Höchstadt a. d. Aisch
dichtung

Ein leuchtender Abend mit Lyrik und Musik im Schlossgewölbe

Rudolf Görtler Mascha wer? Viele literarisch Interessierte haben den Namen schon einmal gehört, wissen jedoch wenig damit anzufangen. Das sagte Franz Tröger und bekannte, einst selbst ein solcher Halb...
Artikel drucken Artikel einbetten
Aline Joers und Franz Tröger porträtierten im Höchstadter Schlossgewölbe die Lyrikerin Mascha Kaléko. Foto: Rudolf Görtler
Aline Joers und Franz Tröger porträtierten im Höchstadter Schlossgewölbe die Lyrikerin Mascha Kaléko. Foto: Rudolf Görtler

Rudolf Görtler Mascha wer? Viele literarisch Interessierte haben den Namen schon einmal gehört, wissen jedoch wenig damit anzufangen. Das sagte Franz Tröger und bekannte, einst selbst ein solcher Halbinformierter gewesen zu sein. Was sich gründlich geändert hat.

Zuhörer waren begeistert

Der Musiker und Komponist hat zusammen mit der Schauspielerin Aline Joers ein Kaléko-Programm zusammengestellt, das besser und schöner kaum sein könnte. Im Schlossgewölbe sangen, spielten und rezitierten die beiden vor einem großen Publikum auf Einladung der Bücherstube Höchstadt. Der literarische Abend begeisterte die Zuhörer.

Kein Wunder. Denn einmal ist die Dichterin Mascha Kaléko des Wiederentdeckens wirklich wert (obwohl sie nie ganz vergessen war). Ihre gern der Neuen Sachlichkeit Ende der 1920er Jahre zugerechneten Werke können gut und gern mit denen eines Erich Kästner oder Ringelnatz konkurrieren. Und zum andern standen mit Joers und Troeger zwei Könner im Gewölbe, denen man die Passion für Leben und Werk der Kaléko anmerkte, gepaart mit großer Fertigkeit in Rezitation, Gesang und an diversen Instrumenten.

Es sind erfahrenen Künstler auch, denn die Schauspielerin ist nach ihrer Zeit am Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater erst richtig gereift und schaffte es mit ihrer glockenhellen Stimme, verschmitzter oder auch melancholischer Mimik alle Facetten des Kaléko'schen Werks zum Schillern zu bringen. Begleitet und ergänzt vom Multiinstrumentalisten Tröger, der nicht nur am Flügel, am Akkordeon oder der Trompete glänzte, sondern mit seiner selbst komponierten Spieluhren-Musik bezauberte.

Sowie am biografischen Faden entlang ein umfassendes Bild von Kalékos Leben und Werk entwarf. Geboren 1907 in Galizien, kam die jüdische Dichterin nach Berlin, begann eine Bürolehre und fand Kontakt zu Ton angebenden literarischen Kreisen der Hauptstadt. Es waren "ein paar leuchtende Jahre" im Berlin um 1930, ihre besten, wie sie später schrieb. Ihr "lyrisches Stenogrammheft" war ein Bestseller, schnoddrig und lustig, melancholisch und bitter. Der "Chor der Kriegswaisen" verrät auch eine politische Ader, "Langschläfers Morgenlied" interpretierte Joers so hinreißend, wie die gebürtige Berlinerin Treppenhaus-Tratsch im einschlägigen Idiom wiedergeben kann - mit Requisiten wie Kopftuch und Schrubber.

Nach dem "kleinen Lesebuch für Große" musste Kaléko mit ihrem zweiten Mann und dem Sohn in die USA emigrieren. Ein Einschnitt, den sie so gut es ging zu verkraften versuchte, auch den späteren Aufenthalt in Israel, auch in ihrem Werk. Ihre realistischen, doch nie zynischen Gedichte über Liebe und Ehe ("Ich bin von anno dazumal"), ihre emanzipatorischen Werke ("Die Leistung der Frauen in der Kultur"), die ohne Männerhass auskommen, ihre Nonsens-Gedichte ("Der Papagei - die Mamagei"), die so gut wie die von Morgenstern sind, dokumentierten die beiden Künstler so umfassend wie sympathisch.

Lyrik, die zu Tränen rührt

Tief traurige Lyrik wie die "Elegie für Steven" auf den verstorbenen Sohn oder der Trauermarsch in "Der Schwan" rührten manche Zuhörer fast zu Tränen.

Kaléko starb 1975 in der Schweiz, nachdem sie nach dem Krieg in Deutschland sogar eine kleine Renaissance erlebt hatte. Ein kontrastreicher Abend also mit zwei umwerfenden Protagonisten. Die man am Freitag, 16. November, schon wieder in der Ritter-von-Spix-Schule erleben kann. Diesmal jedoch heiterer mit dem "Räuber Hotzenplotz".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren