Johannisthal

Ein Ort mit Tradition

Das ehemalige Gasthaus Hofmann in Johannisthal wird abgebrochen.
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Archivaufnahme des Gasthauses in Johannisthal Foto: privat
Archivaufnahme des Gasthauses in Johannisthal Foto: privat

Als am vergangenen Montag die ersten Sortierarbeiten an der alten Brandruine des ehemaligen Gasthauses Hofmann in der Kanzleistraße in Johannisthal begannen, freuten sich alle Anlieger.

Möglich macht dies die Förderoffensive Nordostbayern der Bayerischen Staatsregierung, welche für die Beseitigung von Leerständen Fördergelder in Höhe von 90 Prozent der Kosten in Aussicht stellt. Aber so einfach, wie die Sache sich anhört, ist eine solche Projektumsetzung leider nicht.

Um Gelder über das Förderprojekt abrufen zu können, muss die Kommune Eigentümer des jeweiligen Grundstückes sein. Als diese Hürde nach intensiven Grundstücksverhandlungen im September 2017 genommen war, dachten viele, mit dem Abbruch kann es nun nicht mehr lange dauern. Weit gefehlt - da das Gebäude in den Hang gebaut war, waren Untersuchungen des Baugrundes notwendig. Als diese dann ausgeschrieben und im April 2018 durchgeführt waren, wurde klar, dass neben dem Abbruch auch eine umfangreiche Hangsicherung notwendig wird. Diese war bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen. Nun konnte das Projekt ausgeschrieben werden. Den Gesamtauftrag mit Bruttokosten in Höhe von rd. 72740 Euro erhielt das Abbruchunternehmen Gaus GmbH aus Unterwellenborn. Der eigentliche Abbruch beginnt an diesem Montag. Die Arbeiten können nun bis Ende Oktober zum Abschluss gebracht werden. Dabei finden die Arbeiten auf ortshistorisch interessantem Gelände statt.

Die Gebäude rund um die bereits vor der Ortsgründung bestehenden Kleppermühle der Familie Sauerwein, die nach Theisenort gehörte, sind nachweislich zur Keimzelle Johannisthal zu zählen. Im Jahr 1725 wird das "Johannes-Thal" erstmals schriftlich erwähnt. Auch das Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft und Metzgerei Hofmann, welches früher die Hausnummer 33 trug, kann schon auf eine fast ebenso lange Geschichte zurückblicken. Bei Bauarbeiten zur Errichtung eines Hintergebäudes Ende der 1930er Jahre wurde ein Grundstein mit der Jahreszahl 1774 freigelegt. Das Gebäude diente neben der bereits erwähnten Nutzung zeitweise auch als Töpfer- bzw. Häfnerei, da das dafür notwendige Material in der unmittelbaren Umgebung gewonnen werden konnte. Aus dieser Tatsache entwickelte sich auch der Hausname "Töpfer".

Dass die Töpferei auch als Ziegelei diente, können wir nach einem Eintrag im Einwohnerverzeichnis von 1800 zum Anwesen Hausnummer 33 annehmen: "Thomas Hofmann, Flößer - Benedikt Schwemmlein, Ziegler - Georg Bärenz, lediger Zimmergeselle". Mit den Jahren traten der Gastwirtschafts- und Metzgereibetrieb immer mehr in den Vordergrund des traditionsreichen Betriebes.

Seine Blütezeit erlebte der Familienbetrieb unter der Führung von Marga und Hans Hofmann in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. 2005 wurde der Familienbetrieb dann veräußert und von den Käufern weitergeführt.

In der Nacht vom 15.02.2009 fiel der gesamte Gebäudekomplex einem Brand zum Opfer. Die ausgebrannte Gebäudehülle war nicht mehr zu retten und musste vor wenigen Jahren aufgrund statischer Mängel eingelegt werden.

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