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lauf.inFranken.de  Die Laufer Mühle kämpft um die Anerkennung der Arbeitsleistungen ehemals Suchtkranker.

Ein Hilferuf an die Bezirkspolitiker

Zu einer Fachdiskussion über die Anerkennung der Arbeitsleistungen von ehemals suchtkranken Menschen, die erfolgreich ihren Weg aus der Abhängigkeit geschafft haben und die nun wiederum Betroffenen he...
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Über die Anerkennung der Arbeitsleistungen ehemals Suchtkranker haben in der Laufer Mühle Betroffene mit Politikern diskutiert. Foto: LM
Über die Anerkennung der Arbeitsleistungen ehemals Suchtkranker haben in der Laufer Mühle Betroffene mit Politikern diskutiert. Foto: LM

Zu einer Fachdiskussion über die Anerkennung der Arbeitsleistungen von ehemals suchtkranken Menschen, die erfolgreich ihren Weg aus der Abhängigkeit geschafft haben und die nun wiederum Betroffenen helfen, diese Krankheit zu überwinden, haben unlängst 15 Mitarbeiter der Laufer Mühle die Bezirksräte Ute Salzner (CSU) und Gisela Niclas (SPD) sowie Martin Oberle von den Freien Wählern und Manfred Bachmayer von den Grünen eingeladen.

"Ehemals Betroffene leisten im Therapiealltag wertvolle Arbeit und gelten denjenigen Menschen als Vorbild, die noch in der Alkohol- und Drogensucht verfangen sind", erklärte Michael Thiem, der seit über 30 Jahren in der Suchthilfe tätig ist und seitdem um die gesellschaftspolitische Anerkennung der Leistungen dieser Personen kämpft, den geladenen Politikern. "Diese Menschen sind in keinem Berufsverband vertreten und haben keine Lobby, deswegen werden sie auch von Politik und Behörden nicht angehört", so Thiem. "Wir leisten keine Hilfsarbeiten, sondern hochwertige Motivations- , Beziehungs- und Betreuungsarbeit und fordern endlich die fachliche Anerkennung unseres beruflichen Engagements", führte Jürgen Stöhr aus, der vor über zehn Jahren seine Heilbehandlung erfolgreich abgeschlossen hat und seit dieser Zeit als fester Mitarbeiter im Sozialunternehmen Laufer Mühle tätig ist.

Der Ausstieg ist möglich

"Durch unsere eigene Lebensgeschichte und durch die Tatsache, dass wir unsere Krankheit besiegt haben, sind wir lebende Beispiele für Betroffene, dass der Ausstieg aus der Sucht und eben auch aus der Sozialhilfe möglich ist", warf Kessy Chynava ein, die durch ihre Alkoholabhängigkeit beinahe alles verloren hatte und seit ihrer erfolgreichen Therapie wieder voll im Berufsleben steht und gesellschaftlich bestens integriert ist.

Bevor aber diejenigen Menschen, die ihre Krankheit erfolgreich bekämpft haben, in der Laufer Mühle eine Festanstellung erhalten, durchlaufen sie Fortbildungsmaßnahmen der Industrie- und Handelskammer Mittelfrankens (IHK), die vom Freundeskreis der Laufer Mühle finanziert werden. Durch diese Bildungsmaßnahmen erhalten die Teilnehmer umfangreiche Kenntnisse und Wissen aus den Themenkomplexen Pädagogik, Sozialrecht, Psychologie, Medizin etc., die für die Betreuung süchtiger Menschen wichtig sind.

Neben der Selbstbetroffenheit sollen die Teilnehmer auch über das nötige Fachwissen verfügen. "Die Aufgaben unseres Fördervereins sind, Voraussetzungen zu schaffen, damit suchtkranke Menschen sich wieder sozial und beruflich integrieren", erklärte der Vorsitzende, Reinhard Lugschi, der die anwesenden Politiker eindringlich aufforderte, "die wertvolle Arbeit dieser Menschen doch endlich aufzuwerten und deren qualitative Tätigkeiten als Fachleistungen anzuerkennen".

Die vier Politiker waren sich nach dem intensiven Fachaustausch einig, dass im Bezirk Mittelfranken ein Modellprojekt zur Anerkennung der Arbeitsleistungen dieser Menschen aus der Taufe gehoben werden soll, und sagten ihre aktive Unterstützung parteiübergreifend zu. Ende des Jahres, nachdem sich der neue Bezirksrat konstituiert hat, soll über die Parteigrenzen hinaus eine solche Eingabe auf den Weg gebracht werden, stimmen die Anwesenden zu.

Für die umfangreichen Leistungen, die die "Ehemaligen" in der täglichen Arbeit über die vielen Jahre für andere suchtkranke Menschen erbracht haben, bedankten sich stellvertretend für den mittelfränkischen Bezirk die politischen Vertreter Ute Salzner und Gisela Niclas. Durch die Arbeit der Betroffenen hätten schließlich Menschen nicht nur den Weg aus der Sucht gefunden, sondern hätten auch die Sozialkassen entlastet, da sie nun wieder fest in einem Arbeitsverhältnis stehen. Dass dieses Arbeitsverhältnis aber mehr als eine Hilfstätigkeit ist, dafür wollen Volksvertreter und Betroffene in Zukunft gemeinsam kämpfen. red

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