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Herzogenaurach

Ein langer Weg für die Stub

Wie bereits in Erlangen und Nürnberg geschehen, gab Florian Gräf vom Zweckverband der Stadtumlandbahn (Stub) in Herzogenaurach einen aktuellen Bericht zum Ergebnis des Raumordnungsverfahrens und zum aktuellen Sachstand.
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Am Dienstag standen die Interessierten im Gelände, um die Trassenführung erklärt zu bekommen, im Stadtrat wurde der theoretische Teil dazu vorgestellt.  Foto: Michael Busch
Am Dienstag standen die Interessierten im Gelände, um die Trassenführung erklärt zu bekommen, im Stadtrat wurde der theoretische Teil dazu vorgestellt. Foto: Michael Busch

Michael Busch Es waren ernste Gesichter, die zu Beginn der Stadtratssitzung in Richtung Bürgermeister German Hacker schauten. Das lag weniger an der umfangreichen Tagesordnung, denn vielmehr daran, dass das Stadtoberhaupt seine Gedanken zu dem rechtsextremistischen Anschlag in der hessischen Stadt Hanau äußerte.

"Es hängt bei uns, wie auch im Rest der Republik, Trauerflor", eröffnete er die Sitzung. Er wolle, bevor es zur Tagesordnung gehe, im Namen des Stadtrates die Trauer Herzogenaurachs zum Ausdruck bringen. Die Räte und die Stadt sind mit den Gedanken bei den Freunden und Angehörigen der Getöteten. "Wir bringen aber auch zum Ausdruck, dass Rassismus in dieser Stadt keinen Platz hat."

Wiederkehrende Argumente

Auch wenn zu diesem Punkt applaudiert wurde, ging es dann in der Sitzung weiter. Zunächst mit dem Bericht des technischen Leiters des Zweckverbandes Stadtumlandbahn, Florian Gräf, der zum Abschluss des Raumordnungsverfahrens sowie dem aktuellen Sachstand über die aktuellen Entwicklungen und die nächsten Schritte informierte. Unter dem Strich wurden nochmals die Infos gegeben, die vor drei Wochen in Erlangen publiziert wurden und auch durch den Fränkischen Tag bereits ausführlich vorgestellt wurden.

Wer allerdings davon ausging, dass damit dieser Tagungsordnungspunkt schnell abgehandelt worden wäre, irrt. Retta Müller-Schimmel fasste dies am Ende der Diskussion, nach gut über einer Stunde mit den Worten zusammen: "Ich bin es leid immer und immer wieder dieselben Argumente kommen." Immer wieder werde die Aurachtalbahn ins Gespräch gebracht, immer wieder die vermeintlich zu lange Dauer der Umsetzung. "Ich finde, es ist ein Privileg, dass wir in diesen Prozess eingebunden werden", unterstrich die Grüne.

Doch sie stand mit dieser Äußerung am Ende eines längeren Austauschs, der geprägt war von Skepsis und Zweifeln. Stefan Wirth (CSU) startete mit der Ansage, dass er "die Euphorie der letzten Tage nicht teilen kann". Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens sei zu erwarten gewesen, letztlich sei die letzten zwölf Jahre unter Bürgermeister German Hacker nicht viel bewegt worden. Konrad Körner warnte davor, dass man "nicht in diesen Tunnel gerät, bei dem wir alles durchwinken, frei nach dem Motto, koste es, was es wolle". Er verwies auf den SPD-Oberbürgermeister Nürnbergs, Ulrich Maly, der mit der Kostennennung von 500 Millionen Euro vielleicht als erster mal eine realistische Einschätzung gegeben habe.

In der Sache kritisierte Körner, dass die Verschwenkung vor Haundorf nicht optimal sei, "eine geradlinige Streckenführung wäre gut". Zuvor hatte Gräf zur gestellten Anfrage der CSU in Bezug auf Haundorf zu den Untersuchungen und der Trassenführung erläutert, dass die dortigen Baugrundstückuntersuchungen vorwiegend auf Grundstücken vollzogen werden, die im Besitz der Stadt sind.

Die Vorzugstrasse in Haundorf soll in Richtung Süden von Erlangen herkommend einschwenken. Ziel war es, möglichst wenige Bahnübergänge schaffen zu müssen. In der gewählten Variante gibt es lediglich einen Übergang. Weiterhin werde über einen Park- und Ride-Parkplatz auf Höhe der Autobahn nachgedacht.

Ein Punkt, der Siegbert Sendner (SPD) beschäftigte. "Wie sieht es mit Parkplätzen aus für die Pendler?" Es könne nicht sein, dass Herzogenaurach zum Parkplatz für diejenigen werde, die weiter nach Erlangen oder Nürnberg wollen. Hacker erklärte, dass diese Sorge wohl unbegründet sei, denn "es werden durch Pendler in der Regel Plätze angefahren, die ein Umsteigen entsprechend einfach machen".

Optimismus gefordert

Zur Autobahn fügte er hinzu, nachdem Christian Polster seine Skepsis gegenüber dem zu erwartenden großen Flächenverbrauch beim Bau eines Parkplatzes geäußert hatte: "Das ist ein anderes Vorhaben. Der Parkplatz soll in das geschlossene System Autobahn implementiert werden." Eine Einmaligkeit in Deutschland, ergänzte Gräf. Es gehe um die Pendler, die dann direkt von der Autobahn in die Stub umsteigen könnten.

Weitere Themen waren der besser gewordene Kosten-Nutzen-Faktor trotz einer Kostensteigerung im Gesamten (Manfred Welker/FW); die Trassenführung durch die Rathgeberstraße und eine gewünschte Simulation unter anderem in der Straße zum Flughafen und der Hans-Maier-Straße (Konrad Körner und Kurt Zollhöfer, beide CSU).

Optimistischer zeigten sich die Vertreter der SPD. Renate Schroff sagte unumwunden: "Ich bin überrascht, dass die Ergebnisse nach dem Raumordnungsverfahren so gut sind." Natürlich gebe es noch Dinge, die in den weiteren Planungen zu berücksichtigen seien. Bernhard Wilfer brachte es auf den Punkt mit der Kritik an Willy Brandt ("Den ich durchaus verehre!") -, der gesagt habe, dass Menschen mit Visionen zum Arzt sollen. "Das sehe ich nicht so und ich habe drei Visionen", sagte er. Die erste Vision sei diejenige, die bereits umgesetzt werde: der Bau der Stub. Die zweite Vision sei, dass es in den Köpfen der Menschen klarwerde, dass der öffentliche Verkehr, dass die Stub, einem Individualverkehr immer vorzuziehen sei. "Erst dann merken die Leute, dass sich das Umsteigen lohnt." Und die dritte Version sei, dass andere Kommunen den Vorteil der Stub erkennen, um mit einer Erweiterung diese Kommunen ebenfalls an das Netz anzuschließen.

Hacker beendete die Diskussion mit den Wünschen, dass die Diskutanten skepsisgerecht sein sollten. "Der Maßstab, der an die Stub angelegt wird, sollte bitte auch an das eigenbevorzugte Modell - wie zum Beispiel die Aurachtalbahn - angelegt werden." Insgesamt wünsche er sich mehr Optimismus bei einem Projekt, das letztlich der Region guttun werde. "Immerhin bringt diese auch Arbeitsplätze in die Region", ergänzte er. Geldtechnisch verwies er auf die Münchner Diskussion um die dortige sogenannte zweite Stammstrecke. "Da wurde der angesetzte Betrag von 2000 Millionen Euro gerade mal auf 4000 Millionen verdoppelt - und es gab keine Diskussionen."

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