Herzogenaurach

Ein ideales Käfer-Wetter

Die Youngtimer prägten das Bild beim Treffen antiker Fahrzeuge im Weihersbach. Am stärksten vertreten war der Klassiker von VW mit Modellen auch aus den 50er Jahren. Der "Dr. VW" kennt sie alle.
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Stolze Käfer-Besitzer (von links): David Mc Gouirk, Heinrich Kraus und Heribert Spieß. Die drei Modelle sind Baujahr 1954 und 1956.  Fotos: Bernhard Panzer
Stolze Käfer-Besitzer (von links): David Mc Gouirk, Heinrich Kraus und Heribert Spieß. Die drei Modelle sind Baujahr 1954 und 1956. Fotos: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer Zum vierten Mal hatten die Oldtimerfreunde zum Frühschoppen in den Weihersbach geladen und wieder waren es annähernd 90 Fahrzeuge, die ausgestellt wurden. Ein paar hundert interessierte Bürger nutzten die Gelegenheit, sich die Schmuckstücke auf zwei, drei und vier Rädern zu betrachten und am Ansbacher-Tor-Keller bei Essen und Trinken Erfahrungen auszutauschen.

Die Uralt-Karossen waren diesmal allerdings in der Garage geblieben, es zeigten sich mehr die Youngtimer der 70er und 80er Jahre, aber auch ein paar Edelsteine aus den 50ern und 60ern. Vor allem brachte der sonnige Tag wohl das ideale Käfer-Wetter, denn ein Dutzend dieser Klassiker war angerollt. Darunter auch zwei Exemplare von 1954 und der 56-er VW Käfer von Organisator Heribert Spieß.

Auch Heinrich Kraus aus Erlangen-Bruck war mit einem Käfer gekommen, Baujahr 1954, und noch mit Orginal-Lack respektive schmucken Rostflecken versehen. Spieß nennt den Gast nur "Dr. VW", weil Kraus alles repariert, was irgendwie luftgekühlt ist und/oder einen Boxermotor hat. "Der macht in seinem Leben nichts anders als VW Käfer", schmunzelt Spieß und der "Doktor" mag da nicht mal widersprechen: "Ich hab mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt er. Inzwischen hat er eine Werkstatt in Langenzenn aufgebaut. In der Region gibt es wohl keinen Besitzer von Oldtimern und speziell Käfern oder Porsches, der ihn nicht kennt oder schon mal Rat und Tat gesucht hat beim "Dr. VW".

Baujahr 1954

So wie David Mc Gouirk. Der Hirschaider, der mehrere antike Fahrzeuge hat, war diesmal ebenfalls mit einem VW Käfer angerollt. Ebenfalls Baujahr 1954. Als der Amerikaner ihn kaufte, hat Heinrich Kraus geholfen. "Er wollte unbedingt auch einen 54er, weil er da geboren ist", berichtet Kraus. Und beide erzählen dann gemeinsam, wie sie zu der Liebe zu besonderen Autos gekommen sind. Schon im zarten Alter von sieben Jahren habe er seinen ersten Brezel-Käfer gefahren, schmunzelt Heinrich. Das war das Auto von der Oma und er durfte ihn im Garten immer mal ein paar Meter vor und zurück bewegen. Und David? "Ich hab mit zwölf mein erstes Auto gefahren", sagt er. Es war ein 55er Pontiac. Er sei damals sogar mal auf die Straße damit abgehauen.

Von seinem 54er Käfer hat der "Dr. VW" noch den Originalbrief. Erster Besitzer sei ein Finanzamt gewesen. Bis 1963, dann war das Auto wohl steuerlich abgeschrieben. Dann fuhr ihn eine Studienrätin, was Kraus heute noch wundert. Sie musste den Käfer wohl geliebt haben, denn welche Frau mag schon ein unscheinbares graues Auto mit schwer gängiger Gangschaltung und einer Heizung, die nur im Sommer geht? 1981 hat er das Auto dann gekauft, damals für 500 Mark.

Stichwort Nachhaltigkeit

Im Übrigen verteidigt Kraus die Oldtimer, auch aus ökologischer Betrachtung. Heutzutage spreche jeder von Nachhaltigkeit und rechnet den Schadstoffgehalt bis auf die fünfte Stelle nach dem Komma aus und dann werden Autos gefahren, die gerade mal zehn Jahre halten. Über die Energie, die bei der Herstellung nötig ist, spreche aber niemand. Dabei könnte man viel Energie und CO2 sparen, wenn man die Nutzungsdauer verlängerte.

Beim Oldtimer-Frühschoppen zeigte sich, dass es eine Menge Fans von älteren Fahrzeugen gibt. Viele Interessierte schauten sich die Modelle ganz genau an, so wie der Herzogenauracher Thomas Rattmann. Er findet es gut, dass manche Autos in der Familie weitergegeben und gepflegt werden, und nicht gleich weggeworfen. Außerdem sehe man, wenn man die Youngtimer so anschaut, wie die Zeit vergeht, sagt der Mittvierziger. Mit Opel Kadett oder VW Golf ist er groß geworden, jetzt sind das schon Raritäten.

Auch beim Frühschoppen verging die Zeit wie im Flug, und nach und nach tuckerten die Automobile am Nachmittag dann wieder zurück in die heimische Garage.

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