Westheim bei Bad Kissingen

Ein Gartenhäuschen auf Reisen

Im Garten von Konstantin Papadopoulos in Westheim steht ein Gartenhaus, das da irgendwie nicht hinpasst. Nachforschungen fördern Überraschendes zutage.
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Das rund drei Meter mal drei Meter große Häuschen im Garten von Konstantin Papadopoulos in Westheim fällt ins Auge. Es hat eine interessante Geschichte, nicht nur, weil es möglicherweise 300 Jahre alt ist. Foto: Steffen Standke
Das rund drei Meter mal drei Meter große Häuschen im Garten von Konstantin Papadopoulos in Westheim fällt ins Auge. Es hat eine interessante Geschichte, nicht nur, weil es möglicherweise 300 Jahre alt ist. Foto: Steffen Standke

Steffen Standke Konstantin Papadopoulos hat neu gebaut an der Ecke Wiedenstraße/Lerchenweg in Westheim. Ein Quartier etwas abseits vom Altort, geprägt durch viele Eigenheime aus den letzten 40 Jahren. Da sticht das Häuschen heraus, das der Gastronom aus Garitz in seinem Garten stehen hat: quadratischer Grundriss, rot-weißes Fachwerk, Satteldach. Eine Spurensuche ergibt: In dem Gebäude steckt viel mehr drin, als man zunächst vermutet.

Vom Vorbesitzer geerbt

Das Gartenhäuschen wäre wohl nicht der Nachforschung wert, stünde da nicht Papadopoulos' Aussage: "Ich habe es vom Vorbesitzer des Grundstücks geerbt. Er hat mir gesagt, dass es 150 Jahre alt ist und er es vor 50 Jahren aus Hammelburg mitgebracht hat." Jahrhundertealte Häuser, die abgebaut, herumgefahren und woanders wieder aufgebaut werden? Klingt nach einem Fall fürs Freilandmuseum. Oder etwa nicht?

Der Vorbesitzer des Baugeländes heißt Siegfried Herterich. Der 86-Jährige wohnt noch in Sichtweite des Pavillons. Er bestätigt, ihn gemeinsam mit seinem Sohn Elmar nach Westheim geholt zu haben - und zwar von der Gärtnerei Helmut Goldstein, die in der Hammelburger Friedhofstraße residiert. "Das war aber vor 35, nicht vor 50 Jahren." Wie alt das Gebäude sei? Da müsse man den Sohn fragen. Der habe das Gartenhäuschen damals quasi als Hobby wiederaufgebaut und renoviert. Elmar Herterich arbeitet nicht weit entfernt in der eigenen Firma im Gewerbepark Saaletal II.

Zwei Jahre renoviert

Das Gartenhaus war mit 15 Jahren sein erstes Übungsobjekt, erzählt er. "Der Helmut Goldstein wollte es damals wegreißen, weil er mit seinen Gerätschaften immer drum herum fahren musste. Also haben wir die Teile nummeriert, das Häuschen abgebaut und in Westheim wieder aufgestellt." Mehr als zwei Jahre habe Herterich damals für die Renovierung gebraucht.

Das genaue Alter des Gartenhauses kennt auch der Westheimer nicht. Aber er ist sich sicher: Es stammt aus der Zeit um 1720, dürfte also rund 300 Jahre alt sein. "Das habe ich bei der Renovierung an den Profilen und dem Gebälk erkannt. Die sind typisch für diese Epoche." Elmar Herterich sollte es wissen. Hat er doch Schreiner und Zimmermann gelernt, später den Steinmetz und Steinbildhauer draufgesattelt. Außerdem sanierte er ab seinem 19. Lebensjahr ein altes Haus in der Westheimer Paulstraße.

An "seinem" Gartenhäuschen erneuerte Herterich nach einer alten Vorlage das Dach und setzte eine Kugel drauf. "Da muss auch mal ein Deckengemälde drin gewesen sein. Doch die Vertäfelung und das Gemälde wurden wohl schon Jahre vor der Umsetzung ausgebaut." Die jetzt noch vorhandene Tür stamme wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Stadt kann nicht helfen

Noch Genaueres lässt sich über das Gartenhäuschen nicht herausfinden. Bei der Hammelburger Gärtnerei, bei der der ursprüngliche Inhaber Helmut Goldstein nicht mehr lebt, weiß man nichts über das Alter. Auch die Stadt Hammelburg kann nicht helfen. "Früher war es mit den Planunterlagen nicht so intensiv wie heute", sagt Stadtbaumeister Detlef Mohr. Wenn es nicht gerade um die jüdische Synagoge, die Herrenmühle oder Schloss Saaleck gehe, habe man wenig Chancen, etwas zu finden. Eventuell lasse sich im Bayerischen Staatsarchiv etwas herausfinden - wenn man die Flurnummer wisse.

Konstantin Papadopoulos will das Häuschen auf jeden Fall in seine Gartenplanung mit einbinden. Versetzen wird er das Kleinod nicht, nur von außen eventuell anstreichen. Papadopoulos möchte nicht riskieren, dass es durch Erschütterungen Risse bekommt oder ganz kaputt geht.

Ein Blick ins Innere zeigt: Platz für Gartengeräte oder eine kleine Kaffeetafel bleibt auf jeden Fall. Strom und Internet liegen auch schon drin.

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