Forchheim

Ein Helfernetz für die letzten Stunden

von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner Forchheim — SAPV - eine neue Abkürzung. Die vier Buchstaben stehen für "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung". Die Einrichtung, di...
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von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Forchheim — SAPV - eine neue Abkürzung. Die vier Buchstaben stehen für "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung". Die Einrichtung, die seit Juni 2013 von der Sozialstiftung Bamberg in Ebermannstadt unterhalten wird, trägt ein nicht unbedeutendes Stück dazu bei, dass lebensbedrohlich Erkrankte die Fürsorge erhalten, die sie in ihrer letzten Lebensphase brauchen. "Mir gefällt das Wort palliare; es bedeutet einen Mantel herumbreiten", beschrieb Waltraud Zistler, die Koordinatorin des Hospizvereins für den Landkreis Forchheim, den verbindenden Kern zwischen den Krankenhäusern und den ambulanten Diensten.
In einer Podiumsdiskussion stellten die Mediziner Ariane Beierlein (Klinikum Forchheim), Rudolf Koob (Klinik Fränkische Schweiz) und Karl-Heinz Kläver (SAPV) die Angebote ihrer Einrichtungen für sterbende Menschen vor. Gastgeber der Veranstaltung in der Gereonskapelle war der Hospizverein für den Landkreis Forchheim. Ausgangspunkt des Abends war für den Vorsitzenden des Hospizvereins, Dieter Belohlavek, die Diskussion im Bundestag zur Sterbehilfe und eine Initiative zum Ausbau der Palliativmedizin und der Hospize durch den früheren Minister Alois Glück (CSU).
Beide Krankenhäuser im Landkreis unterhalten einen palliativmedizinischen Dienst mit Fachärzten und besonders ausgebildeten Pflegekräften. Selbständige Palliativstationen gibt es noch nicht. Das liegt an dem geltenden Schlüssel für Bayern von 35 Palliativbetten auf eine Million Menschen. "Im Gespräch sind nun vier Betten auf 60 000 Bewohner", wies Belohlavek auf neue Entwicklungen hin.
Die Klinik in Ebermannstadt betreut im Schnitt pro Jahr 50 bis 60 Palliativpatienten. Koob, der seit 30 Jahren als Internist dort arbeitet, hat einen Sinneswandel in der Bevölkerung und auch bei den Ärzten erlebt. Manche Hausärzte, so Ursula Greiner vom Kreisärzteverband, scheuten sich bis vor kurzem Betäubungsmittelrezepte auszustellen. Mangels spezifischer Ausbildung.
Obwohl das geltende Abrechnungssystem "für tolle Diagnosen und tolle Leistungen" (Koob) zahlt und das bei den austherapierten Palliativpatienten nicht der Fall sein kann, ist deren stationäre Versorgung abgesichert. Dank einer Komplexpauschale. Allerdings gilt sie nur vom siebten bis zum 21. Tag in der Klinik.

Bislang 43 Patienten in Forchheim

Seit Anfang dieses Jahres hat auch das Klinikum Forchheim einen palliativmedizinischen Dienst, der wie der in Ebermannstadt mit zwei Palliativmedizinern ausgestattet ist. Hinzukommt noch Elisabeth Dewald als onkologische Ernährungsberaterin. "Wir haben bisher 43 Patienten betreut; 20 von ihnen konnten wir wieder in häusliche Pflege entlassen", zog Beierlein Bilanz.
"Wenn die im Krankenhaus sagen, sie könnten nichts mehr tun, gerade dann geht es los", sagt Kläver, der stellvertretende ärztliche Teamleiter der SAPV. Er sieht sich als Koordinator aller Dienste. "Ein Helfernetz aus allen - von Arzt bis Fahrdienst." Auch die Apotheker gehörten dazu. Das wichtigste für die Betroffenen ist die 24-Stunden-Bereitschaft des SAPV-Teams. "Das kann ein Hausarzt einfach nicht leisten", nimmt Kläver die niedergelassenen Ärzte in Schutz. Dokumentation von Verordnungen und deren schneller Austausch unter den Beteiligten ist der eine Schwerpunkt, der andere ist Zeit haben, zuhören können, macht Kläver klar. Er arbeitet mit einem Zeitkontingent von vier Hausbesuche pro Tag. "Diese Zeit hat kein normaler Praxisbetreiber", betont er.
Kläver setzt darauf, dass sein motiviertes Team das Netz der Palliativversorgung engmaschiger macht. In Bayern gibt es derzeit 30 solcher Teams für Erwachsene und sechs spezielle für Kinder.


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