Dörfles-Esbach
90. Geburtstag

Ein Leben wie ein Roman

90 Jahre jung wird Maria Römich aus Dörfles-Esbach am heutigen Mittwoch. Ihr bewegtes Leben berührt, ihr Mut und ihre Liebenswürdigkeit sind bewundernswert. Die muntere Frau steckt voller Lebensfreude...
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Schwiegertochter Brigitte, Sohn Herbert und Tochter Hannelore (stehend, von links), Letztere extra aus New York angereist, kommen immer gern zur Mama nach Dörfles-Esbach.  Foto: Manja von Nida
Schwiegertochter Brigitte, Sohn Herbert und Tochter Hannelore (stehend, von links), Letztere extra aus New York angereist, kommen immer gern zur Mama nach Dörfles-Esbach. Foto: Manja von Nida
90 Jahre jung wird Maria Römich aus Dörfles-Esbach am heutigen Mittwoch. Ihr bewegtes Leben berührt, ihr Mut und ihre Liebenswürdigkeit sind bewundernswert. Die muntere Frau steckt voller Lebensfreude und erzählt mit viel Freude ihre Lebensgeschichte.
"Wir kommen aus dem rumänischen Banat, sind also Donauschwaben", sagt sie. In Uivar, einem kleinen Dorf in der Nähe von Temeschburg, wurde sie am 13. Juni 1928 geboren. "Ich wuchs mit zwei jüngeren Brüdern auf. Meine Eltern hatten eine Landwirtschaft, in der ich nach der Schule ebenso mitarbeitete wie im Haushalt."
Noch keine 17 Jahre alt, wurde Maria im Januar 1945 nach Russland deportiert - schuldlos, nur weil sie Deutsche war. Dieses Schicksal teilte sie mit rund 70 000 Deutschen aus Rumänien. In einem Stahlwerk war schwere körperliche Arbeit an der Tagesordnung. Schlechte Verpflegung, Krankheiten und Seuchen ließen 20 Prozent der Deportierten nicht überleben. Nach fast fünf Jahren kehrte sie unterernährt nach Hause zurück und wurde "aufgepäppelt".
Ihren Ehemann Johann Römich aus Uivar lernte sie 1950 kennen, 1954 war Hochzeit. Sohn Herbert wurde 1955 geboren, drei Jahre später kam Tochter Hannelore zur Welt. Daheim wurde Deutsch gesprochen, die Kinder besuchten die deutsche Schule. Irgendwann beschloss die Familie, nach Deutschland auszureisen. "Wir sahen in Rumänien keine Zukunft mehr", erinnert sich Maria Römich. Die Großeltern machten 1963 den Anfang, der Rest der Familie folgte fünf Jahre später. "Aber dafür mussten wir fast zehn Jahre kämpfen", hat Maria Römich nicht vergessen. 1970 bauten sie in Dörfles-Esbach ein Häuschen, alle Familienangehörigen halfen mit. "Als Schwabe war Hausbau ein Muss, alle anderen Dinge kamen weit dahinter", weiß Sohn Herbert - "und es gab keinen Urlaub, kein Auto und auch keine teuren Klamotten." "Es wurde eisern gespart", fügt die Mutter hinzu.
Vier Jahre später starb ihr Mann mit Mitte vierzig. "Das war bitter", erinnert sich Maria Römich. Mit einer fast übermenschlichen Energie ermöglichte die Jubilarin beiden Kindern ein Studium und zahlte die Hausschulden ab. Auf ihre Kinder blickt sie heute mit viel Stolz: Sohn Herbert wurde Maschinenbauingenieur, Tochter Hannelore ist Professorin in New York.


Besuche in der alten Heimat

Das Geburtstagskind könnte Bücher über sein Leben schreiben. Seit über 30 Jahren ist die zweifache Großmutter im Ruhestand. Sie ist Mitglied der Landsmannschaft der Banater Schwaben und im Bund der Vertriebenen. Ihre zahlreichen Besuche in der alten Heimat mit der Familie und Freunden hielten alle Erinnerungen wach.
Ihre edle Handarbeitskunst schmückt ihr gemütliches Zuhause, das sie ebenso noch selbst hegt und pflegt wie ihren Garten. Sie organisierte gerne Familienfeste, feierte alle ihre runden Geburtstage. Und Ziele hat die quirlige Dame auch noch: Sie wird nach dem Geburtstagsfest nach Uivar und nach Temeschburg reisen - und zwar mit ihrer gesamten Großfamilie.


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