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Höchstadt a. d. Aisch

Ein geheimnisumwittertes Werk

Projektleiter Julian Steger erklärt, warum "Das Vokalprojekt" sich Mozarts Requiem erarbeitet hat.
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"Das Vokalprojekt" unter der Leitung von Julian Steger (vorne mit Krawatte) arbeitet heuer mit dem Orchester "M18" zusammen. Foto: privat
"Das Vokalprojekt" unter der Leitung von Julian Steger (vorne mit Krawatte) arbeitet heuer mit dem Orchester "M18" zusammen. Foto: privat

Am Samstag, 3. November, um 17 Uhr ist in der Kirche St. Georg Höchstadt eine ganz besondere Fassung des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Projektleiter Julian Steger erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung über den Chor, das Orchester und über dieses große Vorhaben.

Wie ist Ihr musikalischer Werdegang?

Julian Steger: Meine Wurzeln liegen in Franken: Ich bin 1989 in Forchheim geboren, erhielt schon früh Klavierunterricht und sang im Schulchor. Beim Windsbacher Knabenchor wurde dann der Grundstein für meine musikalische Laufbahn gelegt: Neben der gesanglichen Ausbildung mit Konzerten im In- und Ausland erhielten wir dort auch Unterricht in Musiktheorie, außerdem wurde ich am Klavier und an der Orgel ausgebildet. Dirigentische Ausbildung erfuhr ich dann nach meiner Schulzeit an der Kunstuniversität Graz und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Neben meiner musikalischen Ausbildung habe ich Mathematik und Informatik an der TU Berlin studiert.

Wie kam die Idee zu diesem doch recht großen Projekt mit Orchester?

Das Vokalprojekt, der Kammerchor selbst, wurde im Jahr 2013 gegründet. Die Sänger verbindet eine musikalische Ausbildung und die besondere Leidenschaft für Chormusik. Mehrmals im Jahr kommen wir mit rund 25 Mitgliedern des Chores zu Projektphasen zusammen, um in intensiver Probenarbeit ein Konzertprogramm zu erarbeiten und dieses dann in mehreren Konzerten darzubieten. Nach nun vielen erfolgreichen Chorprojekten wollten wir zu unserem fünfjährigen Bestehen ein größeres Projekt mit Orchester realisieren. Das Ziel, ein bekanntes Werk in neuem Gewand erklingen zu lassen, konnten wir mit dem geheimnisumwitterten Requiem von Mozart gut verwirklichen.

Nun ist das Mozart-Requiem doch relativ bekannt. Was hat sie dazu veranlasst, gerade dieses Werk aufzuführen?

Das Requiem ist von vielen, teils wohl übertriebenen Legenden umwoben. Mozart selbst konnte vor seinem Tod nur den ersten Satz vollenden, von allen anderen Teilen des Requiems existieren - wenn überhaupt - lediglich Skizzen.

Wir werden eine Fassung musizieren, die auf der Bearbeitung des Münchner Musikprofessors Franz Beyer basiert. Zudem war ursprünglich von Mozart eine Fuge nach dem "Lacrimosa", dem liturgischen Ende der "Sequenz" im Requiem, vorgesehen — Skizzen dieser Fuge wurden erst 1960 entdeckt. Daniel Grote, Musiktheoretiker an der Universität der Künste Berlin und Sänger im Chor, hat diese Skizzen stilgerecht - und meiner Meinung nach sehr kunstvoll - vervollständigt. Damit enden nun alle Abschnitte des Requiems mit einer Fuge, was das Werk auch architektonisch abrundet.

Wie kann man sich so ein Projekt vorstellen? Wie lange und wo wird geprobt, woher kommen die Musikerinnen und Musiker?

Da die Musiker aus ganz verschiedenen Teilen Bayerns und Deutschlands kommen, war und ist es immer wichtig, vor jedem neuen Projekt einen Ort zu finden, wo man ungestört arbeiten kann. Wir haben diesmal eine passende Pension im Fichtelgebirge gefunden, wo wir mit 60 Personen eine Woche proben und leben. Am Wochenende übe ich mit dem Chor, ab Montag ist dann auch das Orchester dabei.

An Allerheiligen - ganz passend für das Requiem - findet dann der Konzertauftakt in Schwabach statt. Am 3. November ein Konzert in meiner Heimat, diesmal in Höchstadt, zu machen, freut mich ganz besonders. Wir hatten schon sehr gute Erfahrungen mit Konzerten in Adelsdorf und Hallerndorf. Am Sonntag werden wir das Projekt dann in Weiden abschließen.

Wie kam denn die Zusammenarbeit mit dem Orchester "M18" zustande?

Wir wollten von Anfang an ein Orchester finden, das ähnlich strukturiert ist wie wir: eigenständig und unabhängig organisiert, auf einem sehr hohen Niveau musizierend und nicht zuletzt motiviert durch ihre Freude und Begeisterung an der Musik. Der Kontakt zu ,M18‘ hat sich dann unverhofft durch eine unserer Sängerinnen hergestellt und wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.

Das Orchester ,M18‘ geht aus dem Landesjugendorchester Bayern hervor und wird seit 2003 von den Mitgliedern ehrenamtlich organisiert, was es ermöglicht, eigenständig über Programmkonzepte, Dirigenten und Veranstaltungspartner zu entscheiden. Die Musiker kommen ebenfalls aus ganz Deutschland. Mittlerweile spielen viele von ihnen in großen Orchestern (Bayerische Staatsoper, NDR Sinfonieorchester, Beethovenorchester Bonn, Kammerakademie Potsdam, Deutsches Nationaltheater Weimar usw.). Mit ,M18‘ haben wir auch das richtige Orchester für ein außergewöhnliches Konzerterlebnis. Das Gespräch führte Johanna Blum.

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