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Stadtsteinach

Ein Herz für Polka, Walzer und Marsch

Die Schorgasttaler Blasmusik begeisterte bei ihrem "Böhmischen Abend" in der Steinachtalhalle mit Blasmusik vom Feinsten.
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Wie der Vater, so der Sohn. Tizian und Rainer Streit bei ihrem Solo-Part "Max und Moritz". Fotos: T. Braunersreuther
Wie der Vater, so der Sohn. Tizian und Rainer Streit bei ihrem Solo-Part "Max und Moritz". Fotos: T. Braunersreuther
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tobias braunersreuther

Die Tradition der böhmischen Blasmusik lebt nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch bei uns. Ein Beispiel dafür ist die Schorgasttaler Blasmusik, die sich seit Jahrzehnten dieser Musikrichtung verschrieben hat. Die Kapelle des Musikvereins Ludwigschorgast, in diesem Genre einer der herausragenden Klangkörper in der Region, präsentierte den Zuhörern in der nahezu vollbesetzten Steinachtalhalle ein tolles Klangerlebnis.
Der "Böhmische Abend" ist schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern seit mittlerweile neun Jahren ein kulturelles Highlight. Der Mann mit dem Taktstock, Rainer Streit, hat in all den Jahren mit seiner ausgeprägten musikalischen Kompetenz ein Orchester von hohem Format geformt. Doch bei aller Genauigkeit, mit der der Profi seine Vorstellungen bei seinen Musikanten einfordert, überspannt er nie den Bogen. Den Erfolg sieht der sympathische Dirigent in der Gemeinschaftsarbeit.
Stellvertretender Vorsitzender Jürgen Friedrich hatte nicht zu viel versprochen: "Sie hören heute Blasmusik vom Feinsten." Großartig, wie das hochmotivierte 34-köpfige Ensemble mit seiner Leidenschaft zu Polka, Walzer und Marsch das Publikum in eine herrliche Klangwelt entführte. Es war eine Hommage an Ernst Mosch, ihm gehörten Dreiviertel der gesamten drei Stunden.
Schön zu hören der unverkennbare swingende Sound in den Anfangstiteln. Schwierige und schnelle Läufe enthielt die "Synkopen-Polka", die alle Register mit rhythmischer Raffinesse und feiner Dynamik exzellent meisterten. In einem Solostück "Max und Moritz", ein Arrangement von Guido Henn, erzählten Rainer Streit (Bariton) und Sohn Tizian (Tenorhorn) die Lausbubengeschichte auf musikalische Art. Ob er aufgeregt ist, zum ersten Mal vor so einer Kulisse aufzutreten? "A wenig scho", sagte der 13-Jährige. Ein Debüt, das ihm glänzend gelungen ist. In dem Jungen steckt noch viel Potenzial.
Als Putzfrauen agierten Torsten Koch und Tristan Rupprecht, die einen aufgehängten Teppich im Takt der Teppichklopfer-Polka ausklopften.
Mit blasmusikalischem Karacho startete der zweite Teil. Der Kapelle gelang es hervorragend, die Begriffe des Titels "Mit Herz und Schwung" in galoppierender Intensität zu transportieren. Begeisternd immer wieder die fließenden Übergänge in schmissiger Dominanz. Zurücklehnen, lauschen und träumen war bei den bekannten Melodien "Mondschein an der Eger", "Sterne der Heimat" und "Ich bin verliebt in deine schönen Augen" angesagt.
Der Tuba-Solopart des Moritz Pöhlmann beim "Kellermeister" avancierte zum absoluten Höhepunkt. Selbstbewusst, in einer Hand sein mächtiges Instrument, trat der 17-jährige, hochgewachsene Bursche vor die Bühne. Nach kurzer Einleitungskadenz, ganz ohne Noten, legte er begleitet vom Orchester los und entlockte seiner Tuba faszinierende Töne. Am Ende des Stückes griff der Solist noch in die Showkiste. Als ob er außer
Puste sei, setzte er mehrmals sein Instrument ab, atmete durch und fiel immer tiefer und tiefer im Ton. Zwischenzeitlich entleerte er den letzten Tropfen Kondenswasser aus dem Hauptstimmzug. Tosender Beifall brandete auf. Eine Zugabe war unvermeidlich.
Insgesamt brillierte die Schorgasttaler Blasmusik mit filigranem Spiel auf hohem technischen Niveau. Die wunderschönen Gesangseinlagen und witzigen Moderationen von Claudia Goller, Jürgen Friedrich, Armin Helbig und Rainer Streit verliehen dem Konzert zudem eine besondere Note.
Am Ende sagte der Zuhörer Siegfried Zuleg aus Grafengehaig: "Ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Ich freue mich schon wieder auf das Osterkonzert."

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