Kulmbach

Ein glückliches und interessantes Leben

Die Stadtmedaillenträgerin Gertrud Türk verriet an ihrem Hundertsten ihr Rezept fürs Altwerden: "Anständig sein."
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Gertrud Türk mit OB Henry Schramm und Urenkelin Elena (vorne) sowie (von links) Sohn Heinrich Türk, stellvertretenden Landrat Dieter Schaar, Enkel Hannes Wegener und Heimleiterin Renate Seuß Foto: Dieter Hübner
Gertrud Türk mit OB Henry Schramm und Urenkelin Elena (vorne) sowie (von links) Sohn Heinrich Türk, stellvertretenden Landrat Dieter Schaar, Enkel Hannes Wegener und Heimleiterin Renate Seuß Foto: Dieter Hübner

In geistiger Frische feierte Frau Gertrud Türk im Kreis ihrer Familie ihren 100. Geburtstag. Für die Stadt Kulmbach gratulierte Oberbürgermeister Henry Schramm. Er überbrachte der Trägerin der Stadtmedaille gleichzeitig die Glückwünsche, eine Ehrenmedaille und eine Urkunde des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Stellvertretender Landrat Dieter Schaar sowie viele Freunde und Bekannte reihten sich neben der Familie mit Sohn Heinrich, Tochter Sabine, Enkel Hannes und den Urenkeln Elena und Ben in die Schar der Gratulanten ein. Ihr Rezept für die Erreichen dieses Gnadenalters klingt ebenso knapp wie einfach und könnte eigentlich von jedem beherzigt werden: "Anständig sein." Und jeder nimmt ihr das vorbehaltlos ab.

Ihr Mann starb 2010

"Ich habe mich mit meinem Mann, der 2010 verstorben ist, immer bestens verstanden und ein glückliches und interessantes Leben hinter mir", sagt sie an ihrem Ehrentag, als sie mit einem gelben Kostüm in einem Sessel im Wohnzimmer ihres Sohnes sitzt und an ihrem Sektglas nippt.

Geboren ist sie nahe Stettin im ehemaligen Pommern. Nach der Flucht 1945 fand sie in Kulmbach bei ihrer Schwester, die bereits vor dem Krieg hier war, ihre erste Anlaufstation. Als Chefsekretärin bei der Firma Sauermann tätig, lernte sie bald ihren Mann kennen, der am Hundsanger die 1926 gegründete Sackfabrik Türk besaß. 1950 heirateten die beiden. Tochter Sabine und Sohn Heinrich machten das Glück perfekt.

Überzeugte Pommerin

Auch nach ihrer Vertreibung blieb Türk eine überzeugte Pommerin. Sie führte viele Jahre die Ortsgruppe der pommerschen Landsmannschaft und war Vorstandsmitglied des Landesverbands. Sehr engagiert war sie auch im Fränkischen Frauenverband, einem Zusammenschluss von Frauen mittleren Alters, die sich kulturellen Themen widmeten. Sie organisierte Konzert- und Theaterfahrten und viele, auch weite Reisen.

Es gibt fast kein Land in Europa, das sie mit ihrem Mann und dem Frauenverband nicht besucht hat. An allem Schönen konnte und kann sie sich noch heute erfreuen. Den Frauenverband gibt es zwar nicht mehr, aber ein harter Kern von etwa zehn Frauen mit Elisabeth von Schlehdorn an der Spitze trifft sich immer noch einmal im Monat. Immer gut gekleidet, wurde Gertrud Türk aufgrund ihres ausgeglichenen Wesens, ihres Charmes, ihres damenhaften Auftretens und ihrer Persönlichkeit von allen geschätzt und geachtet. Da verwundert auch ihr Ausspruch - "Ich habe keine Feinde gehabt" - nicht sonderlich. Alle glauben ihr das sofort.

Von größeren Krankheiten blieb die Jubilarin verschont. Das Gehör funktioniert zwar nicht mehr so richtig, aber im Kopf ist sie noch erstaunlich fit und hat immer einen guten Spruch drauf. Ihre leichten Diabetes-Probleme kommentiert sie mit: "Das bisschen Zucker macht das Leben erst süß."

Umzug in die Brenkstraße

Bis Mitte Dezember vergangenen Jahres hat sich die Jubilarin in ihrem Haus am Hundsanger noch selbst versorgt. Am 12. Dezember 2018 ist sie in die Karl-Herold-Seniorenwohnanlage der Arbeiterwohlfahrt in der Johann-Brenk-Straße umgesiedelt.

Heimleiterin Renate Seuß staunt immer wieder voller Respekt: "Frau Türk hat gleich Bekanntschaften geschlossen und geht jeden Tag selbstständig zum Essen."

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