Nordhalben

Ein Nordhalbener im Radio

Beim Erinnerungsabend "Rudolf J. Wachter - Botschafter unserer Mundart" war das Nordhalbener Gasthaus "Weißes Lamm" bis auf den letzten Platz gefüllt.
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Rudolf J. Wachter bei Radio-Aufnahmen für Radio Euroherz in Hof im Jahr 1996. Foto: privat
Rudolf J. Wachter bei Radio-Aufnahmen für Radio Euroherz in Hof im Jahr 1996. Foto: privat

Die Nordhalbener schätzen Veranstaltungen, die in die Historie zurückführen und als Mittelpunkt einen bekannten Mitbürger haben. Organisator Rudolf Ruf konnte sich bei seinen bisherigen "Erinnerungsabenden" stets über viele Zuhörer freuen. Wachters Sohn Thomas fungierte als Co-Moderator und brachte eindringlich seine persönlichen Reminiszenzen in die Veranstaltung ein. Initialzündung für den Vortrag war ein Treffen fränkischer Mundartdichter in Nordhalben Anfang der 1990er Jahre.

Die Nordhalbener Farben vertrat damals eben jener Rudolf J. Wachter - mit Hausnamen "der Muckn Rudi" genannt. Und dies nicht von ungefähr - schließlich bekamen Wachters "Gschichtla" eine eigene regelmäßige Sendezeit bei den lokalen Radiosendern Radio Euroherz und Radio Plassenburg.

Was macht das Besondere an diesem Lebenslauf aus? Welche Spuren hat er hinterlassen? Was bleibt von seinem Wirken? Fragen, die der Vortrag beantwortete. Den roten Faden der Veranstaltung bildete eine animierte, umfangreiche Power-Point-Präsentation. Interviews und Original-Tondokumente trugen zur Schaffung einer authentischen Schilderung bei.

Der Lokalreporter Wachter wirkte zwischen 1961 und 1967 als Zeitungsreporter der großen Lokalzeitungen in den Landkreisen Kronach und Hof: Viele seiner Original-Artikel konnten bewundert werden - aufbereitet wie eine Galerie auf schwarzem Karton. Besonders die archaische Aufbereitung der Fotos entlockte den Besuchern ein Schmunzeln - mangels Dunkelkammer mussten die Söhne die Fotos im Schlafzimmerschrank entwickeln, um sie zeitnah in die Redaktion bringen zu können.

Ein Dichter und Poet

Ein von Wachter handverfasstes Gedichtbüchlein - im Original vorhanden - zeigte die lyrische, poetische Seite des vielfach Talentierten: Texte und Lyrismen - umgeben von poetischer Aura - haben Heimatliebe, Frömmigkeit und das Bewusstsein des Endlichen zum Gegenstand.

Original-Tonaufnahmen brachten indes Wachters Stimme in die Wirtsstube: Gewitzt, herzerfrischend direkt und eben in reiner Nordhalbener Mundart brachte er seine selbst erfundenen Geschichten unters Volk. Andächtige Stille lag im Raum, als man Wachter aufgrund dieser Original-Quellen quasi persönlich im Raum wähnte.

Rudolf Ruf kündigte es eingangs an: "Ihr werdet Bilderfolgen sehen, wie sie selten gezeigt werden." Und er sollte recht behalten: Rudolf J. Wachter brachte Kindheitserinnerungen zu Papier: einen Rundgang durch Nordhalben in den 1930ern, mit seinen Gasthäusern und Geschäften.

Rundgang durch Nordhalben

Aus einem großen Fundus an historischen Aufnahmen steuerte Rudolf Ruf die passenden Bilder bei. So kombinierten sich Text und Bild zu einem Rundgang durch Nordhalben - welcher durch die Poesie von Schwarz-Weiß-Aufnahmen eine nostalgische Wirkung hervorrief.

Sohn Thomas Wachter ging - interviewt von Ruf - auf die Stationen des Lebens vom "Muckn Rudi" ein: Ein Familienmensch voller Heimatliebe, Respekt vor Gott und beseelt vom Drang, sich auszudrücken und sich zu engagieren: Neben Reportertätigkeit und Mundartgeschichten-Erfinden war er in Nordhalbener Vereinen engagiert. Trotz "Exil" in München war und blieb er ein waschechter Nordhalbener und betrachtete die Ortschaft bis zu seinem Tod 2016 stets als seine Heimat. red

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