Höchstadt a. d. Aisch

Ein offenes Ohr für die Senioren

Neben Pflegekräften gibt es in Seniorenheimen auch Betreuungsassistenten. Sie verschönern den Senioren den Alltag mit verschiedenen Aktivitäten, teils in Einzelbetreuung. Eine Reporterin des FT war dabei. Ein Erfahrungsbericht.
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Tanja Schmitt ist Betreuungsassistentin im Seniorenheim St. Anna. In Gruppenstunden macht sie mit den Senioren Gymnastik oder liest ihnen die Zeitung vor. Die Bewohner besucht sie nachmittags und fragt wie es ihnen geht, ob sie etwas brauchen oder bringt ihnen Zeitschriften.
Tanja Schmitt ist Betreuungsassistentin im Seniorenheim St. Anna. In Gruppenstunden macht sie mit den Senioren Gymnastik oder liest ihnen die Zeitung vor. Die Bewohner besucht sie nachmittags und fragt wie es ihnen geht, ob sie etwas brauchen oder bringt ihnen Zeitschriften.
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theresa schiffl Höchstadt — Frühstück vorbereiten, beim Essen unterstützen, Gymnastik- oder Zeitungsrunde, backen oder einfach nur zuhören: das sind nur ein paar der Aufgaben von Betreuungsassistenten oder Alltagsbegleitern. Mittlerweile gibt es in Deutschland rund 25 000 von ihnen, die Senioren im Heim oder zuhause betreuen und besuchen. Ich selbst habe vor meinem Volontariat beim FT eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin gemacht. Als Reporterin begleite ich nun die helfenden Hände im Vitanas Senioren Centrum St. Anna in Höchstadt.

Frühstück vorbereiten

8 Uhr: Im zweiten Stock warten schon mehr als zwölf Senioren auf das Frühstück. Maria Müller arbeitet schon seit vier Jahren hier. Sie bestreicht Toast-Scheiben mit Aprikosen-Marmelade, Nutella oder Frischkäse. "Viele sind zwar noch fit, aber einigen muss man das Frühstück trotzdem vorbereiten", erklärt die Alltagshelferin.

Wir sitzen bei drei Seniorinnen und Maria erzählt mir ein bisschen über die Bewohner der Station und wie der Morgen hier abläuft. Während am großen Tisch alle selbstständig frühstücken, haben unsere drei Damen etwas Schwierigkeiten. Kein Wunder bei über 90 Jahren! "Der Großteil hier ist schon so alt", meint Müller.

Die Seniorin neben mir ist sehr ruhig und vielleicht auch noch etwas müde. Deswegen animiere ich sie zum Essen und gebe ihr das Toastbrot in die Hand. Die kleine Hilfestellung reicht und sie isst anstandslos alleine. Auch an das Trinken muss ich sie erinnern und ihr die Tasse mit Kaffee reichen.

Links neben Müller sitzt eine Dame, die auch ihre Probleme hat: "Gehört das noch mir? Was muss ich denn jetzt machen?", fragt sie verunsichert. Sie fühlt sich heute ganz "deppert" im Kopf, sagt sie. Nach ein paar beruhigenden Sätzen ist es für ein paar Minuten wieder gut, bis das Tonband wieder von vorne abläuft. "Das ist normal", meint Müller.

Demenzielle Erkrankungen waren für mich immer die größte Herausforderung. Wenn man in acht Stunden Arbeitszeit gefühlt 20 mal das gleiche Gespräch führt, dann kann das sehr anstrengend werden. Und vor allem müssen die Betreuungsassistentinnen auch noch andere Bewohner versorgen oder Gruppenstunden leiten. So wie ein Stockwerk tiefer im ersten Stock: Chrysanthi Bauer liest gerade eine Polizeimeldung aus der Zeitung über einen Mann vor, bei dem über vier Promille gemessen wurden. "Der hat aber einen g'scheiden Durst gehabt", meint eine der Seniorinnen und alle lachen.

Tanja Schmitt arbeitet bereits seit 18 Jahren im St. Anna. Sie verteilt Zeitschriften an einige der Bewohner, die nicht an der Zeitungsrunde interessiert sind. Eine Frau, die bereits wieder schläft, deckt sie mit einer grünen Decke zu.

Sie macht im Anschluss noch etwas Gymnastik-Übungen. "Wir hatten eigentlich auf unserem Wochenplan Gedächtnis-Training stehen. Aber darauf hatten die Bewohner heute keine Lust. Wir achten darauf, dass wir auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen, da wir nach der Demenzpflege von Böhm arbeiten", erklärt sie. Wichtige Ziele des Pflegemodells nach Erwin Böhm sind, dass eine individuelle, reaktivierende und bewohnerbezogene Pflege gewährleistet wird. "Dafür ist die Biografiearbeit sehr wichtig. Sie ist das Fundament für unsere Arbeit", sagt Schmitt.

Jeder so, wie er kann

Bei den Gymnastik-Übungen bestärkt sie die Senioren in ihren Fähigkeiten: "Jeder macht die Übungen einfach so mit, wie er kann. Das wichtigste ist, dass wir uns etwas bewegen." Sie verbindet ihre Gymnastik mit einer kleinen Fantasiereise im Wald. Nachdem die Gruppe ein Stück gemütlich durch den Wald gegangen ist, meint die Betreuungsassistentin: "So, jetzt setzen wir uns auf eine Bank, heben unseren Rucksack hoch und holen unsere Trinkflasche heraus." Sogar ein paar Bewegungsmuffel machen bei den Übungen mit.

Nach der Gymnastikrunde gibt es die Zwischenmahlzeit. Chrysanthi Bauer schneidet gerade Obst und verteilt es in kleine Schüsseln. Beim Essen gibt es auch noch einiges zu beachten wie zum Beispiel Allergien, aber auch einfach Abneigungen. "Frau P. darf keine Bananen essen", sagt Bauer und nickt kurz in Richtung einer Dame mit einem türkisblauen Pullover. Wir verteilen die Schüsseln und fragen dabei immer nach, ob die Bewohner lieber Obst wollen oder einen Joghurt. Manche wollen sogar beides.

Nachdem alle gegessen haben, löst sich der Stuhlkreis auf und alle Bewohner gehen zu ihren Plätzen zurück. Im Anschluss bereiten die Betreuungskräfte nach einer kurzen Pause die Suppenschüsseln wie zuhause auf dem Tisch und Schöpflöffel für das Mittagessen vor. Das Besteck und die Servietten verteilen sie auf den Tischen.

"Herr B. isst keine Suppe und keinen Nachtisch", meint Tanja zu mir, als ich am hintersten Tisch das Besteck verteile. Solche Details erfahren die Betreuungsassistenten im Laufe der Zeit von den Bewohnern oder in Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Dafür gibt es spezielle Biografie-Bögen, auf denen Fragen zu Gewohnheiten und Vorlieben wie dem Essen, Freizeitverhalten und ähnlichem stehen.

Als das Essen da ist, wird es noch einmal stressig. Am liebsten hätten alle gerne gleichzeitig ihre Teller vor sich stehen. Hier helfen die Betreuungs- und Pflegekräfte zusammen. Schnell sind alle mit Essen versorgt.

Für Chrysanthi Bauer ist, nachdem das Geschirr verräumt ist, für heute Feierabend. "Ich bin noch bis 14 Uhr da", sagt Schmitt. "Danach kommt dann der Spätdienst." Die Zeit, wo es ruhiger ist, nutzt sie, für einige Einzelbetreuungen.

"Es gibt auch Bewohner, die kein Interesse an Gruppenstunden haben. Die besuchen wir dann auf dem Zimmer", erklärt sie mir, während wir zu Herrn W. gehen. "Hallo Herr W.", sagt sie als wir im Zimmer des Bewohners stehen.

Er liegt entspannt auf dem Bett und sieht fern. Er freut sich über den Besuch, aber am glücklichsten macht ihn sein Fernseher, erzählt mir Schmitt. Sie fragt den Senior, wie es ihm geht, ob er sich wohl fühlt und ob er irgendetwas braucht. "Ich bin zufrieden", meint er und wir lassen ihn wieder mit seiner Fernsehserie alleine.

"So sind alle Bewohner unterschiedlich und darauf versuchen wir besonders in unserer Arbeit einzugehen", sagt Schmitt. Manchmal sei es schon etwas anstrengend, aber viel öfters gibt es Momente, die schön und zum Schmunzeln sind, meint die Betreuungsassistentin.

So ungefähr läuft ein "normaler" Arbeitstag als Betreuungsassistentin ab. Aber auch Feste und Bräuche werden im Altenheim gepflegt und in den Alltag integriert. Dazu gehören große, kirchliche Feste wie Weihnachten, Ostern und Erntedank, aber auch ein Sommerfest gibt es im St. Anna.

Die Betreuungsassistentinnen gehen mit den Bewohnern auch spazieren oder machen mit ihnen Ausflüge. Sie sind aber nicht nur Begleiter und Ansprechpartner für die Bewohner: Ehrenamtliche und Angehörige werden ebenfalls mit in den Heimalltag integriert.

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