Münnerstadt

Ein Hilferuf an die Augustiner

Auch für die Faschingssession 2019 muss die Kolpingsfamilie wieder auf Herbergssuche gehen. Die Alte Aula ist als Veranstaltungsort nicht mehr nutzbar, was sehr bedauert wird. Für den Elferrat wäre das Jugendhaus eine Alternative.
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Im Februar tanzten die Garden der Münnerstädter Kolpingsfamilie noch in der Alten Aula. 2019 geht das nun endgültig nicht mehr. Die Stuckdecke (im Bild oben) ist alt und zudem schadhaft, um Tanzaufführungen zu genehmigen. Foto: Archiv/Dieter Britz
Im Februar tanzten die Garden der Münnerstädter Kolpingsfamilie noch in der Alten Aula. 2019 geht das nun endgültig nicht mehr. Die Stuckdecke (im Bild oben) ist alt und zudem schadhaft, um Tanzaufführungen zu genehmigen. Foto: Archiv/Dieter Britz
Der Elferrat der Kolpingsfamilie muss wieder um ein geeignetes Domizil für seine Faschingssitzungen im Jahr 2019 bangen. Die Alte Aula steht für die Faschingsveranstaltungen nun endgültig nicht mehr zur Verfügung. "Maßlos enttäuscht" sind die Elferräte über diese Entscheidung, so die Auskunft vom Kolpingvorsitzenden Albert Laudensack und dem Elferrat Wilhelm Schmitt. Denn in diesem Jahr liefen die beiden Faschingssitzungen noch in diesem Saal.
Seit Spätwinter dieses Jahres gibt es jedoch einen neuen Nutzungsvertrag zwischen dem Eigentümer, der Carl von Heß'schen Stiftung und der Stadt Münnerstadt. Die Stadt ist Pächter und kann die Räumlichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen untervermieten. Nach Auskunft von Marco Schäfer, dem Geschäftsführer der Stiftung, sind alle solche Veranstaltungen dort nicht möglich, die zu einer Schädigung der historischen Stuckdecke führen könnten. Das betrifft seiner Auskunft nach Tanzveranstaltungen oder Konzerte mit verstärkter Musik (Rockkonzerte beispielsweise). Und auch eine Faschingssitzung mit Gardetanz gehört für Marco Schäfer in diese Kategorie. Denn der Stiftungsrat hat in seinen Vorgaben zur Nutzung der Alten Aula auch Tanzaufführungen untersagt.


Risse im Stuck

"Die Stuckdecke hat schon schwere Risse", erklärt Marco Schäfer. Für Gardetanz sei der Saal deshalb ebenfalls nicht geeignet. Schäfer versteht nicht, dass diese Diskussion alljährlich wieder auflebt. Es gehe hier um den Schutz alten Kulturguts. Sowohl Schäfer als auch der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung, Martin Pfeuffer, sprechen von einer Verantwortung gegenüber dem historischen Erbe.
Die Carl von Heß'sche Stiftung hat nach Angaben von Martin Pfeuffer sogar ein weiteres Gutachten zur Stuckdecke in Auftrag gegeben. Auch dieses kommt zum Ergebnis, dass die Stuckdecke nur noch eine eingeschränkte Nutzung verträgt. "Wir haben nichts gegen die Kolpingsfamilie ", unterstreicht Pfeuffer, dessen Tochter selbst in der Garde mitgetanzt hatte. Es gehe nur um die Stuckdecke, die er als "Kleinod" bezeichnet. Würde die Stadt dennoch einer Untervermietung zustimmen, trage sie bei eventuellen Schäden die volle Haftung, so Schäfer.
Wilhelm Schmitt tut sich trotzdem schwer mit der Absage der Stadt bzw. der Heß'schen Stiftung. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg,", sagt er. Ist kein Wille da, werde ein Grund gesucht. Den liefere jetzt das zweite Gutachten. Das sorge aber dafür, dass die Alte Aula in Zukunft eigentlich "für nichts mehr zu benutzen ist", stellt er fest.
Im Sinne von Albert Laudensack, dem Vorsitzenden der Kolpingsfamilie , ist es auf jeden Fall nicht, dass die Durchführung der Faschingssitzung im dritten Jahr in Folge zur Zitterpartie wird. Ihn ärgert es vor allem wegen der Kinder und Jugendlichen, die monatelang auf die Auftritte hin trainieren. Derzeit sind es 42 Mädchen und junge Frauen.
Monika Petsch ist seit vielen Jahren Trainerin der Garden und kann nicht verstehen, weshalb ausgerechnet die Tänze der Mädchen die Decke schädigen sollten. Sie bedauert es, zumal es auch die Probenarbeit beeinträchtigt. Die Garden seien bereits wieder am Trainieren. Eigentlich müssten langsam die Kostüme für die nächste Session geordert oder genäht werden. "Aber alles läuft mit angezogener Handbremse", sagt Monika Petsch.


Für gutes Verhältnis

Bürgermeister Helmut Blank sieht die Stadt an den Vertrag gebunden. Das habe man der Kolpingsfamilie mitgeteilt. Ihm ist ein gutes Verhältnis mit der Carl von Heß'schen Stiftung wichtig, weil diese in Münnerstadt umfassend investiert habe. Blank verweist darauf, dass mittlerweile Hochzeitsfeierlichkeiten und Geburtstagsfeiern bzw. Partys jeglicher Art in der Halle verboten sind. Die vor vielen Jahren durch die Stadt getätigte hohe Investition in die Aula hält er trotz der Nutzungs- Einschränkungen für gerechtfertigt.
Wie schon in den Vorjahren sind die Turnhallen der Stadt für den Elferrat der Kolpingsfamilie keine Alternative. "Unser Hilferuf geht an die Augustiner", sagt Wilhelm Schmitt. Er und Albert Laudensack hoffen, dass das Jugendhaus 2019 zur Verfügung stehen wird. Das steht leer und gehört den Augustinern. Dort waren bis zur Schließung des Hauses über viele Jahre die Sitzungen. Deshalb hat die Kolpingsfamilie auch noch vieles an passender Ausstattung.
Vom Gefühl her glaubt P. Markus Reis, dass der Saal des Jugendhauses zu den Konditionen gemietet werden kann, die bereits für die Sitzungen gegolten haben, als die Kolpingsfamilie letztmalig sich im leeren Gebäude eingemietet hatte. Allerdings kann er nicht für die Provinzleitung sprechen. Und die Kolpingsfamilie müsse einen Antrag stellen. Aber selbst wenn die Kolpingsfamilie die Erlaubnis bekommen wird, bleibt sicherlich ein Unsicherheitsfaktor, und zwar dann, wenn der Gebäudekomplex kurzfristig veräußert werden kann.Denn er steht seit langem zum Kauf.
Bürgermeister Helmut Blank macht den Elferräten dennoch das Angebot, die Mehrzweckhalle 2019 für ihre Sitzungen zu nutzen. Im kommenden Jahr sei das noch möglich. Während der dann folgenden Sanierungsphase in der Halle müsse eine andere Lösung gefunden werden.


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