier lohnt sich der Blick auf die Checkliste von Bienen-leben-in-Bamberg.de für mehr Informationen. 3. Genau hinschauen bei der Blumenwahl "Gerade im Bereich Blumen gibt es viele Faustregeln, die zwar grundsätzlich richtig sind, aber nicht in jedem Fall stimmen", sagt Munique. Ein Beispiel dafür sei die Weisheit, dass Blumen, die gut riechen, auch immer Insekten anzögen. "Natürlich spricht der gute Geruch viele Insekten an, aber Flieder zum Beispiel tanzt da aus der Reihe und vergrault sie eher", erklärt Reinhold Burger.

Auch starke Farben seien ein Insektenlocker, jedoch nicht im Fall der Forsythie. "Viele Blumenarten, die durch Geruch, Farben oder extravagante Formen überzeugen, sind überzüchtet oder haben einen geschlossenen Blütenkelch und bieten keinen Zugang zu ihren Pollen und sind daher von Bienen und auch anderen Insekten eher gemieden", erklärt Munique. Ihr Tipp ist, sich beim Gärtner genau zu informieren, ob die Faustregeln auch wirklich auf die jeweilige Blumenart zutreffen. 4. Geduld haben und Toleranz zeigen Auch bei der besten Pflanzenwahl und viel Schutzraum lassen manche Insekten auf sich warten. Das liegt zum einen an den verschiedenen Brutzeiten der Insekten, zum anderen braucht es Zeit, bis die Insekten auf die neuen Brut- und Wohnräume aufmerksam werden. "Wir haben uns im letzten Jahr Niströhrchen für Wildbienen angeschafft, doch das ganze Jahr über blieben sie ungenutzt", erzählt Munique. Erst in dieser Saison wurden die neuen Brutplätze dann endlich eingeweiht. "Ich hatte einfach nicht bedacht, dass viele Bienen bereits im März und April brüten, da waren wir letztes Jahr einfach zu spät dran", sagt sie.

Wenn die Insekten dann erst mal da sind, kann es ganz schon turbulent im Garten zugehen. "Wir bekommen oft Anrufe, dass sich Bienen im Garten angesiedelt hätten, wenn in Wirklichkeit einfach nur die Wildbienen schlüpfen", sagt Munique. In so einem Fall könne man die Bienen oder andere Fluginsekten zwar vertreiben, die Niststelle sei dann aber auch zerstört. Stattdessen rät Munique, die Zeit zwischen Schlüpfen und Ausfliegen einfach auszusitzen. "Das sind, je nach Insekt, etwa zwei bis drei Tage, in denen es ein wenig lauter im Garten wird, aber danach fliegen sie weg", sagt sie.

Wer sich Insekten in den Garten holen will, sollte sich dessen bewusst sein. Angst braucht man vor den Insekten aber nicht zu haben. "Auch wenn es viele Insekten auf einmal sind, werden sie nur bei aktivem Angriff aggressiv und sind sonst harmlos", erklärt Burger. 5. Weniger ist mehr Je nach Gartenbewuchs muss der Rasen verschieden oft gemäht werden, aber in vielen Fällen seltener als man denkt. "Bei einer klassischen Wiese reicht es, ein bis zwei Mal im Jahr mit dem Rasenmäher darüberzugehen", sagt Munique. Wer die Mähquote verringert, helfe auch so, den Insekten Schutz zu gewähren. "Natürlich kommt es auf die Pflanzenart an, es muss oft genug gemäht werden, damit keine anderen Pflanzen die Saat überwuchern, und selten genug, damit die Pflanze hoch wachsen und den Insekten Schutz gewähren kann", erklärt sie. "Außerdem hilft es, Beete erst zum Frühlingsanfang anstatt zum Herbstende umzugraben", ergänzt Burger.

Auch in puncto Beleuchtung raten Munique und Burger zu Sparsamkeit. "Helle, flächendeckende Gartenbeleuchtung bei Nacht bringt den Tages-Nacht-Rhythmus der Insekten total durcheinander", sagt Munique. Bei tagaktiven Insekten führe das zu ungenügender Erholung, nachtaktive kämen nicht mehr heraus.

Das führt dann auch zu Problemen für andere Tiere. Fledermäusen zum Beispiel fehlt die Nahrung, wenn nachtaktive Insekten in ihren Verstecken bleiben. "Ein gängiger Irrglaube ist, dass LED-Lichter eine insektenfreundliche Option seien, aber das stimmt nicht", erklärt Reinhold Burger. Das kühle Licht der LED-Lampen erinnere die Insekten sogar noch viel mehr an Sonnenlicht als warme Leuchten. Wenn es also eine Gartenbeleuchtung sein muss, dann eine mit warmem Licht und am besten mit Bewegungssensor, so dass es die meiste Zeit schön dunkel bleibt.