Lichtenfels
Unter uns am Obermain (493)  Man muss wirklich alles einmal probieren.

Ein Loblied auf das Wandern

Markus Häggberg Peter ist ein wirklich netter Kerl und lieber Kumpel. Dann und wann bekommt er einen Flitz, weil ihn der Drang zum Gehen überkommt. Meist dann, wenn ihm etwas Gutes widerfährt, schließ...
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Markus Häggberg Peter ist ein wirklich netter Kerl und lieber Kumpel. Dann und wann bekommt er einen Flitz, weil ihn der Drang zum Gehen überkommt. Meist dann, wenn ihm etwas Gutes widerfährt, schließt er mit sich ein Gelübde ab, das ihn dazu verpflichtet, Strecke zu machen. So möchte er dem obersten Wanderwart und himmlischen Vater seine Aufwartung machen und Demut zeigen.

Mir hat Peter die Vorzüge des Wanderns noch auf andere Weise erklärt. Er sagte, und ich zitiere wörtlich: "Das Wandern bedeutet Einkehr. Man betritt das Leben aufmerksamer, vielleicht auch ob eines freien Tages gelassener, und nicht so sehr in Sorge eingespannt. Man hat eine Strecke weit Zeit für sich oder seine Sicht aufs Leben. Wandern ist unbedingt eine meditative Angelegenheit."

Vielleicht sagte er aber auch nur, dass das Wandern "ganz okay ist", ich weiß es nicht mehr so genau. Jedenfalls war es ihm nach seiner neuerlichen Beförderung mal wieder ernst geworden und er lud mich zum Mitgehen ein. Mein Kumpel und ich verabredeten uns für die Strecke Redwitz-Burgkunstadt-Vierzehnheiligen, mit Rückweg über Lichtenfels. Die Route selbst hatte Peter sich ausgeguckt, die Ausführung stammte von uns beiden.

Noch heute klingelt mir im Ohr, wie mein Kumpel mir einschärfte, dass man sich für eine Wanderung vorbereiten solle, so mit gutem Schuhwerk und so. Mein gutes Schuhwerk setzte ich mit ihm ab Redwitz in Bewegung. Und schon an der Kreuzung nach Burgkunstadt bekam ich Hunger. Aber ich war vorbereitet, denn ich zog ein Paar Wienerchen aus meinem Rucksack und die verlockten auch Peter. Aber weil zu Wienerchen Brot gehört, bot ich Peter auch Brot an. Das aber wiederum ist doch recht trocken, weshalb wir uns ein Bier gönnten.

Dann, so auf halbem Wege nach Burgkunstadt, wurde Peter nachdenklich und er sprach vom Zustand seiner derzeitigen Ehe. Um diese Zeit begann mein linker Schuh zu drücken und ich versuchte, mit Bier gedanklich gegenzusteuern.

Aber so ein Bierchen macht auch irgendwie ein bisschen hungrig, weshalb ich mir ein Snickers aus der Brusttasche meiner Jacke fischte. Den Zustand seiner Ehe kurzzeitig gedanklich zur Seite legend, fragte Peter, ob ich auch einen Schokoriegel für ihn hätte. Klar hatte ich, wir sind doch schließlich Kumpels und ich war ja vorbereitet.

In Burgkunstadt angelangt, hatte ich den Verdacht, mir eine Blase gelaufen zu haben. Links wie rechts. Mein Schuhwerk war nicht direkt falsch, es war, und das ist meine Theorie, nur einfach nicht geeignet für Kurzstrecken. Von Burgkunstadt ging es nach Altenkunstadt, immer der Strecke folgend, die Peter vorschlug. Wir gingen in Abgasen und Diesel, immer die Hauptstraße entlang, bis wir in Richtung Roth einbogen.

Dorthin verläuft eine Landstraße, die im Grunde nicht sehr befahren ist. Außer an diesem Wochenende, denn es gab irgendwo eine Sperrung und nun wurde der Verkehr über Roth umgeleitet. Vor allem der Schwerlastverkehr nutzte das und so gingen wir entlang der Straße, nur wenige Meter von Abgasen und Diesel entfernt.

Peter erzählte mir vom Zustand seiner Ehe, und ich versuchte, ihn mit Knackwürsten und einem Bier aufzuheitern. Was gelang. In Roth hatten wir seine Ehe endlich durchgekaut und erstellten gedanklich eine Liste der fünf tollsten Bond-Girls. Ich tendierte zu Britt Ekland als Nummer Eins, Peter zu Sophie Marceau. Darauf tranken wir in Roth. Wir waren ja schließlich vorbereitet. Besonders tranken wir auf unsere Freundschaft, die dadurch gestärkt wurde, dass die Bond-Girls Maude Adams und Diana Rigg unsere Schnittmengen bildeten.

Zu dieser Zeit stieg in mir der Verdacht auf, ich könnte mir eine zweite Blase gelaufen haben. Links wie rechts. Mein Schuhwerk war nicht direkt falsch, es war, und das ist meine Theorie, nur einfach nicht geeignet für Langstrecken. Mit einem Bier versuchte ich mich von meinen Schmerzen abzulenken. Auch Peter wollte sich von meinen Schmerzen ablenken und öffnete sich ein Bier. Dann, kurz vor Klosterlangheim, ergatterten wir eine Bank und setzten uns hin, uns ein wenig auszuruhen.

Wir hielten inne und wurden auch innerlich still. Wir schlossen die Augen und ließen alles von uns abfallen. Er dachte an Maude Adams und ich an Diana Rigg. Ungefähr eine Stunde später sind wir wieder aufgewacht. Dann machten wir erst einmal Brotzeit, aßen dazu Snickers und tranken ein Bier.

Auf den Rest der Strecke verzichteten wir, denn schließlich, so Peter, sei der Weg das Ziel. Ich für meinen Fall kann gepflegtes Wandern nur empfehlen. Aber auch hier gilt: Vorbereitung ist alles.

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