Rennesberg

Ein kleines Stück vom Paradies

Die Heimatregion hat viele Gesichter, die von Einheimischen und Urlaubern immer wieder neu entdeckt werden wollen.
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Im Landschaftsschutzgebiet "Hohen Wart" grüßt dieses wunderschöne Frankenwald-Marterla bei Rennesberg den Wanderer auf dem Frankenweg. Die fränkische Bildstocklandschaft mit ihrer reichen Geschichte wird verehrt und geliebt, denn sie verkörpert den Geist und den Glauben unseres Frankenvolkes. Foto: Alexander Grahl
Im Landschaftsschutzgebiet "Hohen Wart" grüßt dieses wunderschöne Frankenwald-Marterla bei Rennesberg den Wanderer auf dem Frankenweg. Die fränkische Bildstocklandschaft mit ihrer reichen Geschichte wird verehrt und geliebt, denn sie verkörpert den Geist und den Glauben unseres Frankenvolkes. Foto: Alexander Grahl

Kronach —  Der Frankenwald, das Land zwischen dem Thüringer Schiefergebirge, dem Fichtelgebirge und dem Obermainischen Bruchschollenland hat viele Gesichter: Endlose Wälder und verschwiegene Täler, geschichtsträchtige Burgen und geheimnisumwitterte Burgruinen, unerforschte Mysterien und Phänomene. Vielbesungene Wallfahrts- und Wanderwege führen zu äußerer und innerer Glückseligkeit.

Vor Jahrtausenden, als der Mensch als Jäger und Sammler durch Europa zog, war der Wald die elementare Lebensgrundlage. Seine Tiere, Pflanzen und Früchte ernährten die Menschen. Mit seinem Holz schürten sie das Feuer und bauten die ersten Hütten. Der Wald, das ist eine Wirklichkeit, die bis heute eng mit unserem Dasein verknüpft ist. Zu einem Sinnbild für die bedrohte Natur ist er uns geworden. Der Wald, das ist aber auch ein Mythos, der tief in unserem Innern wurzelt. Sagen und Märchen erzählen von seinen Geheimnissen.

Seien wir uns all dessen bewusst, wenn wir die Weiten des Frankenwaldes durchstreifen, aus dem dunklen Tann in den lichten, sonnendurchfluteten Laubwald, hinweg über lang gezogene Höhenrücken von herber Schönheit, durch anmutige Wiesentäler mit murmelnden Bächen, duftenden Kräutern und der verborgenen "blauen Blume" an wundersamen Orten.

Dreitausend Jahre Geschichte enthüllen der "Helm von Thonberg", ein Meisterstück frühge-schichtlicher Handwerkskunst und die nahe gelegenen Ruinen der Heunischenburg zwischen Gehülz und Burgstall. Die Wallanlage aus der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur zählt zu

den ältesten Befestigungsanlagen Europas nördlich der Alpen. Bereits im 9. Jahrhundert vor Christus schufen unbekannte Krieger dieses Bollwerk. Zeitreisen in ferne Kulturkreise führen zum Kreuzstein am "Hohen Weg" zwischen Burggrub und Haig, zum Mysterium der "Zwölf Apostel" bei Langenbach, an die 800 Jahre alte "Eibe vom Breitengrund" und über die "Bamberger Brücke" am Eingang zum waldumsäumten Thiemitztal. Sie bildete einst die Grenze zwischen dem Hochstift Bamberg und der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth.

Jahrhunderte lang stand der Frankenwald unter der Herrschaft der Markgrafen und der Bamberger Fürstbischöfe. Die Herrschenden aber saßen weit entfernt von ihren Untertanen, die auf kargem Boden in einem rauhen Klima mit Blut, Schweiß und Tränen ihre eigene Ge-schichte schrieben. Sie lebten nicht zu Füßen glänzender Residenzen, sondern in windge-schützten Quellmulden und tief eingeschnittenen Tälern des stürmischen Nordwaldes. Mit unbändigem Fleiß und eiserner Widerstandskraft führten sie dort einen erbitterten Überle-benskampf.

Die Plassenburg in Kulmbach und die Festung Rosenberg in Kronach sind seit dem Hochmit-telalter eindrucksvolle Bastionen am südlichen Tor zum Frankenwald. Über der Nordgrenze Frankens wacht die Mantelburg in Lauenstein. Das Kleinod sagenumwobener Ritterherrlich-keit war einst im Besitz der Grafen von Orlamünde. Aus der Tiefe von Zeit und Raum dringt der Galopp des Viergespanns, das Halali der Jagdhörner und Minnegesang aus dem Rittersaal.

In seinen ganz natürlichen Bann zieht der viel besungene fränkisch-thüringische Rennsteig. Wildromantisch und verträumt führt der 168 Kilometer lange Höhenwanderweg durch den Naturpark Frankenwald, über das Thüringer Schiefergebirge und den Thüringer Wald. Der ehemalige Handelsweg ist Wasserscheide zwischen Rhein und Elbe, sprachliche und kulturelle Grenze zwischen Franken und Thüringen.

Aus dem "Sonnenwinkel" des Frankenwaldes grüßt Bad Steben seine Kurgäste. Belebendes Radon, natürliche Kohlensäure und echtes Naturmoor bilden die ideale Basis für einen wohl-tuenden Wellness- und Erholungsaufenthalt. Die Anwendungen versprechen Besserung bei Gelenk- und Rückenschmerzen und helfen bei Herz- und Kreislauferkrankungen. Die magnesiumhaltige Wiesenquelle, die radonhaltige Tempelquelle und die kalziumhaltige Max-Marienquelle im stillen Tal der Langenau sprudeln als "Jungbrunnen" für irdische Glückse-ligkeit.

Himmlischen Beistand gewährt die "Regina coeli", die Himmelskönigin, im Schatten der Basilika Marienweiher. Voll Vertrauen und Hoffnung pilgern ungezählte Wallfahrer aus nah und fern mit ihren Sorgen und Nöten, aber auch aus Freude und Dankbarkeit, zur Mutter der Barmherzigkeit und Herzogin vom Frankenland: "O himmlische Frau Königin, du aller Welten Herrscherin. Du willst uns allen Mutter sein. Wer dir vertraut ist nie allein. Wir geben dir in deine Hand die Heimat, unser Frankenland".

Der Frankenwald, ein kleines Stück vom Paradies, wird zum Refugium für Körper, Geist und Seele. Der Wald, Wiege der Ahnen und Symbol für Heimat, lädt ein zum Exkurs, der alle Sinne beflügelt. Genießen wir das Spiel von Licht und Schatten, die nuancenreichen Farben im Wandel der Jahreszeiten und die mannigfaltigen Düfte der Natur. Unser traumhaftes Land will immer wieder neu entdeckt und bewundert werden.

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