Coburg
Unser Thema der Woche // Auf- und Abstieg

Ein Mann für alle "Fälle"

Henry Salwender schnuppert gern Höhenluft. Der Industriekletterer weiß, wie gefährlich das sein kann.
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Industriekletterer für Windkrafträder, Stuntman und Double für Semir (Erdogan Atalay ) in der Serie "Cobra 11" und Ruhepol für Löwenbabys - Henry Salwender hat eine ganze Reihe von Talenten und Fähigkeiten - vor allem aber auch Neugier und Lebensfreude. Fotos: privat
Industriekletterer für Windkrafträder, Stuntman und Double für Semir (Erdogan Atalay ) in der Serie "Cobra 11" und Ruhepol für Löwenbabys - Henry Salwender hat eine ganze Reihe von Talenten und Fähigkeiten - vor allem aber auch Neugier und Lebensfreude. Fotos: privat
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140 Meter hoch in der Luft baumeln - da hat sogar ein Henry Salwender mal die Hosen gestrichen voll. "Zumindest beim ersten Mal", gibt der wendige Industriekletterer lachend zu. Doch das ist Jahre her. Windkrafträder reparieren und putzen macht er mittlerweile nicht mehr. Als sogenannter Rotorblatt-Servicemechaniker war er von 2012 bis 2014 bundesweit unterwegs. Mittlerweile hat er in Coburg seine eigene Firma gegründet: Sonderzweck - Arbeitsschutz & Sicherheit. Bei Rettungsübungen und Sicherheits-Trainings in Windkraft-Anlagen steht er nur noch als Trainer parat.

Sicher im Hochregal

Sein eigentliches Anliegen ist der Arbeitsschutz. Menschen retten und ihnen helfen, Unfälle zu vermeiden, liegt dem 52-Jährigen am Herzen. Als Rettungssanitäter beim BRK in Bad Rodach ist das sein täglich Brot. Als Industriekletterer möchte er insbesondere für mehr Sicherheit in Hochregallagern, beim Bühnenbau und in der Veranstaltungstechnik sorgen. Schon jetzt bietet er Schulungen über Schutzausrüstungen gegen Absturz an.

Angesiedelt hat er sich in der alten Porzellanfabrik in Cortendorf. Er hat einen Teil der stillgelegten Industrieanlage angemietet, in dem er seine Ausrüstung unterstellen kann und in dem ein Schacht die Möglichkeit für Höhentrainings bietet.

"Die Berufsgenossenschaft zieht in Betrieben die Daumenschrauben an", sagt er und verweist darauf, dass bisher viel zu leichtfertig mit dem Arbeitsschutz umgegangen wird.

In Schächte klettern, auf Schornsteine kraxeln oder Werbeschilder in luftiger Höhe austauschen, Henry Salwender kommt, wenn er gerufen wird. Doch sein Ziel ist es, Industriekletterer auszubilden. Bei der Bergwacht beispielsweise, wo er auch schon aktiv war, hat er sich nicht wohl gefühlt. "Alpines Klettern birgt viel zu viel Risiko", sagt er und greift in seine große Kiste, wo er Karabiner, Seile und Sicherheitshaken herauszieht, um zu demonstrieren, wie eine doppelte oder dreifache gewerbliche Sicherung funktioniert.

Natürlich sei das eine Frage des Gewichts. Ihm ist schon klar, dass man beim Klettern im Gebirge eine solche Ausrüstung weder anlegen noch mitschleppen kann, aber er braucht die Gewissheit, dass nichts passieren kann, wenn man an alles denkt. Schon als Kind ist Henry gern geklettert. Dann hat er auf dem Bau gelernt und dort 30 Jahre gearbeitet. "Ich hab mich mit den Füßen festgehalten und mit den Händen gearbeitet", sagt er lachend.

Abenteurer mit Herz

In Salwender steckt ein Abenteurerherz. Immer mal was Neues ausprobieren, Grenzen austesten, Altes hinter sich lassen. Er hat als Stuntman und Double bei Alarm für Cobra 11 gearbeitet und war Löwenbaby-Bändiger in Afrika. Doch 2010 kam die Wende. Er war wieder einmal auf der Suche nach etwas Anderen. Nur diesmal sollte es etwas sein, das seine Talente bündelt: Als Höhenkletterer und Notfallsanitäter hat er seine Berufung gefunden. "Hier kann ich mich selbst leben und anderen dabei helfen", sagt Henry Salwender, Experte in Sachen Auf- und Abstiege aller Art.

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