Kulmbach

Ein Haus für die Gründer des DGB

16 Symbole zeigen die Geschichte der Gewerkschaften.
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Das Kulmbacher Gewerkschaftshaus in einer Aufnahme aus den 60er Jahren. Das Haus ist heute in Privatbesitz. Das DGB-Schild ist längst Vergangenheit, die 16 Mosaike an der Fassade bestehen noch.  Foto: privat
Das Kulmbacher Gewerkschaftshaus in einer Aufnahme aus den 60er Jahren. Das Haus ist heute in Privatbesitz. Das DGB-Schild ist längst Vergangenheit, die 16 Mosaike an der Fassade bestehen noch. Foto: privat
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Viele Kulmbacher kennen das Gebäude Pestalozzistraße 17 noch unter der Bezeichnung "Gewerkschaftshaus". Hier war viele Jahre lang die Anlaufstelle für die Gewerkschaftsmitglieder im DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) in Kulmbach.

Zuvor gehörte das Grundstück zur Brauerei Peetz und dem Brauereidirektor Wilhelm Müller. Im Jahre 1961 erwarb die Vermögensverwaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes von der Allgemeinen Ortskrankenkasse Kulmbach-Thurnau das Gebäude und führte zahlreiche Umbauarbeiten durch, unter anderem auch eine Neugestaltung der Fassade.

Zur Stadtseite hin wurden die 16 Gründungsgewerkschaften des DGB als Mosaik-Symbole angebracht. Noch heute künden diese von der großen Vergangenheit der Gewerkschaften in Kulmbach.

Die Buchstaben "DGB" an der Nord-Ost-Ecke des Gebäudes sind lange schon verschwunden, die Mosaike sind glücklicherweise erhalten geblieben. Aber auch für langjährige Gewerkschaftsmitglieder ist es nicht einfach, die noch vorhandenen Symbole der richtigen Gewerkschaft zuzuordnen, zumal sich deren Anzahl durch diverse Fusionen auf 8 reduziert hat. Gut, dass es Karola Eichner gibt, die "gute Seele" des DGB in Kulmbach, die man fragen kann. In der heutigen Ausgabe erklären wir mit ihrer Hilfe die linke Reihe von oben nach unten.

Industriegewerkschaft Bau-Steine- Erden

Schon ab 1868 gab es in der Bauindustrie starke Verbände. Die IG Bau-Steine-Erden entstand 1949 aus dem Zusammenschluss von 7 Landesbaugewerkschaften. 1996 erfolgte die Fusion mit der Gewerkschaft Gartenbau, Land und Forstwirtschaft zur IG Bauen- Agrar-Umwelt.

IG Metall

Sie ist die weltweit größte organisierte Arbeitnehmervertretung mit Sitz in Frankfurt. Der Metallarbeiter-Verband entstand bereits 1891. Nach dem Krieg, 1949, wurde die Gewerkschaft neu gegründet. In ihr gingen später die Gewerkschaften Holz und Kunststoff (1998) sowie Textil-Bekleidung auf (2000).

Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft

Die GGLF wurde 1909 als Verband der Land-, Wald- und Weinbergs-Arbeiter gegründet. 1946 entstanden Landesgewerkschaften in den Westzonen, deren Vereinigung 1949 erfolgte. Strukturänderungen in der Landwirtschaft brachten erhebliche Probleme, so dass sich die GGLF 1996 der IG Bau-Steine-Erden anschloss.

Deutsche Postgewerkschaft

Die Ursprünge gewerkschaftlicher Organisation im Bereich des Post- und Fernmeldewesens reichen bis in das Jahr 1890 zurück. Zu dieser Zeit wurde der "Verband Deutscher Postassistenten" gegründet. Dieser und weitere Postverbände wurden 1933 unter den Nazis verboten.1949 wiedergegründet, war in dieser Gewerkschaft immer ein sehr hoher Anteil der Post-Beschäftigten organisiert.

IG Bergbau-Energie

Die Vorgängerorganisation, der Fabrikarbeiterverband, war eine sozialdemokratisch orientierte deutsche Gewerkschaft, die während der Zeit des deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik bestand. Dieser Verband war die Vorläuferorganisation der 1946 gegründeten IG Bergbau- Energie. Diese fusionierte 1997 mit der IG Chemie, Papier, Keramik und der Gewerkschaft Leder zur IG Bergbau, Chemie, Energie.

Textil Bekleidung

Die Gewerkschaft entstand 1949. Die beiden von der GTB betreuten Branchen, Textil- und Bekleidungsindustrie, erlebten in den 1950er Jahren ein stürmisches Wachstum. Die Verlagerung der Fertigung ins Ausland führte dazu, dass die Beschäftigtenzahl stark zurückging. Da man als eigenständige Gewerkschaft keine Zukunft hatte, erfolgte eine Integration der Textil- und Bekleidungsbranchen in die IG Metall.

IG Druck und Papier

Die Industriegewerkschaft Druck und Papier wurde 1948 in München gegründet. Ab 1951 gehörte die Fachgruppe der Journalisten, welche dann ab 1960 den Namen Deutsche Journalisten-Union trug, dazu und ab 1973 der Verband deutscher Schriftsteller (VS). Im April 1989 - also noch vor der deutschen Wiedervereinigung - schloss sich die IG Druck und Papier mit der Gewerkschaft Kunst zur neuen IG Medien - Druck und Papier, Publizistik und Kunst zusammen. Diese wiederum ging 2001 in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf. Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV)

Die Geschichte reicht zurück bis zum Zentralverein der Gärtner im Jahr 1889. Nach der Zerschlagung des "Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs" durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933, kam es 1945, nach Beendigung des 2. Weltkrieges, zur Gründung von Gewerkschaften in den drei Westzonen, besetzt von Amerikanern, Briten und Franzosen. 1949 erfolgte der Zusammenschluss und man bestimmte Stuttgart zum Verwaltungssitz. 2001 fusionierte die ÖTV mit DAG, IG Medien, DPG, HBV, zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

In der nächsten Woche widmen sich die Entdeckertouren den übrigen acht Mosaiken.



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