Burkardroth

Ein kommunaler Kämpfer geht

Nach zwei Wahlperioden scheidet Waldemar Bug (ödp) im Markt Burkardroth aus dem Bürgermeisteramt aus.
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Am 30. April hat der noch amtierende Bürgermeister des Marktes Burkardroth, Waldemar Bug (ödp), seinen letzten Diensttag. Die Kandidaten für seine Nachfolge sind Daniel Wehner (CSU) aus Gefäll und Frank Heckelmann (parteilos) aus Waldfenster.  Foto: Johannes Schlereth
Am 30. April hat der noch amtierende Bürgermeister des Marktes Burkardroth, Waldemar Bug (ödp), seinen letzten Diensttag. Die Kandidaten für seine Nachfolge sind Daniel Wehner (CSU) aus Gefäll und Frank Heckelmann (parteilos) aus Waldfenster. Foto: Johannes Schlereth

Johannes Schlereth Klare Aussagen, markige Sprüche und Hosenträger - Waldemar Bug (ödp), der Rathauschef des Marktes Burkardroth, fällt nicht in die Kategorie eines profillosen Politikers. Am 30. April sitzt er nach zwei Amtsperioden zum letzten Mal hinter dem Bürgermeisterschreibtisch im Rathaus. Zeit, um die bewegte Karriere des 65-Jährigen zu betrachten.

Zur Politik kam er über seinen ehemaligen Arbeitgeber. "Das war in etwa gegen Mitte der 80er Jahre, als ich bei der Bundeswehr am Standort Hammelburg gearbeitet habe", sagt der 65-Jährige. Dort schulte er Fahranfänger der Bundeswehr in Technik. "Dann hat mir der Schulkommandeur den Aspekt der Nachhaltigkeit in der Kaserne aufs Auge gedrückt." Die Mülltrennung am Standort war fortan sein Schwerpunkt. "Wir haben dann zum Beispiel verschiedene Behälter für Plastik, Biomüll und Metalle auf dem Areal aufgestellt." Bug war angefixt und engagierte sich ab 1990 für die CSU. 1996 wählten die Bürger ihn zum ersten Mal über die CSU-Liste in den Gemeinderat. Fünf Jahre später folgte das Zerwürfnis mit der Partei. "Das hatte verschiedene Gründe. Dazu haben interne Grabenkämpfe und die Tatsache, dass ich mich mit Aspekten des Programms nicht mehr identifizieren konnte, ihren Teil beigetragen", sagt Bug.

Die Kommunalwahl lag 2002 zeitlich ähnlich wie die bevorstehende Wahl. "Ich wollte wieder in den Gemeinderat. Aber ich kam wegen meines Austritts nicht mehr auf die CSU-Liste." Und das, obwohl laut Bug damals auch Nichtmitglieder auf dieser standen. "Das war der Zeitpunkt, als ich dachte: Eigentlich möchte ich nicht aufgeben." Auf der kommunalen Ebene fand Bug seinen Platz auf der Waldfensterer Liste. "Weil mich das Verhalten der CSU so geärgert hat, habe ich mich noch dazu entschlossen, für den Kreistag zu kandidieren." Die Partei dafür war die Ökologisch-Demokratische Partei. "Die Kontakte bestanden, und die ödp sagte mir thematisch zu." Die Partei habe sowohl konservative als auch zukunftsgewandte Punkte - etwa im Bereich der Energie.

Bugs Plan ging auf. Er war der politische Underdog im zu Großteilen CSU-dominierten Kreistag. Erfolg hat die ödp inzwischen nicht nur im Landkreis. Das zeigt sich am Volksbegehren Artenvielfalt, das von der ödp ausging. Ein "echter Bug-Spruch" dazu: "Mittlerweile sind wir die Biene im Hintern des bayerischen Löwen."

Die Entscheidung, als Bürgermeister zu kandidieren, fällte der 65-Jährige nach der Wahl im Jahr 2002. Die Ursache dafür hat ihre Wurzeln in Südamerika. 1992 tagten die Vereinten Nationen in Rio de Janeiro. 172 Länder beschlossen dort eine politische Leitlinie für das 21. Jahrhundert. Im Fokus stand vor allem die nachhaltige Entwicklung. "Damals wurde mir klar, dass wir etwas tun müssen, wenn wir die Erde nicht übernutzen wollen." In der zweiten Hälfte der 90er Jahre kamen diese Themen dann auf der kommunalen Ebene an. "In Arbeitskreisen haben wir uns damit auseinandergesetzt. Dabei ging es um Radwege, Energieversorgung und zum Beispiel das Bauen", erinnert sich Bug. Mitglieder waren beispielsweise die Gemeinderäte. "Wir waren vier bis fünf Jahre richtig aktiv." Die erarbeiteten Projekte wurden jedoch nie umgesetzt, die Arbeitskreise aufgelöst. "Mein Gedanke war damals, dass ich als Gemeinderat nicht weiterkomme. Bugs Gedanke: "Wenn ich im Markt Burkardroth etwas in der Richtung erreichen will, dann als Bürgermeister."

Bug als Wahlsieger

Bei der folgenden Kommunalwahl im März 2008 setzte Bug sich schließlich gegen den Konkurrenten Emil Müller (CSU) durch. Seitdem führt er den Markt Burkardroth - und das durchaus mit Erfolg. "Die Gewerbegebiete sind größtenteils voll bebaut", nennt er ein Beispiel. Das Unschöne daran: Bereits zwei Firmen hätten sich mangels geeigneter Flächen im Markt an anderen Standorten angesiedelt. Ein weiterer typischer "Bug-Spruch": "Großindustrie kriegen wir hier nicht her." Er hofft daher auf die prosperierenden mittelständischen Unternehmen. Sein Ratschlag an seinen Nachfolger: "Es ist wichtig, etwas zur Verfügung zu haben, wenn eine Firma anklopft." Finanziell steht der Markt ebenfalls gut da: Seit 2013 hat die Kommune keine Schulden.

Eine Hürde, vor der Bug stand, war der demografische Wandel und der Wegzug vieler junger Menschen für das Studium und das folgende Berufsleben. Anfang der 90er Jahre hatten etwa 8000 Einwohnern ihren Hauptwohnsitz im Markt. Mittlerweile sind es noch rund 7500 Menschen. Das entspricht einem Rückgang von 6,25 Prozent. Das Landesamt für Statistik geht in der Bevölkerungsvorausrechnung davon aus, dass die Kommune im Jahr 2037 noch 7000 Einwohner hat. "Viele kehren nicht zurück, einfach weil die passende Tätigkeit vor Ort fehlt", sagt er. Aber auch der Alterswegzug in die umliegenden Städte stelle Politiker auf die Probe. Zwar gibt es ein Pflegeheim im Ort, aber das sei nicht genug. "Da muss mehr kommen, so dass die Leute hier ihren Lebensabend verbringen", meint er.

Ein Problem im Markt Burkardroth sind auch die Wasserleitungen. In manchen Orten sickern durchschnittlich bis zu 25 Prozent des Wassers durchschnittlich in die Erde. "Das sind feine Löcher - da haut uns das Wasser ab", bringt Bug es kernig auf den Punkt. Das Netz baute der Markt in den 90er Jahren aus. "Damals hatte man gehofft, dass die PVC-Leitungen länger halten." Möglicherweise könnte unsachgemäßer Einbau an den Schäden schuld sein. Der Markt werde sich der Sache annehmen müssen. Beim Stralsbacher Kanal arbeite man derzeit an einer Lösung.

Gerne hätte Bug noch zwei Projekte in seiner Amtszeit fertiggestellt. "Das wäre einmal die Kulturscheune in Burkardroth gewesen. Leider hat das wegen der guten Konjunktur nicht geklappt. Ich bin aber guter Dinge, dass das Projekt Realität wird." Beim Premicher Dorfladen liegt der Ball derzeit bei der Projektgruppe. Für Bug ist es wichtig, das Leben im Ort zu halten. Dazu trägt auch das Revitalisierungs-Konzept der Allianz Kissinger Bogen teil. Allein im Markt Burkardroth haben sich über 60 Bauherren bereits dazu entschieden, einen Altbestand nach eigenem Gusto herzurichten. "Die permanente Ausweitung mit Neubaugebieten bringt nichts, wenn Leute wegziehen und die Altorte leer stehen", meint der 65-Jährige.

Gelungen sei ebenfalls das Allianz-Projekt "Grüngitter" zugunsten der Insektenvielfalt. "Mittlerweile läuft das auf Kreisebene", teilt Bug mit. "Die Politik ist definitiv grüner geworden." Heute sei es selbstverständlich, dass bei Neubauten über regenerative Energie nachgedacht wird. "Das war früher nicht denkbar. Da hat es geheißen: Photovoltaik auf dem Dach? Was soll der Schmarrn?", nennt der Burkardrother ein Beispiel.

Dennoch scheinen das Umweltbewusstsein und der Nachhaltigkeitsaspekt Grenzen zu haben. Bug bekam das in der Diskussion um den Nationalpark zu spüren, den er befürwortete. Sein öffentliches Engagement führte zu Kritik von Bürgern am Rathauschef. Bug forderte damals unter anderem in den sozialen Netzwerken den Dialog mit dem markigen Spruch: "Es gilt die alte Funkerregel: Denken-Drücken-Sprechen." Sein Wunsch nach mehr Sachlichkeit verhallte. Für ihn war die Debatte um den Nationalpark der "erste Punkt der Karriere, an dem ich mal resigniert habe". Der Befürworter sagt: "Mit Kritik muss man leben, aber wenn Politiker auf einer Demonstration am Galgen hängen, geht das zu weit." Es sei eine nervenzehrende Zeit gewesen. Nichtsdestotrotz war Bug nimmermüde, um die Bürger stets aufs Neue mit Ökologie zu konfrontieren. Das zeigte sich beispielsweise an seinen Bürgerversammlungen. Keine der Präsentationen in den vergangenen Jahren lief ohne einen Exkurs in das Themenfeld. Auf grasgrünen Powerpoint-Folien gab er Impulse zur Zukunft der Menschheit. Dabei verhaftete Bug nie nur in der großen Weltpolitik mit Charakteren wie Greta Thunberg oder Klimaforschern, sondern spannte stets den Bogen zum Markt Burkardroth mit Wasserknappheit und Dürre - ein Al Gore der Rhön.

Ruhiger soll es für den 65-Jährigen nach der kommenden Wahl werden. Reichen die Wählerstimmen, steht nur noch der Kreistag auf Bugs Tagesordnung. Als die Burkardrother Bug 2008 mit knappem Vorsprung ins Bürgermeisteramt wählten, äußerte er sich gegenüber dieser Redaktion zum Wahlsieg: "Ich bin erst mal fertig". Seitdem sind 12 Jahre vergangen. Bug: "Jetzt bin ich wirklich fertig. Zumindest was die Kommunalpolitik angeht." Die gewonnene Zeit will er mit der Familie und seinen Hobbys, der Gärtnerei und dem Radfahren verbringen.

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