Bamberg

Ein Hirte, der in keine Schubladen passt

Joggen, twittern und den Menschen etwas für die Seele geben: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wird am Sonntag 70.
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Erzbischof Ludwig Schick, so wie ihn Olivia sieht Foto: Pressestelle Erzbistum Bamberg/Hendrik Steffens
Erzbischof Ludwig Schick, so wie ihn Olivia sieht Foto: Pressestelle Erzbistum Bamberg/Hendrik Steffens

"Frühsport, Morgengebet, Gottesdienst, gute Begegnungen und Gespräche." So sieht für Ludwig Schick der perfekte Tag aus. Den 22. September, seinen 70. Geburtstag, würde der Bamberger Erzbischof am liebsten auch ohne jedes Aufheben verbringen. Anstelle eines großen Festakts gibt es ein Konzert im Bamberger Dom.

Ludwig Schick passt in keine Schubladen, wenn es um die Fragen nach liberal oder konservativ geht, heißt es in dem vom Erzbistum übermittelten Porträt des Oberhirten. Als Theologieprofessor und Kirchenrechtler verteidige er die katholische Lehre, auch wenn es unpopulär oder unbequem sei, und lehne beliebige Anpassungen an den Zeitgeist ab. Zugleich schlage Schick Lockerungen beim Zölibat vor, indem er anregt, mehr von der Dispens-Möglichkeit Gebrauch zu machen. Dass die Kirche sich immer reformieren muss, stehe für ihn außer Frage. Und dass der Heilige Geist zu Veränderungen führen kann, die heute noch niemand für möglich hält, davon sei er auch überzeugt.

Mit seinem Einsatz gegen Extremisten, Populisten und religiöse Fanatiker hat Schick sich viele Feinde im rechten Lager gemacht. 2014 sagte er, dass Christen sich nicht an fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen beteiligen sollten. 2016 sagte er beiläufig in einem Interview, dass laut Grundgesetz auch ein Moslem Bundespräsident werden könnte. Die Erwähnung dieser juristischen Selbstverständlichkeit führte zu üblen Beschimpfungen bis zu Todesdrohungen aus der rechten Szene, Polizei und Staatsschutz wurden aktiv.

Im vergleichsweise "hohen Alter" entdeckte Schick seine Leidenschaft für die sozialen Medien. Noch vor Papst Benedikt XVI. war er 2012 der erste katholische deutsche Bischof auf Twitter. Längst bedient er auch seine Facebookseite mit Tablet und Smartphone selbst und nutzt die Social-Media-Kanäle, um seine Botschaften zu verbreiten und mit Menschen in Kontakt zu sein. Er ist überzeugt: "Jesus würde heute twittern." Und auf die Frage, was er am liebsten erfunden hätte, antwortete er kürzlich in einem Fragebogen des Bamberger "Stadt-Echo": "Twitter".

Leidenschaftlicher Tänzer

Im gleichen Fragebogen verriet er auch, dass er vor dem Eintritt ins Priesterseminar ein leidenschaftlicher Tänzer war, dass sein miesester Auftritt seine Abi-Rede war, er vom Kuchenbacken überhaupt nichts versteht und er seit der Entscheidung für den Zölibat nicht mehr geflirtet hat. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er vor der Entscheidung für das Priestertum eine Freundin hatte und dass er ursprünglich Arzt werden wollte. "Aber im Nachdenken und durch Gespräche mit klugen Menschen wurde mir immer deutlicher: Du solltest etwas für das geistig-geistliche Leben der Menschen tun; ihnen für die Seele etwas geben, dass sie gut leben können", sagte er dem "Heinrichsblatt". Dabei sei ihm das Evangelium als die Quelle der Weisheit für ein gutes Leben immer deutlicher aufgegangen.

Seit 2002 in Bamberg

Seine philosophisch-theologischen Studien absolvierte Schick in Fulda und Würzburg. 1975 wurde er in Fulda zum Priester geweiht und war dann Kaplan in Neuhof (Kreis Fulda). Fünf Jahre später promovierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Von 1981 an lehrte Schick in Fulda und in Marburg Kirchenrecht, von 1985 bis 2002 war er Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda. 1987 wurde Schick ins Domkapitel von Fulda berufen, drei Jahre später folgte die Ernennung zum stellvertretenden Generalvikar. Bischof Johannes Dyba ernannte Schick 1995 zum Generalvikar des Bistums Fulda. Es folgte 1998 die Ernennung zum Weihbischof von Fulda durch Papst Johannes Paul II. 2002 wurde er zum Erzbischof von Bamberg ernannt.

Sein Wunsch für die Zukunft ist es, "dass die Weltgesellschaft vom Geist des Evangeliums geleitet wird und sich die Zivilisation der Liebe überall verbreitet". Und für sich selbst wünscht er sich, versöhnt mit allen Menschen zu sterben. Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Das hat aber noch Zeit, das Sterben." Dass er erst kürzlich zum 24. Mal das Goldene Sportabzeichen ablegte und jeden Morgen um 5 Uhr zum Joggen geht, zeigt, dass er sich auch mit 70 Jahren noch bester Gesundheit erfreut. Erst mit 75 Jahren müssen Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten.

An seinem Geburtstag am Sonntag werden um 17 Uhr im Dom die Domkantorei, Vokalsolisten und Musiker der Bamberger Symphoniker ein geistliches Konzert aufführen. Es erklingen Werke von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Im Anschluss ist im Domkreuzgang Gelegenheit, dem Erzbischof persönlich zu gratulieren. red

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