Maroldsweisach
Lesermeinung

Ein Hoch auf das Ehrenamt

Zu dem Bericht "Gesetz lehrt Vereine das Fürchten" vom 25. Mai 2018 erreichte uns folgende Lesermeinung: Aus der Politik hört man immer wieder, wie wichtig das Ehrenamt in den Vereinen sei. Man mache ...
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Zu dem Bericht "Gesetz lehrt Vereine das Fürchten" vom 25. Mai 2018 erreichte uns folgende Lesermeinung: Aus der Politik hört man immer wieder, wie wichtig das Ehrenamt in den Vereinen sei. Man mache hier Sozialarbeit zum Nulltarif, würde einen unbezahlbaren Beitrag für alle leisten, und das müsse unterstützt werden. Dann: "Gesetz lehrt Vereine das Fürchten". So stand es Ende Mai im FT über die damals in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung. Wenn man diesen Bericht gelesen hat, kann man sich als Verantwortlicher nur noch wundern, was damit den Vereinen einmal mehr zugemutet wird. Datenschutz muss sein, aber nicht so maßlos überzogen! Wenn ein Laie - und das sind diesbezüglich alle in einer Vereinsführung - in diesem unübersichtlichen Metier einen Fehler macht, werden hohe Geldstrafen angedroht und die Vorsitzenden mit ihrem Privatvermögen dafür haftbar gemacht! In Österreich werden Vereine mit einer bestimmten Größe von der DSGVO ausgenommen. Warum geht das bei uns nicht? Noch ein Beispiel: Wir (der Sportclub Maroldsweisach) hatten im Mai 2014 eine Betriebsprüfung über Sozialabgaben, nach deren Beendigung wir etwa 2700 Euro nachzahlen sollten.

Man hatte uns unterstellt, zwei Personen beschäftigt und für diese keine Beiträge entrichtet zu haben, was aber zu keinem Zeitpunkt der Fall war. Zunächst versuchten wir, dies mit einer Erklärung der beiden zu widerlegen, dass sie eigenwirtschaftlich tätig sind. Das wurde nicht anerkannt. Dann haben wir ein mit Stempel und Unterschrift der Gemeinde Maroldsweisach versehenes Schriftstück vorgelegt, dass die beiden auf eigene Rechnung arbeiten. Selbst das wurde nicht akzeptiert: Eine Behörde spricht der anderen Behörde die Glaubwürdigkeit ab! Abgeschlossen wurde der Fall nach circa 20 Monaten, einem circa 150-seitigen Schriftverkehr und mit dem Ergebnis, dass wir für vier Jahre 11,86 Euro nachbezahlen mussten, 133,43 Euro an Kostenerstattung bekommen haben und der RV Bund Kosten von geschätzt 5000 Euro entstanden sind, für die der Steuerzahler aufkommen muss! Und wenn sich dann noch herausstellt, dass die im Außendienst prüfende Mitarbeiterin in einer Nachbargemeinde wohnt und die Sache mit einem Gespräch im Rathaus hätte klären können, dies aber nicht durfte, dann klingt das schon gar nicht mehr glaubhaft! Und was hört man zu solchen Themen von unseren Politikern: Nichts! Da gab es nicht ein Wort über und erst recht nicht gegen diese Datenschutzgrundverordnung, eventuell aus dem Grund, weil es seitens der Bundesregierung ein Leichtes gewesen wäre, diese Datenschutzmaßnahmen kräftig zu "entschärfen", dies aber nicht gemacht wurde, so die Aussage bei einer Aufklärungsversammlung für Sportvereine. Man hat nichts getan, um die Vereinsarbeit nicht noch weiter zu erschweren. Die Funktionäre sind fast alle berufstätig und opfern ihre knappe Freizeit für die Allgemeinheit. Wenn das die Unterstützung des Ehrenamtes sein soll, kann man nur sarkastisch sagen: "Ein Hoch auf das Ehrenamt und dessen Unterstützung durch Politik, Staat und Behörden." Helmut Beck

96136 Maroldsweisach



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