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Kronach

Ein Licht im Leben und im Sterben

Mariä Lichtmess am 2. Februar wurde infolge des Dienstbotenwechsels früher auch als "Bauernneujahr" bezeichnet. Er machte einst den Feiertag mit seiner Fülle an Bräuchen zum "Meeting des Jahres".
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Kerzenweihe und Lichterprozession spielten an Lichtmess vor allem auf dem Land eine große Rolle.
Kerzenweihe und Lichterprozession spielten an Lichtmess vor allem auf dem Land eine große Rolle.
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Kronach —  Mariä Lichtmess ist eines der ältesten Feste der Christenheit mit Kerzenweihe und Lichterprozessionen.

Für den greisen Simeon war es die Erfüllung seines Lebens, als er den Himmelsknaben noch einmal in die Arme schließen durfte: "Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Isra-el" (Lukas 2, 30-33). Die Darstellung des Herrn im Tempel ist auf zahlreichen spätgotischen Altären in den Kirchen des Frankenwaldes zu bewundern.

Die katholische Kirche hat im 7. Jahrhundert zum Gedächtnis an den Ausspruch des greisen Simeon, der das Jesuskind "ein Licht zur Erleuchtung der Heiden" nannte, die Weihe des Lichtes angeordnet. Im Lauf der Zeit wechselte das Fest "Mariä Reinigung" öfter seinen Na-men, der erst "Frauentag" und "Lichtweh", dann "Lichtermesse" und im 14. Jahrhundert "Lichtfewer" hieß, bis dann schließlich der "Lichtmesstag" entstand.

Dieser Name kommt von der großen "Lichtermesse", die an diesem Tag stattfand und regional auch heute noch stattfindet. Dabei weihte der Priester das für das ganze Jahr in Kirche und Haus benötigte Wachs, darunter die Wachsstöcke für die Frühmessen und Engelämter, die schwarzen Wetter- und Gewitterkerzen, die langen Aufsteckkerzen für die armen Seelen und die Hauskerzen, und ganz früher durften auch die bunten Prachtstöckla für die heiratsfähigen Töchter sowie die dünnen Pfennigkerzen nicht vergessen werden. Im Schwange dazu stand folgender Spruch: "Heut' ist der heilige Lichtmesstag, die Kerzen in die Kirch' hineintrag! Und lässt du sie weih'n, schlägt kein Wetter ein. Auf dem Acker wächst das Brot, und der Teufel und der Tod, die gehen alle zwei vorbei, hast du Kerzen g'habt bei der Weih'."

Auf dem Land bekam damals auch das kleinste Büblein ein brennendes Wachsstöcklein in die Hand gedrückt, um an der Lichterprozession und Kerzenweihe teilzunehmen. In manchem Bauernhof träufelte der Hausvater nach dem Gottesdienst drei Tropfen vom geweihten Bienenwachs auf ein Stück Brot, gab es den Kindern und dem Vieh im Stall zu essen. Die geweihten Kerzen sollten vor Krankheit und Tod, vor Blitz und Hagelschlag schützen. Abgesehen von der Kostbarkeit des Lichtes nahm das geweihte Wachslicht besonders im bäuerlichen Leben eine überragende Stellung ein; denn das geweihte Licht "ist gut für's Leben und für's Sterben" (zum Hinübergeleiten in die Ewigkeit), wie eine alte Bauernweisheit besagt.

Eine besondere Bewandtnis hatte es mit den zuvor erwähnten Pfennigkerzchen. So traf sich die ganze Familie am Lichtmessabend nach der Stallfütterung im Herrgottswinkel der Stube, um gemeinsam für die armen Seelen der Verwandten und Freunde einen Rosenkranz zu beten. Dabei brannten die Pfennigkerzen. Wehe aber, wenn das flackernde Pfennigkerzchen während des Betens erlosch. Nach altem Aberglauben sollte es nämlich als "Sterbenslichtlein" bald hinter dem eigenen Sarg brennen.

Die "Seligkeit" wird ausbezahlt

Wesentliche Bedeutung für den Bauern der früheren Zeit bis zu Beginn des vorigen Jahrhun-derts hatte Lichtmess als "Ding- und Wechseltag", auch "Schlenkeltag" genannt. An diesem Tag wurde in der Regel mündlich ein neuer Dienstvertrag abgeschlossen und den Knechten und Mägden der gesamte Lohn, die sogenannte "Seligkeit", für das vergangene Jahr ausbezahlt.

Gemessen an heutigen Gehaltsvorstellungen war der Jahreslohn allerdings mehr als dürftig. So hatte ein Großknecht um die Jahrhundertwende einen Jahreslohn von 100 Mark, eine gute Magd bekam 85 Mark. Man muss allerdings bedenken, dass Geld früher einen weit höheren Wert hatte als heute. Im Lohn waren auch freie Kost und Wohnung auf dem Hof während des Jahres inbegriffen. Dazu gab es noch Wäsche und Kleidungsstücke.

Der Bauer sah es natürlich gern, wenn sein Knecht fleißig, zuverlässig, ehrlich und kooperativ war. Diese vier Eigenschaften galten als die Wesentlichsten und mussten auch in irgendeiner Weise im Verdingbuch gewürdigt werden. Wollte der Bauer seinen Knecht behalten, so fragte er ihn bereits beim Kornschnitt oder an Martini. Bei einer Vertragslösung aber genügte es, wenn er dies acht Tage vor Lichtmess dem Bauern wissen ließ. Eine verbindliche Schriftform dazu gab es nicht. Meist genügte die mündliche Kündigung vor Zeugen. Hier reichte der Spruch: "Bauer, wir zwei machen heuer Lichtmess" oder ein kleiner Reim: "Heid ist mei Joah aus, dou nehm ich mei Ränzla und mach a klaans Tänzla und geh zenn Tor naus."

Wo sich an Lichtmess leutesuchende Bauern und dienstsuchende "Ehehalten" zusammenfanden, entstand eine Art Jahrmarkt, genannt "Schlenkelmarkt"; gelegentlich im Verbund mit der "Lichtmesskärwa". Auf diesem Bauernjahrmarkt fand sich denn auch alles ein. Es entwickelte sich gar bald ein buntes Treiben. Da erschienen zum erstenmal die schüchternen Schulentlassenen, die vom Elternhaus fort sollten, um Ehehalten zu werden. Aber auch jene Knechte und Mägde, denen schon um Weihnachten herum der Platz gekündigt worden war, gaben sich ein Stelldichein. Natürlich fehlten auch jene Ehehalten nicht, die allzu schmale Kost vom Hofe vertrieben hatte, denn sie wollten sich doch wieder verdingen.

Hoffnungsvoll, neugierig und manchmal auch bangen Herzens erwarteten die "Schlenkelleut" auf dem "Schlenkelmarkt" die neuen Offerten. Die dienstbotensuchenden Bauern erkannten aber schon von weitem, welche Ehehalten noch frei waren, denn die "Dirnen" trugen zweierlei Strümpfe, einen weißen und einen roten, während die Burschen ihre Hüte mit einem Strohbüschel geschmückt hatten. Lohn und "Drangeld" oder "Leihkauf" wurden ganz genau ausgehandelt. War man sich nach langem Hin und Her endlich einig, so besiegelte ein kräftiger Handschlag die Abmachung.

Einladung zum "Flohbier"

Die bleibenden Dienstboten, vor allem aber die Knechte, ließen am "Schlenkeltag", weil an diesem Tag der Jahreslohn ausgezahlt wurde und die Taler so schön klimperten, die "Puppen tanzen". Vor allem zeigte sich der Großknecht gegenüber jener Magd, die ihm das ganze Jahr hindurch das Bett fein säuberlich zurechtgemacht hatte, nicht kleinlich. Entweder brachte er ihr etwas vom Markt mit oder er lud sie zum "Flohbier" ein. Die Magd hatte nämlich früher, als es noch mehr dieser hüpfenden Plagegeister gab, jedes beim Strohsackaufschütteln gefangene Exemplar auf einen Zettel notiert und das Vorlesen dieser seltenen Jagdbeute im Wirtshaus gab immer eine Pfundsgaudi.

Früher ließ sich der Bauer an Lichtmess gern die Haare schneiden. Das sollte Glück für den Hof und Wachstum auf den Feldern bringen. Die Bäuerin durfte an "Bauernneujahr" nicht aus dem Haus, wenn am Hof Bienen gehalten wurden. Diese würden ihr sonst nachfliegen und wegen der Kälte um diese Zeit nicht mehr zum Stock zurückfinden, sondern umkommen.

Auch durfte nicht gesponnen werden, vielmehr musste spätestens bis Lichtmess der Rocken abgesponnen sein, es würde sonst Unheil für den Hof und besonders für die Spinnerinnen bedeuten. Nicht einmal flicken durfte man, denn man würde sonst den Hühnern das "Legetürlein" zuflicken.

Die Mädchen schlichen sich am Abend verstohlen vor das Dorf, um ungestört in die Dunkelheit lauschen zu können; denn aus der Richtung, aus der das erste Hundegebell hergetragen wurde, sollte bald der Freier kommen.

Da Lichtmess auch als hochrangiger Lostag galt, wurde aus dem Licht und Flackern der Kerzen geweissagt. Kinder, die an Lichtmess auf die Welt kamen, galten als "hellsehend". Mit Lichtmess hörte für das Handwerk die Arbeit bei Licht auf, die am Montag nach Michaelis angefangen hatte. Der Tag wurde von den Meistern freigegeben und hat "Lichtblaumontag" geheißen.

"Alles hat seine Zeit", sagt eine alte Lebensweisheit. In dieser scheinbar "verdrehten" Welt stellt sich natürlich auch an Mariä Lichtmess die Frage: "Getts jetzedla öbbe nauswätz, odde fengd dä Winte öschd oo?" Im Bauernkalender heißt es: "Bis Weihnachten wächst der Tag einen Hahnentritt, bis Neujahr einen Mannsschritt, bis Dreikönig einen Hirschsprung und bis Lichtmess eine ganze Stunde". Und das ist doch schon mal ein Lichtblick an Lichtmess!

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