Bamberg
Premiere 

Ein Mann, ein Wort: der Wein

Mit dem Ein-Personen-Stück "Er ist reif" geht das "Theater im Gärtnerviertel" wieder zurück an die Basis. Stephan Bach spielt in der Mittelstraße einen wein- und literaturseligen Bonvivant.
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Stephan Bach spielt in der Vinothek "Vino e Camino" den Christian Sigismund Ahlberg.  Foto: Werner Lorenz
Stephan Bach spielt in der Vinothek "Vino e Camino" den Christian Sigismund Ahlberg. Foto: Werner Lorenz
Rudolf görtler

Dieser Mann führt eine beneidenswerte Existenz: Er ist ökonomisch unabhängig und kann als privatisierender Bonvivant ganz für seine literarischen und kulinarischen Interessen leben. Außerdem besitzt er einen Weinberg im unterfränkischen Zeil! Man darf vermuten, dass er als Schöpfer des edlen Getränks auftritt, von der Lese bis zur Abfüllung.
Wer möchte nicht mit Christian Sigismund Ahlberg tauschen? Nur schade, dass es den Mann nicht gibt. Er eine Fiktion ist, eine Erfindung. Ausgedacht von Nina Lorenz und Stephan Bach. Die den Dänen für das neue Stück des "Theaters im Gärtnerviertel" (TiG) schufen. "Er ist reif" heißt der doppeldeutige Titel, Untertitel: "Weinseliges mit Bach". Stephan Bach, den gedrungenen Mann mit der grollenden Stentorenstimme, kennt man in Bamberg und der Region nicht nur vom TiG. Beim Fränkischen Theatersommer ist er ein Eckpfeiler des Ensembles, an Martin Neubauers Wohnzimmerbühne ebenso und ein reisender Charakterkopf mit dem "magischen Baumhaus".


Gespielte Geschichten

Und Nina Lorenz gebietet über langjährige Erfahrung als Dramaturgin und Regisseurin, die sie nun vornehmlich, aber nicht nur dem TiG widmet. Zusammen haben die beiden eine Rahmenhandlung entwickelt, in der Stephan Bach als der Däne Christian Sigismund Ahlberg Geschichten erzählt und literarische Texte vorträgt. Man darf vermuten, dass es solche sind, die im engeren oder weiteren Sinne mit dem edlen Saft zu tun haben. Edgar Allan Poes groteske Schauergeschichte "Das Fass Amontillado" ist dabei, zwei Gedichte von Robert Gernhardt, u. a. "Der Weinreinbringer", die Erzählung "Lord Arthur Saviles Verbrechen" von Oscar Wilde und noch mehr; alles soll nicht verraten werden.
Gerade einmal 22 Personen passen in die Vinothek "Vino e Camino" Francesca Gräfin von Beust-Lutis, die diesmal zur Bühne des TiG wird, ein ganz intimer Rahmen also (zwei Zusatztermine sind bereits eingeplant worden). Deshalb ist das Bühnenbild minimalistisch (ein Stuhl), und die Requisiten sind's ebenso (Glas, Flasche). Bach wechselt flugs die Rollen, er spielt die Geschichten, Ein-Mann-Theater in aller von diesem Mann gewohnten Wucht. Bach wird in einer aufwändigeren Produktion des TiG eine Hauptrolle spielen bzw. deren zwei: Ab dem 17. Juni spaltet er sich auf in Dr. Jekyll und Mr. Hyde nach einer berühmten Erzählung von Robert Louis Stevenson. Dazwischen (Premiere 7. April) gibt es das jugendaffine "Like Me" zu sehen, das, wie unschwer zu erkennen ist, auf ein soziales Medium anspielt.

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