Kloster Banz
frühlingskonzert

Ein gelungener Brückenschlag vom Barock in die Romantik

Der 1. Mai sollte dem Barock und der Romantik gehören. So kam es auch bei dem vom Lions Club Lichtenfels ausgerichteten Frühlingskonzert im Kaisersaal. Und wie stets wurde daraus eine dieser angenehme...
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Karlheinz Busch und Laurence Forstner-Beaufils begeisterten beim Frühlingskonzert. Fotos: Markus Häggberg
Karlheinz Busch und Laurence Forstner-Beaufils begeisterten beim Frühlingskonzert. Fotos: Markus Häggberg
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Der 1. Mai sollte dem Barock und der Romantik gehören. So kam es auch bei dem vom Lions Club Lichtenfels ausgerichteten Frühlingskonzert im Kaisersaal. Und wie stets wurde daraus eine dieser angenehmen Mischungen aus gesprochenem Wort und musikalischer Virtuosität. Infotainment eben.

Das Infotainment hat einen Namen: Karlheinz Busch. Wenn der Cellist des Bamberger Streichquartetts auf der Bühne steht, tut er das in der ihm eigenen Schnurre; tut er das auch mit gekonnter Gestik und bemerkenswerter Mimik.

Exemplarisch ausgewählt

"Glanz des Barock - Zauber der Romantik" titelte das Programm, zu dem Werke von Vivaldi, Händel, E.T.A Hoffmann oder Dvorak exemplarisch ausgewählt wurden. Aber so fröhlich die Stimmung, so wenig unbemerkt ließ Lions-Präsident Florian Schille das, was für ihn einen kleinen Schmerz darstellte. Der Raum war nur dreiviertel voll und nicht ganz, so wie sonst zu diesem Anlass.

Jedem Titel vorgeschaltet war die Einführung durch Busch, der das Anekdotische oder Tragische hinter dem Werk herauszuarbeiten wusste. Dabei gab der erfahrene und in der Welt der Klassik seit Jahrzehnten beheimatete Musiker gern zu, dass auch er nicht alles weiß oder wusste.

Zu einer Begegnung mit Juan Crisostomo de Arriga (1806-1826) kam es erst jüngst über den Radiofunk. Aber an dieser Stelle wurde den Zuhörern klar, welche Begeisterung der Mann für Recherchen aufbringen kann, wenn es um gute Musik geht. "Er wird der spanische Mozart genannt und das ist ... irgendwie berechtigt", so Busch mit erzählerischer Kunstpause zum Schicksal des Komponisten, der nur 20 Jahre alt werden sollte. Sein Quartett Nr. 3 Es-Dur ist in den Konzertsälen der Welt nur selten zu hören, am Mittwoch aber war daraus das Andantino zu bestaunen. Eine Melodie von tänzelnder Sorglosigkeit, umspielt von nachdenklichen Einsprengseln und ein Brückenschlag in die Romantik. Einmal mehr erwies sich das Quartett Raul Teo Arias (Violine), Milos Petrovic (Violine), Karlheinz Busch (Cello) und Branko Kabadaic (Viola) als Meister der Klangmalerei, des präzisen und leidenschaftlichen Ausformens von Tonsätzen.

Eine rhetorische Frage, durch Busch ins Publikum gesandt: Was ist der Unterschied zwischen Händel und Bach? Wer sich das je gefragt hatte, erhielt Antwort: Händel sei der " Meister der Effekte" und der "blendenden, sehr dekorativen Farbigkeit"; Bach hingegen biete eine "Unerklärbarkeit der Innerlichkeit". So etwa drückte es auch die Quelle Buschs aus, ein Musikjournalist, der zitiert wurde. Aber wie.

Busch flocht in diese Bemerkung noch liebenswert einen aus dem Blickwinkel der Musik stammenden Geschichtsunterricht ein, erklärte so beiläufig wie unaufdringlich den Sinn, der den Engländern im 18. Jahrhundert nach Italienischem stand, nach Stukkateuren, Malern und Komponisten. Händel schrieb darum italienische Opern und ihm zu Ehren kam es einem Konzert für Harfe und Streicher.

Faszination

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand dabei Laurence Forstner-Beaufils. Die Harfenistin gestaltete eben das Effektvolle aus, hatte weite Takte lang das Andante allegro allein zu bemeistern und faszinierte durch ihren Umgang mit Agogik, Lautstärke und Klangfarbe. Bei "La Source" von Alphonse Hasselmans (1845-1912) gehörte ihr die Bühne sogar ganz allein.

Wie immer, nachdem der große Beifall abebbte, kam es zu einem geselligen Beisammensein, bei dem das Quartett nach dem Umzug in andere Räume für die zu Tafelnden aufspielte. Einmal mehr dürfte das Frühlingskonzert in Erinnerung bleiben. Dass es vergleichsweise schwächer besucht war aber verblassen.

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