Bamberg

Ein Jahr Bolivien: Johanns Aufbruch in eine unbekannte Welt

Marion Krüger-Hundrup So kurz vor dem Abflug ab Frankfurt via Chile nach Bolivien steigt bei Johanna Lieberth natürlich die Spannung. Die 18-jährige Bamberg...
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Johanna Lieberth lässt auch ihren Kater Timmy zurück, wenn sie für ein Jahr nach Bolivien geht.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Johanna Lieberth lässt auch ihren Kater Timmy zurück, wenn sie für ein Jahr nach Bolivien geht. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Marion Krüger-Hundrup

So kurz vor dem Abflug ab Frankfurt via Chile nach Bolivien steigt bei Johanna Lieberth natürlich die Spannung. Die 18-jährige Bambergerin sagt selbst, sie wisse nicht genau, was sie im fernen Lateinamerika erwartet. Doch die junge Frau gehört gewiss nicht zu den ängstlichen Naturen. Sonst würde sie nicht freiwillig für ein langes Jahr Abschied von ihren Eltern und Freunden nehmen.
Johanna Lieberth zieht es eben "weltwärts". So heißt auch der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, an dem seit Beginn des Programms 2008 schon über 26 000 junge Menschen teilgenommen haben. Dieser Dienst soll das Engagement für die "Eine Welt" nachhaltig fördern und den Partnerprojekten im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zugutekommen. Daneben gibt das Programm die Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln sowie Sprachkenntnisse und persönliche Kompetenzen zu erwerben.


Liebe zu Lateinamerika

Unmittelbare Entsendeorganisation ist in Johannas Fall der Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). "Ich war viele Jahre Ministrantin und einige Zeit im Bamberger BDKJ-Dekanatsvorstand", erklärt sie ihren Draht zu diesem kirchlichen Dachverband. Und außerdem hat wohl ihr Vater Hubertus, ein Pastoralreferent, ihr eine Liebe zu Lateinamerika in die Wiege gelegt: Er war während seines Theologiestudiums in Peru.
Schon früh ist in Johanna der Wunsch gereift, für ein Jahr ins Ausland zu gehen: "für Menschen", sagt sie schlicht. Als sie im vergangenen Jahr ihr Abitur am Kaiser-Heinrich-Gymnasium abgelegt hatte, war sie mit 17 Jahren noch zu jung für das Projekt "weltwärts", das erst ab 18 greift. Johanna überbrückte die Wartezeit mit Praktika beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und in einem Würzburger Krankenhaus als Pflegekraft. Ferner schnupperte sie in Bambergs senegalesischem Partnerbistum Thiès und beim Weltjugendtag im polnischen Krakau bereits den Duft der großen weiten Welt.
Auf Bolivien hat sich Johanna durch einen Sprachkurs in Spanien sowie durch Vorbereitungswochen und ein länderspezifisches Seminar des BDKJ vorbereitet. Sie wird in der Pfarrgemeinde "Cruz Gloriosa" in Cochabamba eingesetzt, und zwar in der Hausaufgabenbetreuung von Schülern aus ärmeren Familien, die nachmittags ins Pfarrzentrum kommen. Zudem soll Johanna in einem Beratungsprogramm für Mütter mithelfen und Kindern mit Freizeitangeboten zur Seite stehen.


Was nicht fehlen darf

Johanna freut sich, dass sie sich mit zwei weiteren Mitstreiterinnen, die vom Bodensee stammen und sich beim BDKJ Bamberg für "weltwärts" beworben hatten, in Cochabamba austauschen kann. Und dass sie in ihrem vorübergehenden Domizil im Haus eines Gemeindemitglieds von "Cruz Gloriosa" WLAN und eine Waschmaschine vorfinden wird.
Was darf auf keinen Fall in ihren zwei Koffern à 23 Kilogramm, die sie mitnehmen kann, fehlen? Johanna überlegt nicht lang: "Familienfotos müssen mit und mein E-Book-Reader." Damit habe sie Zugriff auf die Bücherfülle der Bamberger Stadtbücherei und kann sich online Lesestoff ausleihen. Und was wird sie besonders vermissen? "Meinen Kater Timmy und fränkisches Essen!", lacht sie und herzt ausgiebig das schnurrende Tier.
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