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Kulmbach

Ein Gespräch mit Jörg Schnitzler, dem heutigen Meister vom Stuhl

Weitgehend unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung existiert die Kulmbacher Loge "Friedrich zur Frankentreue" auch heute noch. Die Bayerische Rundschau sprach mit dem heutigen Meister vom Stuhl, Jö...
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Jörg Schnitzler Foto: Wolfgang Schoberth
Jörg Schnitzler Foto: Wolfgang Schoberth

Weitgehend unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung existiert die Kulmbacher Loge "Friedrich zur Frankentreue" auch heute noch. Die Bayerische Rundschau sprach mit dem heutigen Meister vom Stuhl, Jörg Schnitzler.

Bei ihrer Gründung vor 120 Jahren ist die Freimaurerloge öffentlich wahrgenommen worden, ihr Wirken war damals und auch danach spürbar. Warum weiß heute kaum jemand, dass es eine Kulmbacher Bruderschaft gibt?

Jörg Schnitzler: Es ist nicht unsere Absicht, offensiv in die Öffentlichkeit zu gehen und Mitglieder zu werben. Wir sind nicht an einer großen Anzahl Mitglieder - momentan sind es 30 - , sondern an Brüdern interessiert. Suchende können uns ohne Probleme finden und kontaktieren, wir haben eine eigene Internetpräsenz.

Vorurteile, die nicht nur in der NS-Zeit existierten, behaupteten, die Mitglieder eines elitären Zirkels sprechen ihre Geschäftsinteressen ab. Es gibt das böse Wort der "Geschäftsmaurerei".

Ja, wirklich böse und gemein. Jedem Aufzunehmenden wird feierlich mitgeteilt: "Wir warnen Sie ehrlich und freundschaftlich, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, die Ihnen keinerlei materielle Vorteile verheißen kann."

Arbeitet die Kulmbacher Bruderschaft heute selbstständig und unabhängig?

Die Logen arbeiten seit eh und je selbstständig und unabhängig, Unsere, wie auch viele andere Logen, sind nach dem Zweiten Weltkrieg in der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland organisiert.

Wo unterscheiden sich die Freimaurer heute eigentlich von anderen Gruppierungen wie zum Beispiel von den Rotariern oder dem Lions-Club?

Es handelt sich hier um einen völlig anderen Denkansatz. Der Freimaurer durchschreitet drei Grade, Lehrling, Geselle und Meister. Jeder dieser Grade hat ein spezifisches Motto als Leitlinie. Der Lehrling "Schau in Dich, erkenne Dich selbst", der Geselle "Schau um Dich" und der Meister "Schau über Dich". Es geht hier um die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Der karitative Aspekt läuft bei uns parallel und steht nicht ganz so im Fokus der Öffentlichkeit.

Die Loge ist heute noch für Frauen tabu. Wäre es nicht an der Zeit, dies zu verändern?

Dies ist so nicht richtig. Wir haben mehrere Veranstaltungen im Kalenderjahr, die mit Partnern beziehungsweise mit der ganzen Familie besucht werden können. Es gibt die klassische Maurerei, die den Männern vorbehalten ist, es existiert aber auch die feminine Freimaurerei, die stark im Kommen ist, aber auch die gemischte Freimaurerei. Die allerdings hat wenig Zulauf. Das Gespräch führte Wolfgang Schoberth.

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