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Herzogenaurach

Ein Leben im Dienste des Herrn

Schwester Luzia wirkte Jahrzehnte am Herzogenauracher Liebfrauenhaus. Mit ihrer offenen, humorvollen und immer hilfsbereiten Art war sie weit über das Liebfrauenhaus in der Stadt bekannt. Mit 88 Jahren starb die Ordensschwester.
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So haben viele Herzogenauracher"ihre Schwester Luzia" in Erinnerung. Das Foto ist aus dem Jahr 2002, anlässlich ihres 70. Geburtstages aufgenommen.  Foto: Klaus-Peter Gäbelein
So haben viele Herzogenauracher"ihre Schwester Luzia" in Erinnerung. Das Foto ist aus dem Jahr 2002, anlässlich ihres 70. Geburtstages aufgenommen. Foto: Klaus-Peter Gäbelein
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Es gibt kaum einen Herzogenauracher, der die lebenslustige Schwester M. Luzia nicht kannte. Nach kurzer, schwerer Krankheit ist sie im Alter von 88 Jahren gestorben. Die Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie zu Mallersdorf teilt mit: "Wenn Jesus bei seinen Abschiedsreden den Jüngern verheißt: Ich komme wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin, so vertrauen wir, dass dies nun auch für sie gilt."

S. M. Luzia, Anneliese Aigner mit Tauf- und Familiennamen, erblickte das Licht der Welt am 12. November 1932 in Emling, im Landkreis Erding. Sie war das zweitälteste von acht Kindern einer glaubensstarken, christlichen Familie: Zwei ihrer Tanten, S. M. Barat und S. M. Kosta, waren bereits Ordensschwestern. Ein Bruder ist Priester und war viele Jahre hindurch der Präsident von Missio München. Ihre leibliche Schwester, M. Bernhilde, ist ebenfalls in der Ordensgemeinschaft.

Immer aktiv, immer rege

Anneliese war sehr talentiert, fromm und gewissenhaft. Angetan auch vom Beispiel der Tanten, hatte sie schon sehr früh den Wunsch, auch Ordensschwester zu werden. So bat sie bereits mit 14 Jahren um Aufnahme in die ordenseigene Realschule, die sie am 12. August 1946 begann. Im Anschluss daran konnte sie in Ingolstadt-Gnadenthal die Lehrerinnenbildungsanstalt besuchen. Nach Ablegung der ersten Lehramtsprüfung als Volksschullehrerin erhielt Anneliese im Jahr 1953 das Ordenskleid und den Namen Schwester Luzia.

Ihr Referendarjahr absolvierte sie gleich nach dem ersten Noviziatsjahr an der Heimschule im Liebfrauenhaus in Herzogenaurach. 1956 folgte die zweite Lehramtsprüfung und die Anstellung als Lehrerin. Sie hatte sich auch bereits die Missio Canonica zur Erteilung des Religionsunterrichts erworben. Im Mutterhaus legte Sr. Luzia dann 1956 ihre Profess ab und kam anschließend wieder nach Herzogenaurach zurück.

Es folgten arbeitsreiche Jahre an der Heimschule des Liebfrauenhauses, an der sie sich mit großem Eifer mit all ihren Fähigkeiten einsetzte für eine gediegene Schulbildung der ihr anvertrauen Mädchen und Jungen. Ihre Leistungen wurden auch von der staatlichen Schulaufsicht anerkannt und geschätzt. 1980 überreichte der Schulamtsdirektor der bisherigen Hauptlehrerin S. M. Luzia die Ernennungsurkunde zur Rektorin der Schule, als Nachfolgerin von Oberin Schwester Adelinda.

Unter ihrer Leitung wurde nicht nur der Kinderhort eingerichtet und die Grund- und Hauptschule erweitert, es wurde vor allem das Altenheim umgebaut und auf über 100 Plätze erweitert. Daneben forderte die Betreuung von knapp 100 Kindern im Hort, von 270 in der Grund- und Hauptschule sowie von 70 bis 80 Internatsschülern Generalstabsarbeit, die von Schwester Lucia in rund zehn Jahren geleistet wurde.

Kein Wunder, wenn ihr Arbeitstag 17 Stunden und mehr zählt, erklärte sie in dieser Zeit. Für den Außenstehenden bewundernswert ist und war, mit welcher Ruhe und Gelassenheit, mit welcher Freundlichkeit und Fürsorge sie dieses riesige Pensum bewältigte.

Fleißig im hohen Alter

Zeit zum Ausspannen und Erholen blieb der zierlichen Persönlichkeit nur wenig. Die zustehenden drei Wochen Jahresurlaub wurden meist auf zwei Wochen reduziert, dann kehrte sie aus dem Schwesternheim bei Traunstein zurück an die Aurach, weil die Pflicht sie rief. Wandern und Bergsteigen, daneben ein gutes Buch lesen, so sieht die eng bemessene Freizeit des "guten Engels" des Liebfrauenhauses aus. Sie nahm sich besonders auch der schwach begabten Kinder an und arbeitete sehr konstruktiv und kollegial mit der Lehrerschaft zusammen.

1993 wurde ihr auch das Amt der Konventoberin anvertraut, das sie verständnisvoll und mitschwesterlich wahrnahm. S. M. Luzia wirkte insgesamt 55 Jahre hindurch sehr segensreich in Herzogenaurach. Mit 77 Jahren ging sie im Juni 2009 ins Mutterhaus zurück. Dort half sie noch gerne und fleißig sieben Jahre lang beim Spüldienst im Exerzitienhaus mit. Da ihre Kraft zusehends abnahm, begab sie sich mit 87 Jahren, im Oktober 2019, in das Schwesternheim St. Maria.

Die Beerdigung von S. M. Luzia war am Samstag, 16. Mai auf dem Klosterfriedhof. Die Herzogenauracher denken nun an eine außergewöhnliche und inspirierende Frau und Persönlichkeit. mb, gäb